Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile

Land: USA 2018  Regie: Joe Berlinger  Mit: Zac Efron, Lily Collins, Jim Parsons, John Malkovich, Angela Sarafyan, Haley Joel Osment, James Hetfield  LabelUniversal  VÖ: 4.7.2019  FSK: 16  –  Ein Beitrag unseres Serienguckers Julian Dax:

© UNIVERSAL

„Nur wenige Menschen haben die Phantasie für die Realität.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Es ist wohl nicht anzunehmen, dass der Herr Hofrat sich jemals hätte träumen lassen, dass eines seiner Zitate in fernen Zeiten einem Film über einen der berüchtigsten Serienkiller in der gesamten Kriminalgeschichte vorangestellt würde. Genau dies ist jedoch der Fall bei Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile, dem Film über Ted Bundy, der von 1974 bis 1978 in den USA mindestens 30 junge Frauen bestialisch vergewaltigt und ermordet hat. Der  Filmtitel – auf Deutsch etwa Extrem widerwärtig, schockierend bösartig und abscheulich – ist ein wörtliches Zitat des vorsitzenden Richters während des Prozesses in Florida, der mit diesen Worten sein ganz persönliches Urteil über den Massenmörder zum Ausdruck brachte.

Als die allein erziehende junge Mutter Elizabeth (Liz) Kloepfer (Lily Collins, wird mit jeder Rolle besser!) dem attraktiven, intelligenten und charismatischen Jurastudenten Ted Bundy (Zac Efron, einfach nur erstaunlich!) begegnet, verliebt sie sich auf der Stelle in ihn. Und sie kann ihr Glück nicht fassen, als sie feststellt, dass ihre Gefühle erwidert werden und wie feinfühlig und rücksichtsvoll Ted sowohl mit ihr als auch mit ihrer kleinen Tochter umgeht. Deshalb ist es für sie mehr als ein Schock, als Ted wegen Mordverdacht festgenommen wird und sie aus den Medien nach und nach erfahren muss, welche unvorstellbaren Verbrechen ihm vorgeworfen werden. Und da Ted sowohl in der Öffentlichkeit als auch ihr gegenüber beteuert, er sei unschuldig, weiß sie schließlich überhaupt nicht, wem bzw. was sie überhaupt noch glauben soll…

Für jeden Schauspieler kommt irgendwann einmal der Moment der Wahrheit; mache ich mit den Rollen weiter, die mich reich und berühmt gemacht haben, oder beweise ich, dass ich ein wirklicher Schauspieler bin. Zac Efron, der mit High School Musical bereits in jungen Jahren zum weltweiten Teenageridol aufgestiegen war, wusste eine ganze Weile offensichtlich nicht so recht, welchen Weg er einschlagen soll, was dann in einer ganzen Reihe fragwürdiger Projekte mündete, mit Dirty Grandpa als absolutem Tiefpunkt. (Übrigens auch für den großen Robert De Niro!) Alles das ist vergeben und vergessen, denn als Ted Bundy liefert er eine derart überzeugende Leistung, dass man auch noch im Nachhinein frösteln muss.

Das erstaunliche an Joe Berlingers Film ist vor allem, dass er auf die Darstellung so gut wie aller Scheusslichkeiten, die zur Sprache kommen, vollkommen verzichtet und es dem Zuschauer überlässt, wie weit er sich auf die Bundy zur Last gelegten Verbrechen in seiner Fantasie einlassen möchte. Man mag sich gar nicht vorstellen, was für einen zweifelhaften, spekulativen Schocker ein weniger intelligenter Regisseur zusammengeschustert hätte. Wahrscheinlich wären in solch einem Film die Szenen der häuslichen Idylle mit den diversen Morden kontrastiert worden, um auch dem dümmsten Zuschauer zu zeigen, welch ein Monster dieser Mensch war. Zudem hätte solch ein Regisseur bestimmt auch nicht der Versuchung widerstanden, Erklärungsversuche anzubieten in Form von Rückblenden in Bundys Kindheit.

Nichts davon findet sich zum Glück in Extremely Wicked…, und wir sehen Bundy mit denselben Augen wie Liz, deren Perspektive der Film weitgehend einnimmt. Und Lily Collins versteht es meisterhaft, die völlig widerstrebenden Gefühle darzustellen, die sie beinahe völlig zerstören. Und als Zuschauer kann man absolut nachvollziehen, was sie empfinden muss und will es ebenso wenig wahrhaben wie sie.

Natürlich mag es Zuschauer geben, die von dem völligen Verzicht auf irgendwelche Erklärungen hinsichtlich Bundys monströsem Innenleben frustriert sind, aber der Film zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass man eben nicht allem mit  Logik beikommt. Und wenn man sich am Ende fragt, wie Bundy immerhin vier Jahre lang derart schreckliche Taten in solch unvorstellbar großer Anzahl begehen konnte, wenn man Zeuge wird, wie junge Frauen während des Prozesses in die Kameras der Journalisten Liebeserklärungen an einen entsetzlich grausamen Mann abgeben, als sei er ein Rockstar, dann achte man einfach einmal auf Zac Efrons Mimik in der Szene, als sich Liz und er zum ersten Mal begegnen; schauen Sie ganz genau hin – Sie werden trotzdem nicht die Spur an Bosheit, Täuschung oder Sadismus entdecken und müssen akzeptieren, dass es Menschen gibt, die eine solch perfekte Fassade aufgebaut haben, dass man sie beim besten Willen nicht als solche erkennen kann. Und das ist ein wahrhaft beunruhigender Gedanke.


DVD:

Bildformat: 2.39:1 in 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Englisch Dolby Digital 5.1, Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Länge:  ca. 106 Min.
Extras: Featurette (8:56 min), Trailer Deutsch (1:35 min), Trailer Englisch (1:30 min)

Blu-ray:

Bildformat: 2.39 in 16:9
Tonformat: Deutsch DTS-HD 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Englisch DTS-HD 5.1,
Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Länge: ca. 110 Min.
Extras: Featurette (9:18 min), Trailer Deutsch (1:40 min), Trailer Englisch (1:34 min)

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2 Antworten zu Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile

  1. steffelowski schreibt:

    Auch wenn ich hier etwas völlig anderes erwartet hatte, hat mich der Film doch jede Minute in seinen Bann gezogen.

    Liken

  2. marketerbase schreibt:

    Weil der Film so anders ist als erwartet und den psychologischen toll Aspekt beleuchtet, ist er ein wirklich gelungenes Werk. Auch Zac Efron mimt die Hauptrolle meines Erachtens nach sehr gut.

    Gefällt 1 Person

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