Colette

Land: USA/GB 2018  RegieWash Westmoreland  Mit: Keira Knightley, Dominic West, Eleanor Tomlinson  Labeldcm Film Distribution VÖ: 10.5.2019  FSK: 6 –
Ein Beitrag unseres Literaten Julian Dax:

© DCM

 

Welche Frau erhielt als Erste in Frankreich ein Staatsbegräbnis? Das wäre wohl eine gute Frage bei „Wer wird Millionär?“. Und falls der Kandidat nicht gerade literarisch bewandert ist, hätte er wohl mit der Beantwortung seine Schwierigkeiten.

Des Rätsels Lösung? Es war Sidonie-Gabrielle Colette, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Frankreichs im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert, die nun im Mittelpunkt von Wash Westmorelands Filmbiographie Colette steht.

Als die junge Provinzschönheit Sidonie-Gabrielle Colette (Keira Knightley) den wesentllich älteren Pariser Autoren Willy (Dominic West) heiratet, ändert sich ihr Leben schlagartig, denn der Unterschied zwischen der ländlichen Idylle und der Großstadt könnte größer nicht sein. Doch „Gabri“, wie ihr Mann sie nennt, lässt sich von der blasierten Kunstszene keineswegs verunsichern; so antwortet sie auf die spöttische Bemerkung einer Bekannten ihres Mannes, dessen wilde Zeiten seien nun wohl vorüber, mit dem angriffslustig vorgetragenen Satz: „Im Gegenteil, die wilden Zeiten haben erst angefangen.“

Obwohl ihr von Anfang an klar ist, dass ihr Mann notorisch untreu ist („Männer sind eben so!“ ist seine simple Erklärung), nimmt sie das hin und glaubt seinen Beteuerungen, sie sei die Einzige, die er wirklich liebe. Als er, der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, namenlose Autoren zu beschäftigen, und deren Arbeiten unter seinem Namen zu veröffentlichen, diese nicht mehr bezahlen kann, schlägt er vor, die Texte seiner Frau, die ein enormes Talent für das Verfassen von Geschichten entwickelt, unter seinem Namen zu veröffentlichen. Zögerlich willigt sie ein, und bereits der erste Roman wird ein sensationeller Erfolg. Darin erzählt Colette von einer selbtbewussten jungen Frau namens Claudine, die genau wie Colette eine Affäre mit derselben Frau wie ihr Mann hat. Es ist ein halb autographisches Buch, das unter Willys Namen zum Bestseller wird und ihm Reichtum und Ruhm verschafft.  Schnell entstehen weitere Claudine – Bestseller, allesamt geschrieben von Colette – und schließlich sogar eine ganze Markenwelt inklusive Parfum, Make-up und Seifen.

Als Colette ihren Mann bittet, endlich als wahre Autorin in Erscheinung treten zu dürfen, lehnt dieser ihr Ansinnen entrüstet ab, und es kommt zum Zerwürfnis. Colette, die inzwischen eine offene Beziehung zu einer Frau eingegangen ist, lernt Singen und Tanzen und beginnt eine neue Karriere auf der Bühne. Gleichzeitig kämpft sie um die ihr zustehenden Tantiemen als rechtmäßige Autorin ihrer Romane.

Colette hat grundsätzlich mit demselben Problem zu kämpfen wie die meisten Filmbiographien, die sich mit dem Leben von Schriftstellern beschäftigen; schließlich gibt es kaum etwas Langweiligeres, als Menschen dabei zuzusehen, wie sie am Schreibtisch sitzen und versuchen, Worte zu Papier zu bringen, auch wenn die Dekors und Kostüme – wie im vorliegenden Fall – nur vom Feinsten sind. Zum Glück stehen dem Regisseur jedoch zwei großartige Darsteller zur Verfügung, bei denen einfach jeder Satz und jede Geste stimmen und großes Interesse an den Figuren wecken. Und so versteht man auch, was Colette an Willy findet, warum sie relativ lange braucht, bis sie sich von ihm lösen kann. Und von Keira Knightley, die hier eine ihrer besten Leistungen als Schauspielerin zeigt, kann man seine Augen praktisch nicht abwenden und bedauert es regelrecht, dass der Film in dem Moment endet, als Colette erst richtig berühmt wird.


Lauflänge Hauptfilm: 107 min (111 min BD)
Bildformat: 2,40:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1 (DTS HD 5.1)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews mit Cast & Crew

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Eine Antwort zu Colette

  1. EJ schreibt:

    Hab den Film gestern geschaut. Großartig 🙂

    Liken

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