Halloween

Land: USA 2018  Regie: David Gordon Green  Mit: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Will Patton, Nick Castle, Andi Matichak, Omar J. Dorsey  LabelUniversal  VÖ: 28.2.2019  FSK: 16  –  Ein Beitrag von Julian Dax:

© Universal Pictures Home Entertainment

 

„Was lange währt, wird endlich gut!“ – so lautet ein bekanntes deutsches Sprichwort.

Vielleicht sollte man das Adjektiv „gut“ im vorliegenden Fall durch „ordentlich“ ersetzen, und schon ist man bei Halloween, der eigentlichen Fortsetzung von John Carpenters Kultfilm gleichen Titels, der 1978 in die Kinos kam und bis heute auf der Liste von Lieblingsfilmen so gut wie aller Horrorfans steht.

Als John Carpenter nach einer SF-Parodie (Dark Star) sowie einem intelligenten Actionkracher (Assault – Angriff bei Nacht) beschloss, mit The Babysitter Murders sich auch im Horrorgenre auszuprobieren, ahnte er wohl nicht, dass er mit Halloween, wie sein Projekt letztlich umgetitelt wurde, einen Horrorfilm für die Ewigkeit kreiieren würde. Zwar hatte er nicht besonders viel Geld zur Verfügung, dafür aber jede Menge Ideen, die man so noch nicht oft auf der Leinwand gesehen hatte. Und mit der erst 19-jährigen Jamie Lee Curtis in ihrer ersten Filmrolle tat er einen echten Glücksgriff. Ergebnis? Praktisch über Nacht erschuf Carpenter das Genre des sog. „Slashers“, wie man fortan Horrorfilme nennt, in denen der psychopathische Killer vorzugsweise mit scharfen Gegenständen mordet.Natürlich hatte der Erfolg auch die unangenehme Nebenwirkung, dass sehr schnell unzählige Nachahmer auf den Plan traten, und auch von Halloween selbst gab es eine ganze Reihe von Fortsetzungen und Neuanfängen, die jedoch dem Original bei Weitem nicht das Wasser reichen konnten.

Und so dachte man eigentlich, dass Michael Myers nach seinem letzten Auftritt in Rob Zombies unterirdisch schlechtem Halloween II (2009) seine gespenstische William Shatner-Maske zum letzten Mal überstreifte. Doch 40 Jahre nach dem Original hatte Regisseur und Co-Autor des Drehbuches David Gordon Green eine grandiose Idee: Wie wäre es, wenn man sämtliche Fortsetzungen ignoriert und den neuen Film als eigentliche Fortführung der Ereignisse aus dem Original konzipiert? Und nachdem Jamie Lee Curtis „nach der vierten Seite des Drehbuches“, wie sie selbst auf einem der Zusatzprogramme der Blu-ray sagt, die Rolle der einzigen Überlebenden aus dem ersten Film übernahm und auch John Carpenter als Berater und ausführender Produzent mit an Bord war, ging man das Projekt an.

Nachdem der Bus, der einige gefährliche geisteskranke Kriminelle, darunter Michael Myers, in eine andere Anstalt überführen sollte, auf einer einsamen Straße verunglückt, macht sich Myers unverzüglich auf ins nahe gelegene Haddonfield, denn wieder ist es Halloween, und er hat noch eine Aufgabe zu erfüllen…

Was den neuen Halloween tatsächlich sehenswert macht, ist weniger die Story – der schweigsame Killer, der seit 40 Jahren kein einziges Wort gesprochen hat, metzelt sich durch einen Querschnitt der Bewohner des kleinen idyllischen Ortes – es ist vielmehr der konsequente Perspektivenwechsel, den er vornimmt. Im Mittelpunkt steht diesmal eindeutig Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) als nunmehr paranoide alte Frau mit wirren weißen Haaren, die in einem einsamen Haus am Rande der Stadt lebt, das sie zu einer veritablen Festung ausgebaut hat; sie ist fest davon überzeugt, dass Myers eines Tages zurück kehrt, um sein „Werk“ zu vollenden. Aus diesem Grund hat sie auch ihre nunmehr erwachsene Tochter Karen (Judy Greer) bereits als Kind den Umgang mit Schusswaffen gelehrt, was letztlich zu einem totalen Zerwürfnis mit ihr und ihrer Enkelin Allyson (Andi Matichak) führte. Doch schließlich sind es gerade diese drei Frauen, die die finale (?) Konfrontation mit dem „Schwarzen Mann“ – Myers gilt nach wie vor als unzerstörbar – bestehen müssen.

Wer sich an das Original erinnert – und wer tut das nicht – wird sehr schnell merken, wie viele Elemente Green übernommen hat, seien es nun bestimmte Kameraeinstellungen oder Personen. Natürlich ist Dr. Loomis (Donald Pleasance), Myers‘ Psychiater aus dem ersten Film, längst gestorben, doch er ist in Form seiner Stimme auf einer alten Kassette immer noch präsent; zudem hat er in Dr Sartain (Haluk Bilginer) einen mehr als würdigen Nachfolger gefunden. Vor allem aber verwendet auch dieser Film den alten Originalscore von Carpenter, hier und da etwas aufgefrischt durch seinen Sohn Cody und Daniel Davis. Und diese wenigen simplen Synthesizertöne verursachen nach wie vor eine Gänsehaut.

Es gibt Kritiker, die diese späte Fortsetzung loben, weil sie – im Gegensatz zu den meisten Filmen dieser Art – sehr anschaulich zeigt, welche schrecklichen Traumata bei den Opfern zurückbleiben; manche gehen sogar so weit zu behaupten, Halloween sei ein weiterer Kommentar zur #Metoo-Debatte, weil sich hier Frauen für das ihnen angetane Leid durch einen brutalen Mann rächen. Ersterer Meinung kann man sich auf jeden Fall anschließen, letzterer kann man, muss man aber nicht unbedingt. Auf jeden Fall ist diese späte Fortsetzung allein schon wegen der unglaublichen Präsenz von Jamie Lee Curtis sehenswert, die die Schauspielerin selbst folgendermaßen charakterisiert: „A very broken person, but a determined person“. Schauspielerinnen ihrer Qualität jedenfalls sieht man im von sehr vielen Zuschauern abgelehnten Horror-Genre äußerst selten…


DVD:

Laufzeit: 101 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, EN, I)
Bild: 2,39:1 Anamorph Widescreen
Untertitel: D, EN, ISL, I, TRK
Bonusmaterial:
– Unveröffentlichte und erweiterte Szenen
– Zurück in Haddonfield: Das Making-of von „Halloween“
– Die Original-Scream-Queen
– Der Klang der Angst
– Die Reise der Maske
– Das Vermächtnis von „Halloween“

Blu-ray:

Laufzeit: 106 Min.
Ton: DTS:X (D, EN)
Bild: 2,39:1 Widescreen in High Definition
Untertitel: D, EN, TRK
Bonusmaterial:
– Unveröffentlichte und erweiterte Szenen
– Zurück in Haddonfield: Das Making-of von „Halloween“
– Die Original-Scream-Queen
– Der Klang der Angst
– Die Reise der Maske

– Das Vermächtnis von „Halloween“

UHD:

Laufzeit: 106 Min.
Ton: DTS:X (D), DTS:X Master Audio (EN), DTS Digital Surround 5.1 (I)
Bild: 2.39:1 (4K Ultra HD)
Untertitel: D, EN, I, TRK
Bonusmaterial:
– Enthält 2 Discs: 4K UHD und Blu-ray Disc

 

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