Friedhof der Kuscheltiere

Originaltitel: Pet Sematary  Land: USA 2019  Laufzeit: 101 min.  Regie: Kevin Kölsch/Dennis Widmeyr  Mit: Jason Clarke, Amy Seimetz, John Lithgow, Jeté Laurence, Maria Herrera  LabelUniversal  VÖ: 15.8.2019  FSK: 16  –  Ein Beitrag von Julian Dax:

© Universal

Bis heute gehört Stephen Kings 1983 erschienener Roman Pet Sematary zu seinen beliebtesten Werken und bereits 1989 verfilmte Mary Lambert (Drehbuch: Stephen King persönlich) die Geschichte der Familie Creed, die auf schreckliche Art und Weise erfahren muss, dass man Tote ruhen lassen sollte. Aus heutiger Sicht erscheint diese Erstverfilmung nur mäßig überzeugend, und was am Meisten erstaunt, ist der Umstand, dass der Film in Deutschland jahrelang indiziert war und erst Anfang 2019 wieder als DVD/Blu-ray erhältlich ist – ungekürzt und diesmal sogar mit einer FSK 16.

Der Arzt Louis Creed (Jason Clarke) zieht mit seiner Frau Rachel (Amy Seimetz) und den beiden Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage sowie dem Kater Church aus Boston in den beschaulichen kleinen Ort Ludlow im Staat Maine. Sie beziehen ein hübsches Haus mit Grundstück, an das sich ein großer Wald anschließt, und alle scheinen zufrieden, wobei die Tatsache, dass auf der vorbeiführenden Straße ständig riesige Sattelschlepper vorbeidonnern, niemanden zu stören scheint. Und auch der Umstand, dass zum Grundstück auch ein Areal gehört, auf dem Kinder aus der Nachbarschaft schon seit Jahrzehnten ihre Haustiere begraben, spielt für Familie Creed keine Rolle.

Natürlich ist es keine Überraschung, dass Church nach kurzer Zeit von einem der Laster überrollt wird, und als Louis verzweifelt eine Lösung sucht, wie er das Ellie beibringen soll, bietet der freundliche alte Nachbar Jud (John Lithgow, in jeder Rolle überzeugend) seine Hilfe an; er führt den zunächst skeptischen Louis an eine Stelle tief im Wald, die eine Art Opferstätte darstellt und behauptet, jedes Lebewesen, das dort begraben werde, kehre zurück. Und schon am nächsten Tag ist Church wieder da, allerdings leicht verändert…

Man muss weder Kings Roman noch die Erstverfilmung kennen, um sich an fünf Fingern abzählen zu können, wie die Geschichte weitergeht – und wenn wir schon bei der Geschichte sind, so sollte man auch erwähnen, dass sich King bei der klassischen, im Jahre 1902 erschienenen Kurzgeschichte „Die Affenpfote“ des britischen Autors W.W. Jacobs bedient, in der es ebenfalls darum geht, wie ein Mensch versucht, den Tod zu überlisten und dabei natürlich den Kürzeren zieht.

Es ist immer so eine Sache mit Neuverfilmungen: Folgt man dem Original zu sehr, kommt unwillkürlich die Frage auf, was das Ganze überhaupt soll. Nimmt man sich dagegen zu viele Freiheiten heraus, besteht die Gefahr, dass sich Fans der ersten Stunde empört abwenden und der Film durch negative Mundpropaganda und einem entsprechenden Shitstorm in den „asozialen“ Medien untergeht. Die beiden Regisseure von Pet Sematary, Dennis Widmeyr und Kevin Kolsch haben recht geschickt eine Art Mittelweg gewählt; immer wieder bieten sie dem kundigen Zuschauer Szenen, die er bereits zu kennen glaubt, nur um sie dann doch anders weiterzuführen als erwartet. Und auch vor größeren Veränderungen schrecken sie nicht zurück; da man das bereits im Trailer sehen kann, ist es auch kein Spoiler, dass es nicht der zweijährige Gage ist, sondern die neunjährige Ellie, die man als Zombie wiedersieht.

Die größte Veränderung erfährt in dieser neuen Fassung das Ende, das an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll. Nur soviel: Auch wenn man bereits das ursprüngliche Ende in Roman und Film als äußerst verstörend und hoffnungslos betrachten kann, versucht die aktuelle Version da noch einen draufzusetzen. Und offensichtlich waren sich die beiden Regisseure auch da nicht ganz sicher, wie man an dem alternativen Ende in den Extras erkennen kann. Zu hoffen bleibt lediglich, dass die Filmemacher ihre mehrfach im Laufe der Handlung geäußerte Botschaft, der Tod sei manchmal besser, auch selbst befolgen und ihrem durchaus gelungenen Remake keine miserable Fortsetzung wie einst Mary Lambert folgen lassen.

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Horror, Literaturverfilmung abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Friedhof der Kuscheltiere

  1. Olinator schreibt:

    Hallo!
    Ja, „Die Affenpfote“, bei mir in einer Gespenstergeschichten-Anthologie im Regal gut aufgehoben, ist eine sehr gute Geschichte, sozusagen die Horrorvariante des Märchens mit den drei Wünschen. – Ohne Kings Werk je gelesen zu haben und ohne ins Detail gehen zu wollen, muss ich ehrlich sagen, dass die Neuverfilmung nicht an den eigentümlichen Charme des Originals heranreicht (mir kommt’s vor wie gestern … wie schnell 30 Jahre vergehen können – auch das ist echt gruselig). Da hilft auch der Einfallsreichtum zum Variieren der Handlung bzw. bestimmter Szenen nichts. Hätte man sich von mir aus sparen können. Wobei die damalige Fortsetzung allerdings eindeutig noch schlechter war. Aber das Horror-Genre boomt munterer weiter denn je, denn gerade dank dem unermüdlichen Fortsetzungstrend ist rein quantitative Dauerversorgung garantiert; z. B. wird einem gerade „Annabelle 3“ zugemutet. Aber da wünsche ich mir mir doch lieber mal was Neues, also weder eine Fortsetzung noch ein Remake. Sollte eigentlich möglich sein, denn Stoff gibt es wahrlich mehr als genug.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.