Glass

Land: USA 2018  Regie: M. Night Shyamalan  Mit: Bruce Willis, Luke Kirby, Anya Taylor-Joy, James McAvoy, Samuel L. Jackson  LabelDisney  VÖ: 23.5.2019  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Walt Disney Studios Home Entertainment Germany

Es war einmal… ein junger Regisseur mit einem ungewöhnlichen Namen, der mit einem seiner ersten Filme einen riesigen Erfolg bei Publikum und Kritik gleichermaßen hatte. In diesem Film sieht ein kleiner Junge immer und überall Menschen, die keines natürlichen Todes starben, sondern Opfer von Unfällen bzw. Verbrechen wurden. Der Einzige, der ihm glaubt, ist ein Privatdetektiv mit seinem ganz eigenen Geheimnis. Natürlich wissen Sie es längst; der Name des Regisseurs lautet M. Night Shyamalan, der Film heißt The Sixth Sense, und das Besondere daran ist ein äußerst überraschender Dreh am Ende, der die komplette Filmhandlung plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Daraufhin drehte Shyamalan Unbreakable, in dem Bruce Willis und Samuel L. Jackson sich als Männer mit angeblichen Superkräften gegenüber stehen, und auch dieser Film hatte einen sog. „Twist“ am Ende, der von nun an zu so etwas wie einem Markenzeichen des Regisseurs werden sollte. Es folgten Signs, The Village, The Happening, After Earth, doch leider verließ Mr. Shyamalan sein Glück bzw. sein Geschick, denn die Filme wurden immer abstruser, lächerlicher, unlogischer und langweiliger. (Vielleicht erinnern sich noch einige z.B. an die Szene in The Happening, in der Mark Wahlberg vor dem Wind (!!!) davonläuft?)

Vor zwei Jahren jedoch konnte das einstige Regiewunderkind mit Split wieder einen halbwegs erfolgreichen Film vorlegen, in dem es um einen Mann mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung geht. Und weil Shyamalan nach wie vor von seinem eigenen Genie überzeugt zu sein scheint, kam er auf die Idee, die beiden Figuren aus Unbreakable mit der Hauptfigur aus Split zu vermischen und daraus Glass zu kreiieren.

Seit fast 20 Jahren befindet sich Elijah Price bzw. Mr. Glass (Samuel L. Jackson) in der psychiatrischen Anstalt von Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson), deren Spezialgebiet darin besteht, Menschen, die sich für Superhelden halten, von ihrem Wahn zu befreien. In diese Kllinik werden nun sowohl David Dunn (Bruce Willis) als auch Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) eingeliefert, letzterer die Hauptfigur aus Split. Und während die Ärztin mit pseudowissenschftlichem Blabla sowie fragwürdigen Therapien (Scheinwerfer!) sowohl ihre Patienten als auch die Zuschauer entsetzlich nervt, haben die drei Männer ihre ganz eigenen Pläne…

Mit viel Wohlwollen kann man Glass zwar bescheinigen, dass er sich überhaupt nicht um Genrekonventionen schert, doch damit erschöpft sich das Lob auch schon; mal ist er eine Art Hommage an Superheldenfilme, nur um sie im nächsten Moment zu dekonstruieren. Mal überwiegen Horrorelemente, dann wieder gewinnt das Melodrama die Oberhand. Personen aus den vorhergehenden Filmen (Anya Taylor-Joy als Casey, Charlayne Woodard als Mrs. Price) kommen und gehen vollkommen unmotiviert, und Zuschauer, die weder Unbreakable noch Split gesehen haben, verstehen ohnehin nur Bahnhof.

Und die Schauspieler? Während Samuel L. Jackson den überwiegenden Teil des Films damit verbringt, reglos in seinem Rollstuhl zu hängen und Bruce Willis wieder einmal durch einen Film schlafwandelt, ergreift immerhin James McAvoy die Gelegenheit beim Schopf; welchem Schauspieler ist es auch schon vergönnt, gleich 23 (!) verschiedene Persönlichkeiten darzustellen, vom neunjährigen Mädchen bis zum furchterregenden „Beast“. Doch auch daran sieht man sich relativ schnell satt, und die 130 Minuten, die Glass dauert, ziehen sich entsetzlich. Und der „Twist“? Der  besteht diesmal schlicht und ergreifend darin, dass es ihn gar nicht gibt, was man entweder als Rache an der Erwartungshaltung des Publikums interpretieren kann oder einfach nur als Verarsche.
M. Night Shyamalan jedenfalls sollte sich seine nächsten Schritte als Filmemacher gut überlegen, denn noch so einen Stinker in Folge kann er sich absolut nicht leisten.


Das Blu-ray-Bonusmaterial im Detail:

  • Alternativer Anfang (2:55 Min.)
  • Die Hauptfiguren und ihr Hintergrund
  • Ein Gespräch mit James McAvoy und M. Night Shyamalan (5:07 Min.)
  • Das Team kommt wieder zusammen (3:00 Min.)
  • David Dunn gegen die Bestie (2:06 Min.)
  • Die Stunts in „Glass“ (1:24 Min.)
  • Das „Glass“ Universum (2:46 Min.)
  • Der Filmemacher M. Night Shyamalan (2:38 Min.)
  • Der Sound von „Glass“ (1:47 Min.)
  • Die Effekte von „Glass (2:50 Min.)
  • Raven Hill Memorial Hospital (2:13 Min.)
  • Nights Vision: Die Storyboards (1:53 Min.)
  • Zusätzliche Szenen (25:43 Min.)
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