Destroyer

Land: USA 2018  Laufzeit: 94 Minuten  Regie: Karyn Kusama
Mit: Nicole Kidman, Toby Kebbell, Tatiana Maslany, Sebastian Stan
Label: Concorde Home Entertainment  : 18.7.2019  FSK: 12 – Von Julian Dax:

© Concorde Home Entertainment

 

Filme wie Paper Boy, Rabbit Hole, The Killing Of A Sacred Deer oder Der verlorene Sohn legen bereits seit geraumer Zeit ein beredtes Zeugnis davon ab, dass von den aktuellen weiblichen Hollywoodstars keine andere bereit ist, derartige Risiken einzugehen wie Nicole Kidman.

Und der aktuelle Beweis für diese These heißt Destroyer.

Erin Bell (Nicole Kidman) ist Ermittlerin bei der Kriminalpolizei in Los Angeles. Die Behauptung, sie sei ein menschliches Wrack, könnte man sogar noch als Untertreibung bezeichnen; wie eine lebende Tote schleppt sich die schwer alkoholkranke Frau durchs Leben und verrichtet so gut wie es nur geht nach wie vor ihren Dienst. In Form von Rückblenden erschließen sich dem Zuschauer allmählich die Gründe für ihren derzeitigen Zustand: Vor 17 Jahren war sie als junge Polizistin, zusammen mit einem Kollegen, mit dem sie zusätzlich noch eine Beziehung hatte, undercover tätig, um eine brutale Bankräuberbande zur Strecke zu bringen. Beide waren jedoch im Begriff, die Seiten zu wechseln und sich mit einem Teil der Beute eines erneuten Überfalls abzusetzen. Allerdings endete dieser Überfall mit mehreren Toten, wofür Erin sich die alleinige Schuld gab und nach wie vor gibt.

Als nun ein zunächst einmal nicht zu identifizierender Toter aufgefunden wird, meint Erin, in ihm jemanden zu erkennen, der seinerzeit nicht gefasst wurde, obwohl er ebenfalls zu der Bande gehörte. Sie beginnt, völlig auf sich allein gestellt, erneut mit ihren Ermittlungen.

In den siebziger Jahren gab es eine ganze Reihe von Krimis aus Hollywood, in denen Gesetzeshüter alles andere als strahlende Helden darstellten; korrupte und kaputte Typen in Filmen wie French Connection, Serpico oder Prince Of The City beherrschten die Leinwand und vermittelten eine Welt, in der Anstand und Moral Fremdwörter waren. Und natürlich waren alle diese Charaktere Männer.

Mit Destroyer wollte Regisseurin Karyn Kusama nun laut eigener Aussage zeigen, dass solch eine Geschichte auch mit einer weiblichen Figur funktioniert, wobei sie natürlich mit Nicole Kidman sicher sein konnte, die richtige Darstelleriin gefunden zu haben.

Mit Ausnahme von Charlize Theron in Monster fällt einem keine weitere Schauspielerin ein, die bereit war, sich derartig abstoßend auf der Leinwand zu präsentieren, ohne das Ganze jedoch vollends in eine Freakshow ausarten zu lassen. Kidmans Erin Bell ist im Endeffekt ein zutiefst bemitleidenswerter Charakter, trotz all ihrer Defizite als Mensch und Mutter, und ihre unausweichliche Abwärtsspirale zu verfolgen tut richtig weh. Dazu kommen Bilder von einem Los Angeles, die unglamouröser und schmuddeliger kaum vorstellbar sind.

Doch Destroyer ist nicht nur eine Charakterstudie; auch wenn der Film die im Grunde simple Geschichte mit (zu) vielen Rückblenden zu verkomplizieren versucht, so beweist die Regisseurin mit der Inszenierung eines ebenso furiosen wie beklemmenden Banküberfalls, dass sie ganz genau weiß, wie eine Actionsequenz auszusehen hat.

Für die fragwürdigste Entscheidung allerdings kann der Film selbst nichts; was um alles in der Welt hat die FSK bei uns bewogen, ihm eine Altersfreigabe „ab 12“ zu verpassen? Ganz abgesehen von einigen Brutalitäten – einen nihilistischeren, deprimierenderen und traurigeren Streifen hat man schon lange nicht mehr gesehen.

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Eine Antwort zu Destroyer

  1. Stepnwolf schreibt:

    Der war wirklich gut. Und Kidman beweist Mut zur Hässlichkeit. Nicht einmal vorrangig äußerlich, sondern viel mehr charakterlich.

    Gefällt 1 Person

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