Romans – Dämonen der Vergangenheit

Land: USA 2017  Regie: Ludwig und Paul Shammasian  Laufzeit: 91 bzw. 95 Min.
Mit: Orlando Bloom, Janet Montgomery, Charlie Creed-Miles, Josh Myers
Label: OFDb Filmworks  : 27.6.2019  FSK: 16 – Von Julian Dax:

© OFDb Filmworks

 

Der Titel Romans – Dämonen der Vergangenheit führt gleich in zweifacher Hinsicht in die Irre; weder handelt es sich dabei um einen historischen Stoff noch um einen Horrorfilm, obschon es thematisch um den ganz realen Horror von Kindesmissbrauch geht.

Malky (Orlando Bloom, unglaublich intensiv) ist ein 37-jähriger Mann, der immer noch bei seiner Mutter lebt und bei einem Abbruchunternehmen tätig ist. Der Auftrag, ausgerechnet die Kirche zu zerlegen, in der er als Zwölfjähriger vom allseits beliebten und respektierten Pfarrer regelmäßig missbraucht wurde, weckt schmerzhafte Erinnerungen in dem zutiefst traumatisierten Malky. Und als dieser Pfarrer erneut in Malkys Leben tritt, löst das Gefühle in ihm aus, die beständig zwischen Rache und dem Wunsch nach Erlösung schwanken und drohen, ihn vollends aus der Bahn zu werfen.

Bereits mit der ersten Einstellung, in der man Zeuge wird, wie ein großes Kreuz von einem Vorschlaghammer zertrümmert wird, machen die beiden Regisseure Ludwig und Paul Shammasian deutlich, dass sie keine Gefangenen machen, sprich, es ihnen nicht unbedingt um Subtilität geht. Andererseits geht es ihnen sowie dem auf eigenen bitteren Erfahrungen des Drehbuchautors Geoff Thompson basierendem Skript auch nicht unbedingt darum, einen Rundumschlag gegen die bis heute nicht vollkommen aufgeklärten Vorkommnissen in Bezug auf das Thema „Katholische Kirche und Kindesmissbrauch“.

Vielmehr zeigt der Film am Beispiel eines erschütternden Einzelschicksals, welch zerstörerische Folgen für das gesamte weitere Leben entstehen, werden diese Kindheitserlebnisse nur teilweise oder gar nicht aufgearbeitet. So erscheint Malky von Anfang an als zutiefst zerstörter Mensch; zwar ist er rührend um das Wohlergehen seiner kranken Mutter (Anne Reid) besorgt, gleichzeitig jedoch wird stets eine gewisse Spannung erkennbar, die damit zusammenhängt, dass sie wohl von dem damaligen Missbrauch wusste, jedoch nichts unternahm, um ihrem Sohn zu helfen.

Auch das Verhältnis zwischen Malky und seiner Freundin Emma (Janet Montgomery) ist zutiefst problematisch; so leidenschaftlich auch der sexuelle Akt erscheinen mag, herrschen doch Distanz, Leere und Verzweiflung vor. Und  Malkys Aggressionsschübe, gepaart mit Tendenzen zur Selbstzerstörung, ob mit Hilfe eines eingefetteten Metallrohres oder einer Schere sind in ihrer Intensität kaum auszuhalten.

Mit dieser Rolle liefert Orlando Bloom, für viele lediglich ein weiteres hübsches Gesicht, bekannt aus Blockbustern wie Herr der Ringe oder Fluch der Karibik, eine wahre Bravourleistung ab. Mit nur wenig Text und äußerst sparsam eingesetzten Gesten verdeutlicht er bis über die Schmerzgrenze hinaus den Seelenzustand des Protagonisten und macht dessen Ringen um die richtige Entscheidung geradezu körperlich spürbar. Chapeau, Mr. Orlando, eine mutigere Vorstellung sucht man bei den meisten ihrer Kollegen vergebens!

Und wenn dann zum Schluss diese Entscheidung fällt, die etwas zu tun hat mit einem der Römerbriefe von Apostel Paulus, ist der Film immer noch nicht zu Ende; die Konsequenz, mit der auch der schuldig gewordene Pfarrer (James Smillie) bereit ist zu sühnen, bietet dem Zuschauer noch eine ebenso unerwartete wie auch schockierende Coda.

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2 Antworten zu Romans – Dämonen der Vergangenheit

  1. ainu89 schreibt:

    Da sieht man mal wieder was für einen Schwachsinn die Marketing Leute manchmal aufführen, denn nach diesem Titel und vor allem auch Titelbild hätte ich erstens nie mit so einem Film gerechnet und zweitens ihm gar nicht erst Beachtung geschenkt…so werd ich aber mal Ausschau halten, ob er mir nicht mal irgendwo unterkommt

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  2. steffelowski schreibt:

    Boah, das scheint ja ziemlich harter Stoff zu sein. Ich hätte nicht erwartet, dass Orlando Bloom dabei ist. Wie in deinem Beitrag beschrieben, habe auch ich Ihn immer eher in der Sunnyboy-Kategorie gelistet. So kann man sich täuschen. Den Film werden ich mir mal merken. Danke für den Tip 👍

    Gefällt 1 Person

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