Rocketman

Land: USA/GB 2019  Regie: Dexter Fletcher  Dauer: 121 min.  Mit: Taron Egerton, Richard Madden, Jamie Bell, Stephen Graham, Bryce Dallas Howard  Kinostart: 30.5.2019  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Paramount

 

Geben Sie es schon zu: Auch als gestandener Popmusikgegner kennen Sie mindestens drei Titel von Elton John, was bei ca. 300 Millionen verkauften Tonträgern natürlich kein Wunder ist!

Mit Rocketman erhält dieser Ausnahmekünstler nun auch seine längst verdiente Filmbiographie.

Gleich zu Beginn sehen wir eine Gestalt in einem extrem auffälligen orangefarbigen Kostüm (inklusive Flügel und Teufelshörner!) einen Gang entlang schreiten, eine Tür aufstoßen und sich einer im Kreis sitzenden Gruppe Menschen anschließen. Mit den Worten „My name is Elton fucking John and I´m an alcoholic“ wird dem Zuschauer klar, dass es sich um ein Treffen der Anonymen Alkoholiker handelt. Nach diesem fulminanten Beginn begibt sich der Film zurück in die 50er Jahre. Ein kleiner, bebrillter , leicht pummeliger Junge namens Reginald (Reggie) Dwight lebt mit seinen Eltern und der Großmutter in der kleinen Stadt Pinner. Während sich Mutter Sheila (Bryce Dallas Howard, kaum zu erkennen) hauptsächlich um sich selbst kümmert und der kalte und abweisende Vater (Steven Mackintosh) für seinen Sohn nicht einmal ein Lächeln übrig hat, ist es in erster Linie die Großmutter (Gemma Jones), die das musikalische Talent ihres Enkels entdeckt und fördert. Mit ihrer Unterstützung wird er letztlich sogar in die renommierte Royal Academy Of Music aufgenommen.

Doch mit dem Erscheinen von Elvis Presleys erster LP steht für Reggie fest: „I want to play Rock´n´Roll!“, was er denn auch in Folge in die Tat umsetzt und mit einer Band in Pubs und Clubs auftritt. Schließlich klopft er an beim berüchtigten Londoner Musikverleger Dick James (Stephen Graham, abstoßend) und fragt, ob dieser an seinen Kompositionen interessiert sei. Doch erst die Begegnung mit dem Texter Bernie Taupin (Jamie Bell, herzerwärmend sympathisch) führt zu dem berühmten Funken, der das Feuer entzündet, das schon bald lichterloh brennt und aus Reginald Dwight den  Superstar Elton John macht, mit allen Höhen und vor allem Tiefen, die solch eine Existenz offensichtlich zwangsläufig mit sich bringt: Geld, Ruhm, unglückliche Liebe zu seinem Manager John Reid (Richard Madden, mephistophelisch), Drogenmissbrauch, Selbstmordversuch.

Nach dem überragenden Erfolg von Bohemian Rhapsody ist der Boden bereitet für weitere Filme, die sich mit außergewöhnlichen Musikerpersönlichkeiten beschäftigen. Und da Regisseur Dexter Fletcher bekanntlich auch die Regie bei Bohemian Rhapsody übernahm, nachdem man den „offiziellen“ Regisseur Bryan Singer gefeuert hatte, mag der Filmverleih hoffen, dass auch Rocketman ein ähnlicher Erfolg zuteil wird. Und die Chancen stehen nicht schlecht, auch wenn der Film anders an die Lebensgeschichte seiner Hauptfigur herangeht.

Anstatt die einzelnen Stationen im Leben chronologisch abzuhandeln und dabei immer wieder die bekanntesten Songs auf der Bühne und im Studio zu präsentieren, wählt Fletcher einen anderen, mutigeren und innovativeren Weg; ohne sich um die Entstehungszeit der jeweiligen Songs zu kümmern, verwendet er sie, um die Geschichte in einer Art von Musical zu transportieren und zu zeigen, wie sehr Musik und Texte mit dem Leben von Elton John zu tun haben. Das geht los mit „Saturday Night´s Alright For Fighting“, als man Reggie in einem Pub sieht, in dem eine Schlägerei entsteht, die sich zu einer mitreißenden Choreographie entwickelt, führt über das herzzerreißende „I Want Love“, das die für den Kleinen unerträgliche Situation zu Hause kommentiert, über „Goodbye Yellow Brick Road“, in dem es um den kurzzeitigen Bruch zwischen Elton und Bernie geht, um schließlich in „I´m Still Standing“ zu münden, das den Film auf einer positiven Note ausklingen lässt.

Und ganz anders als in Bohemian Rhapsody, in dem Freddie Mercurys exzessive Lebensweise lediglich ganz sachte angedeutet wurde, scheut sich Rocketman vor gar nichts; ob Drogenmissbrauch, Alkoholismus, schwuler Sex – es ist alles vorhanden.

Natürlich muss man auch und vor allem auf Taron Egerton zu sprechen kommen, der Elton John nicht nur verkörpert, sondern sich regelrecht in ihn verwandelt. Und im Gegensatz zu Rami Malek als Freddie Mercury verfügt er auch über die  entsprechende Gesangsstimme, um die Songs selbst singen zu können – eine Leistung, der auch der echte Elton John allerhöchsten Respekt zollte.

So ist zu hoffen, dass auch Menschen den Weg ins Kino finden, die mit der Musik von Elton John bisher nicht allzu viel anfangen konnten, denn eine mitreißendere Musikergeschichte ist kaum vorstellbar, und man bedauert es, dass der Film nach zwei Stunden schon zu Ende ist.

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