Hellboy – Call of Darkness

Land: USA 2019  Regie: Neil Marshall  Dauer: 121 min.  Mit: David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Sasha Lane  : 23.8.2019  FSK: 16
Ein Beitrag unseres höllischen Julian Dax:

Dumm gelaufen! Da kommt mit Hellboy – Call Of Darkness ein Film in den Handel, der das Herz eines jeden mittelprächtig intelligenten 12jährigen im Leib hüpfen lässt, und dann darf er ihn nicht sehen, weil die äußerst drastischen Szenen, in denen Menschen zerhackt, zermatscht oder in Stücke gerissen werden eine Jugendfreigabe unmöglich machen.

Als Guillermo Del Toro in den Jahren 2004 und 2008 seine beiden Filmadaptionen der nicht sehr bekannten Hellboy-Comics in die Kinos brachte, gelang es ihm überraschenderweise, Kritiker und Publikum gleichermaßen zu überzeugen. Sein überbordender visueller Stil, gepaart mit dem Charisma von Hauptdarsteller Ron Pearlman begeisterte selbst Zuschauer, die sich aus Comicverfimungen eigentlich nichts machen. Bekanntlich wandte sich Del Toro anschließend anderen Projekten zu und gehört spätestens seit seinem Oscar für Shape Of Water zur Elite der Regisseure.

Insofern ist es bezeichnend, dass weder er noch Ron Pearlman etwas mit dem erneuten Versuch zu tun haben, aus Hellboy Kapital zu schlagen. Zieht man dazu noch in Betracht, dass Milla Jovovich, die derzeit regierende Königin von Trashfilmen, die weibliche Hauptrolle spielt, ist höchste Vorsicht geboten…

In Hellboy – Call Of Darkness muss der Titelheld (David Harbour) diesmal gegen die Hexe Nimue (Milla Jovovich) antreten, die mit seiner Unterstützung die weltweite Apocalypse herbeiführen möchte. Mit Hilfe seiner beiden Mitkämpfer, der übersinnlich begabten Alice (Sasha Lane) und des schlagkräftigen Ben (Daniel Dae Kim) muss Hellboy sich dem aussichtslos erscheinenden Kampf stellen, in dessen Verlauf wieder einmal halb London plattgemacht wird. Als ob die Briten momentan nicht schon genug Probleme hätten…

Manchmal ist es ganz amüsant, in Presseheften zu den vorgestellten Filmen zu blättern; im vorliegenden Fall kann man jedoch nur den Kopf schütteln, wenn man die Aussagen der beiden Produzenten liest, man habe diesmal einen „erwachseneren“ Film mit dieser Hauptfigur drehen wollen. Wenn man sich nun das ultrabrutale Kasperletheater anschaut, kommt man automatisch zu dem Schluss, dass die Herrschaften eine seltsame Vorstellung von dem Begriff „erwachsen“ besitzen.
(An anderer Stelle im Presseheft wird Frau Jovovich übrigens als „formidable Schauspielerin“ bezeichnet. Selten so gelacht!)
Die Dramaturgie von Hellboy – Call Of Darkness ähnelt einem äußerst simplen Computerspiel, in dem die Hauptfigur sich durch verschiedene Levels metzeln muss, bevor sie sich am Ende dem Hauptgegner bzw. in diesem Fall Hauptgegnerin stellt.

Natürlich erwartet kein Mensch auch nur eine Prise Realismus in solch einem abgefahrenen Grundkonzept – in den letzten Kriegstagen evozieren Nazis einen Dämon aus der Hölle, der jedoch von einem lieben Professor aufgezogen und zum Guten bekehrt wird – doch gelang es Del Toro in den ersten beiden Filmen, stets die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Parodie zu halten, wobei ihm vor allem auch Ron Pearlman eine immense Hilfe war. Trotz Unmengen von Latex und Make-up schimmerte stets seine Persönlichkeit durch, und seine ebenso lakonischen wie witzigen Kommentare waren so etwas wie das Tüpfelchen auf dem I.

Leider ist davon im neuen Film nichts zu merken. Hauptdarsteller David Harbour wirkt die ganze Zeit über lediglich muffig und genervt, seine Sprüche sind eher primitiv, und seine Kampfeinsätze absolviert er denn auch entsprechend lustlos. Regisseur Neil Marshall, der zwar einige Folgen von Game Of Thrones sowie den annehmbaren Horrorfilm The Descent inszeniert hat, lässt hier leider in erster Linie ungute Erinnerungen wach werden an seine filmische Katastrophe namens Doomsday.

Und so lässt man denn als Zuschauer die größtenteils lieblos in Szene gesetzten computergenerierten Bilder an sich vorbeirauschen, hört die Darsteller unsinnige Dialoge sprechen, verdreht die Augen angesichts der vergeblichen Versuche, komisch sein zu wollen und wünscht sich nur, dieser bodenlose Unfug möge bald ein Ende haben. Doch der eigentliche Schock kommt nach sehr langen 121 Minuten erst am Ende des Abspanns: Es droht eine Fortsetzung!

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