Tatort Antwerpen

Label: atlas film  : 28.6.2019  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© atlas film

 

Abgesehen von den Brüdern Dardenne und neuerdings noch Felix van Groeningen, der seinen letzten Film (Beautiful Boy) immerhin in Hollywood drehen durfte, hat sich Belgien bisher nicht unbedingt als Filmnation empfohlen.

Und auch die drei Filme, die jetzt unter dem Titel Tatort Antwerpen auf den Markt kommen, werden daran wohl nichts ändern

Auch wenn man denken könnte, hier handle es sich um eine Fernsehserie, sind es doch drei eigenständige jeweils ca. 120 Minuten lange Spielfilme, deren Seriencharakter dadurch verstärkt wird, dass sie die beiden gleichen Hauptdarsteller vorzuweisen haben: Koen De Bouw ist Kommissar Vincke, Werner De Smedt sein Kollege Verstuyft, zwei Männer, die vom Typ nicht unterschiedlicher sein könnten. Zudem entstanden die drei Filme auch mit beträchtlichen Pausen dazwischen. So stammt Mörder ohne Erinnnerung bereits aus dem Jahre 2003, Das Recht auf Rache folgte 2010 und der bisher letzte Beitrag Das letzte Opfer erschien 2017.

Der erste Film ist insofern interessant, als die eigentliche Hauptfigur ein unter heftigen Alzheimer-Schüben leidender Profikiller ist, der unter allen Umständen einen Kinderpornoring zur Strecke bringen will, der bis in die höchsten Kreise reicht. In Ermangelung eines wirklichen Sympathieträgers – die beiden Kommissare sind noch relativ blass –  befindet man sich als Zuschauer in der eigenartigen Lage, mit einem mehrfachen Mörder mitzufiebern, der für die Polizei die Drecksarbeit erledigt. Das Recht auf Rache handelt von gegnerischen albanischen Clans, die sich bis aufs Blut bekämpfen, wobei man hier auch etwas mehr über Vinckes Hintergrund erfährt. Sogar eine zarte Romanze mit einer Kollegin gönnt ihm das Drehbuch, die jedoch ein schnelles Ende findet. Der Film ist mit einem relativ großen Aufwand gedreht, die Anzahl der Leichen ist ebenfalls beträchtlich, doch allzu aufregend erscheint die Handlung mit Verrätern überall sowie der bereits im ersten Film angedeuteten und hier weiter geführten Rivalität zwischen Kripo und Gendarmerie nicht gerade.

Im mit großem Abstand spektakulärsten (und blutigsten!) Beitrag Das letzte Opfer geht es um einen Serienmörder, der seinen weiblichen Opfern die Köpfe abschneidet, die er dann in einer Kühltruhe aufbewahrt. Dieser Fall ist ganz auf den impulsiven und eigenwilligen Verstuyft zugeschnitten, der sogar mit einer mysteriösen Frau, die in die grausigen Geschehnisse verstrickt zu sein scheint, eine leidenschaftliche Affäre beginnt, bei der er sogar seinen Job riskiert. Auch wenn die Lösung des Falles für manche äußerst überraschend kommen mag – besonders plausibel erscheint sie nicht unbedingt.

Auch wenn diese drei Filme nicht unbedingt das (Krimi)-Rad neu erfinden, so bieten sie dem nicht allzu anspruchsvollen Zuschauer immerhin kurzweilige Unterhaltung, und zumindest freut man sich an ein paar unverbrauchten Gesichtern.


Mörder ohne Erinnerung:
Originaltitel: De zaak Alzheimer
Produktionsland / Jahr: Niederlande/Belgien 2003
Regie: Erik Van Looy
Darsteller: Koen De Bouw, Jan Decleir, Werner De Smedt, Hilde De Baerdemaeker, Geert Van Rampelberg
Laufzeit: 118 Min
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1/ Flämisch DD 5.1
Bildformat:16:9 (1,85:1)
Untertitel: Deutsch

Das Recht auf Rache:
Originaltitel: Dossier K
Produktionsland / Jahr: Belgien 2010
Regie: Jan Verheyen
Darsteller: Koen De Bouw, Werner De Smedt, Filip Peeters, Blerim Destani, Hilde De Baerdemaeker
Laufzeit: 117 Min
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Untertitel: Deutsch

Das letzte Opfer:
Originaltitel: Het tweede Gelaat
Produktionsland / Jahr: Belgien 2017
Regie: Jan Verheyen
Darsteller: Koen De Bouw, Werner De Smedt, Greg Timmermans, Marcel Hensema, Sofie Hoflack, Jurgen Delnaet
Laufzeit: 117 Min
Bonusmaterial: Making Of
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1/ Flämisch DD 5.1
Bildformat: 2,40:1
Untertitel: Deutsch

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