Auslöschung

Originaltitel: Annihilation  Land: USA 2018  Regie: Alex Garland  Mit: Natalie Portman, Gina Rodriguez, Tessa Thompson, Jennifer Jason Leigh, Oscar Isaac LabelUniversal  VÖ: 14.3.2019  FSK: 16  –  Ein Beitrag von Julian Dax:

© UNIVERSAL

Feige.
Das ist wohl die passendste Bezeichnung für das Geschäftsgebaren der Firma Paramount. Da hat sie mit Annihilation einen der ungewöhnlichsten SF-Filme der vergangenen Zeit im Verleih, und was machen die Entscheidungsträger?

Sie veröffentlichen den Film in den USA ohne jegliche Werbung und ohne Pressevorführungen, nur um ihn kurze Zeit später ganz an Netflix zu veräußern. Und bei uns kommt er gar nicht erst in die Kinos, sondern erscheint gleich als DVD/Blu-ray.

Offensichtlich traut man dem Publikum – trotz des großen Erfolges von Arrival – keinen intelligenten SF-Film zu, der sich eher an Tarkovskys Solaris oder Stalker orientiert als an Transformers.

Lena (Natalie Portman) ist Molekularbiologin, deren Ehemann Kane (Oscar Isaac) seit über einem Jahr als verschollen gilt, nachdem er im Auftrag der Regierung mit einer kleinen Gruppe einen äußerst geheimen Auftrag angenommen hat. Doch wie aus dem Nichts taucht er eines Tages zu Hause auf, wirkt jedoch seltsam desorientiert. Als Lena ihn ins Krankenhaus bringen lässt, wird der Krankenwagen jedoch von bewaffnetenen Soldaten gestoppt und sie und ihr Mann finden sich an einem unbekannten Ort wieder. Lena erfährt von einem unerklärlichen Phänomen, genannt „The Shimmer“, das den Wissenschaftlern schon seit drei Jahren Rätsel aufgibt; es handelt sich um eine Art von Kraftfeld, das sich über einen unbewohnten Teil Floridas gebildet hat und aussieht wie ein flüssiger Regenbogen, der ständig pulsiert und seine Farben verändert. Sämtliche Teams, die in dieses Kraftfeld geschickt worden sind, dessen Zentrum in einem Leuchtturm am Strand zu liegen scheint, sind jedenfalls nicht zurückgekehrt – mit Ausnahme von Kane, mit dem jedoch offensichtlich etwas nicht stimmt.

Nun soll ein weiteres Team, diesmal ausschließlich aus Frauen bestehend, einen weiteren Versuch unternehmen, der Sache auf den Grund zu gehen. Von den fünf Frauen, vier Wissenschaftlerinnen und eine Psychologin, wird jedoch nur eine zurückkehren…

Nach Ex Machina ist Annihilation (= Auslöschung) die zweite Regiearbeit von Alex Garland; ging es jedoch im kammerspielartigen Vorgängerfilm ausschließlich um Gefahren im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, weitet er die Themenpalette diesmal beträchtlich aus. Evolution, Mutation, Selbstzerstörung, die Angst, seinem Gegenüber zu trauen sind – bereits jedes für sich – keine leichten Themen, und es ist bewundernswert, wie Garland seine Geschichte erzählt, ohne sie thematisch zu überfrachten. Er ist auch ein Meister darin, dem Zuschauer immer nur die für den Fortgang wichtigen Details zu liefern, ohne jedoch zu viel vorwegzunehmen. Und so folgt man den glücklosen Forscherinnen mit immer bangerem Gefühl ins Unbekannte, wohl wissend, dass das Ganze unmöglich gut ausgehen kann.

Auch technisch überzeugt Annihilation auf ganzer Linie; nicht nur wirkt der Dschungel unheimlich und unwirklich mit all seinen tierischen und pflanzlichen Neuschöpfungen, auch die Tonspur leistet ganze Arbeit mit all den irritierenden und undefinierbaren Geräusche, die von Anfang beklemmend auf den Zuschauer einwirken. Und die Schauspieler – neben den bereits genannten treten noch Jennifer Jason Leigh, Tessa Thompson, Gina Rodriguez und Tuva Novotny auf – tragen ebenfalls dazu bei, dass der Film an keiner Stelle zu einem weiteren doofen SF/Monsterfilm verkommt, denn bei aller Knappheit sind alle mit ihren ganz individuellen Ängsten und Problemen ausgestattet. Und die mit Abstand erschreckendste Szene – Sie erkennen sie, wenn Sie sie sehen – wird einem wohl noch eine ganze Weile nachgehen.

Besonders hoch einzuschätzen ist vor allem der Umstand, dass Annihilation keine einfachen Antworten auf komplizierte Fragen liefert, und man kann sich gut die lebhaften Diskussionen vorstellen, die man nach dem Anschauen führen wird, bietet der Film doch eine ganze Reihe möglicher Interpretationen. Und von wie vielen Filmen der letzten Zeit lässt sich das schon behaupten?


DVD:


Laufzeit: 110 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, EN, PL, E)
Bild: 2,39:1
Untertitel: D, EN, ARAB, PL, P, RO, E

Blu-ray:

Laufzeit: 115 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, F, I, J, PL, E), Dolby Atmos (EN)
Bild: 2,39:1 in High Definition
Untertitel: D, EN, ARAB, DK, NL, FIN, F, I, J, KOR, N, PL, P, RO, E, S, THAI

 

 

Bonusmaterial:
– Teil 1: Southern Reach – Entstehungsgeschichte und Casting von „Auslöschung“
– Teil 2: Area X – Aufnahmen am Drehort, Visuelle und Spezial Effekte
– Teil 3: Zum Leuchtturm

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Eine Antwort zu Auslöschung

  1. Ich habe mit den Film auch angesehen. War erst skeptisch, da er mir halt vorher nicht bekannt war. Muss aber sagen, das ich mich Deiner Rezension voll anschließen kann. Ein klasse Film!

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