Ride

Land: USA 2018  Regie: Jeremy Ungar Mit:  Bella Thorne, Jessie T. Usher, Will Brill LabelWeltkino  VÖ: 29.3.2019  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Weltkino

Als Filmrezensent erlebt man immer wieder positive Überraschungen; da legt man eine DVD ein, ohne sich vorher über den darauf enthaltenen Film zu informieren, erwartet eigentlich nichts Besonderes – und fühlt sich bereits nach wenigen Minuten bestens unterhalten. So erging es zumindest dem Schreiber dieser Zeilen bei Jeremy Ungars Ride.

James (Jessie T. Usher) ist ein junger arbeitsloser Schauspieler, der sich seinen Lebensunterhalt bei einem Fahrdienst à la Uber verdient. Mit der hübschen Jess (Bella Thorne), die er zu einem angesagten Club in L.A. fährt, fängt er einen erfolgreichen Flirt an, der damit endet, dass sie ihn einlädt, nach seiner Tour noch vorbeizuschauen. Auch sein nächster Kunde erweist sich als ungewöhnlich; Bruno (Will Brill) ist einerseits geheimnisvoll und irgendwie verdächtig, andererseits aber auch großzügig und geistreich. So bietet er James 100 Dollar an, wenn dieser ihm einen Monolog aus einem Drama von Shakespeare vorträgt. Zwar ist James irritiert, dass Bruno ihm kein festes Fahrziel angibt, lässt sich jedoch auf dessen Wünsche ein, ihn zu diversen Lokalitäten zu bringen. Schließlich landen sie in dem Club, wo Jess sich tatsächlich freut, James wiederzusehen, doch dann entwickelt sich der Abend ganz anders, als James und Jess sich das vorgestellt haben, denn Bruno ist ein Psychopath…

Drei Personen und hauptsächlich nur das Innere eines Autos als Schauplatz – mehr braucht Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Ungar nicht, um seine Geschichte zu erzählen. Dass so etwas funktionieren kann, hat vor einigen Jahren Spurlos – Die Entführung der Alice Creed bewiesen, auch wenn es da kein Auto ist, sondern ein Raum. Dazu braucht man lediglich ein intelligentes Drehbuch und drei gute Darsteller. Auch wenn Ride die Klasse des o.a. Filmes nicht erreicht, weist er zumindest beides auf – mit gewissen Abstrichen beim Drehbuch.

Als erfahrener Zuschauer glaubt man zwar zu wissen, wohin die Reise geht, doch Ride gelingt es immer wieder, diese  Erwartungen nicht zu erfüllen, sondern einen Haken zu schlagen. Natürlich kann man dem Drehbuch vorwerfen, dass die Charaktere nicht besonders klar definiert sind, aber wie viel kann man schon über einen Menschen erfahren während 75 Minuten Echtzeit, in der die Handlung abläuft?  Zudem spielen alle drei Darsteller derart überzeugend, dass man auf jeden Fall genug über sie weiß, als die Situation brenzlig wird. Vor allem Will Brill gelingt es in der ersten Hälfte des Filmes, Bruno durchaus charismatisch zu gestalten, was seinen Wandel zum unberechenbaren Psychopathen im weiteren Verlauf umso erschreckender macht.

Natürlich kann man einwenden, dass dieser Wandel sehr abrupt vonstatten geht und vielleicht auch zu spät kommt. Auch wenn man ahnt, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt, zögert Ungar diese Erkenntnis doch etwas zu sehr hinaus. Und wenn wir schon bei gewissen Schwachpunkten sind, so kann man auch anführen, dass das Ende ebenfalls nicht so richtig überzeugen kann, denn zu viele Elemente bleiben in der Schwebe.

Doch trotz dieser Einwände ist und bleibt Ride ein wendungsreicher, hervorragend gespielter kleiner Film, der auf intelligente Dialoge setzt, nicht auf Schießereien und Autoverfolgungsjagden. Deshalb sollten Sie unbedingt auf den Trailer verzichten, wenn Sie sich den Film anschauen wollen; nicht nur tut der so, als hätte man es hier mit einem waschechten Actionfilm zu tun, sondern er nimmt auch viel zu viel von der Handlung vorweg.


DVD:

Länge: 73 min
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Ton: Deutsch / 5.1 DD, Stereo DD, Englisch / 5.1 DD
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Wendecover

Blu-ray:

Länge: 76 min
Bild: 1,78:1 (1080p/24 Full HD)
Ton: Deutsch / 5.1 DTS-HD MA, Stereo DTS-HD MA, Englisch / 5.1 DTS-HD MA
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Wendecover

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