Fahrenheit 11/9

Land: USA 2018  Regie: Michael Moore  Mit: Michael Moore, Donald Trump, Barack Obama, Katie Perry  LabelWeltkino  VÖ: 26.4.2019  FSK: 12 – Ein Beitrag unseres Politologen Julian Dax:

© Weltkino

„Anger is an energy“ sang einst Johnny Rotten, und so gesehen muss der Filmemacher Michael Moore vor Energie geradezu strotzen, so wütend, wie er sich in seinem neuen Dokumentarfilm Fahrenheit 11/9 zeigt. Nach Fahrenheit 9/11, in dem er sich George W. Bush und dessen Politik vorknöpfte, dokumentiert er diesmal, wie es zu Donald Trumps Wahl überhaupt kommen konnte („How the fuck did this happen?“) und welche Folgen das für die USA und den Rest der Welt nach sich zog. Darüber hinaus zeigt er aber auch andere schlimme Vorkommnisse, ob es  nun um den Skandal um verseuchtes Trinkwasser in Flint, Michigan geht oder die Schießerei an der Parkland High School.

Vielfach hat man Fahrenheit 11/9 – der Titel ist eine Anspielung an den Wahltag – vorgeworfen, der Film sei  mit über 2 Stunden viel zu lang für eine Dokumentation und außerdem ließe er eine klare Struktur vermissen, aber man könnte eigenlich argumentieren, dass Moore sich auch formal dem Chaos annähern wollte, dass Trumps Präsidentschaft von Anfang an fabrizierte. In schneller Folge sieht man den Werdegang des ehemaligen Darstellers in Reality-Shows und Immobilienhais sowie seine Auftritte während seines Wahlkampfs und nach seiner Vereidigung als Präsident und fragt sich zwangsläufig, wie man solch einen Mann, von dem man bereits so viel Negatives und Unappetitliches gehört und gesehen hatte („Meine Tochter war schon immer üppig gebaut. Wäre sie zehn Jahre älter, würde ich sie daten“), zum mächtigsten Amerikaner  wählen konnte. Auch wenn die Sequenz, in der Moore gewisse Parallelen zwischen dem Aufstieg Hitlers mit dem von Trump zeigt, nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, ist man dennoch verblüfft, wie sehr sich manches gleicht.

Einen breiten Raum des Filmes nimmt der bereits erwähnte Skandal um verseuchtes Trinkwasser in der Kleinstadt Flint in Michigan ein. Gouverneur Rick Snyder ließ aus purer Profitgier eine zweite Wasserleitung bauen, die nicht mehr das absolut saubere Wasser aus dem Lake Huron in die Häuser leitete, sondern vor allem mit Blei vergiftetes aus dem River Flint. Die Folge? Bleivergiftungen vor allem bei Kleinkindern, Hautausschläge und überproportional viele Todesopfer als direkte Folge. Doch da der Großteil der Bevölkerung schwarz und/oder arm ist, kümmerte sich lange Zeit niemand darum und Gouverneur Snyder kam mit seinen Machenschaften durch.

In diesem Zusammenhang kommt auch Barack Obama – nach Trumps Wahl von vielen geradezu als Lichtgestalt hochstilisiert – alles andere als gut weg. Da die Ereignisse in Flint in seine Regierungszeit fielen, sah er sich genötigt, der Stadt einen Besuch abzustatten; sein Verhalten während einer öffentlichen Versammlung jedoch ist wirklich zum Fremdschämen.

Die Verbindung zu Trumps Verhalten stellt Moore so dar, dass er darauf anspielt, Snyders Ruchlosigkeit habe eine Art Vorbildfunktion für ihn gehabt, nach dem Motto: „Wenn der mit so etwas unbeschadet davonkommt, dann kann auch mir keiner was!“

Im Grunde genommen ergreift Moore auch keine Partei, denn etliche prominente Demokraten bekommen ebenfalls schlechte Noten von ihm; der wichtigste Aspekt erscheint ihm, zu betonen, dass das ganze System verrottet ist und dringend reformiert werden müsste. Und wenn er am Ende von Fahrenheit 11/9 Massendemonstrationen von Schülern zeigt, die als Reaktion auf das Massaker an der Parkland High School folgten, so kann mn das als durchaus positive Botschaft  an alle wahren Freunde der Demokratie interpretieren: „Erhebt euch, empört euch, engagiert euch! Die Demokratie muss unbedingt vor Despoten wie Donald Trump beschützt und bewahrt werden!“


DVD:

Länge: 123 min
Bild: 1,85:1 (anamorph)
Ton: Deutsche Voice-Over (5.1 DD, Stereo DD), Englisch (5.1 DD)
Untertitel: Deutsch

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