Look Away

Land: USA 2018  Regie: Assaf Bernstein  Mit: India Eisley, Mira Sorvino, Jason Isaacs, Harrison Gilbertson, Penelope Mitchell LabelSplendid  VÖ: 22.2.2019  FSK: 16
Ein Beitrag unseres Spiegelspezialisten Julian Dax:

© Splendid

Schüchternes Mädchen wird von fiesen Schulkameraden übelst gemobbt und rächt sich, weil es über ganz besondere Fähigkeiten verfügt. Brian De Palma führt Regie, Sissy Spacek spielt die Hauptrolle, und der Film gilt bis heute völlig zu recht als Kultfilm. Die Rede ist natürlich von Carrie. Was das mit dem hier zu besprechenden Look Away zu tun hat? Ganz einfach: Auch bei diesem angeblichen Teenie-Horror, der allerdings wesentllich anspruchsvoller daherkommen möchte, geht es um ein Mädchen, dem in der Schule schlimm mitgespielt wird, wobei es irgendwann den Spieß umdreht.

Nach Außen hin führt die 17-jährige Maria (India Eisley) ein perfektes Leben; Einzelkind, schickes Haus in einer amerikanischen Kleinstadt, Nobelschule, Vater (Jason Isaacs) ein gefragter Schönheitschirurg, Mutter (Mira Sorvino) stets um das Wohl ihrer Tochter besorgt. Doch in Wirklichkeit ist alles nur Fassade. Die Eltern haben sich im Grunde nichts mehr zu sagen, der Vater geht fremd mit seinen Patientinnen, die Mutter tröstet sich mit Alkohol, die vermeintliche Freundin samt giftgrünem Porsche Targa ist ein verlogenes Miststück, und aus irgendeinem Grund liefert Maria ihren Schulkameraden immer wieder Gründe, sie in aller Öffentlichkeit zu demütigen und bloßzustellen.

Nach einem besonders stressigen Tag macht Maria jedoch in ihrem Badezimmer eine erschreckende Entdeckung; ihr Spiegelbild führt ein Eigenleben, nennt sich originellerweise Airam und behauptet, alles über Maria zu wissen, weil es „von Anfang an“ dabei war. (Bereits im Vorspann sieht man zwei Embryonen, von denen einer sich seltsam verformt) Und da auch die Mutter immer wieder unter dementsprechenden Alpträumen leidet, wird deutlich, dass Marias Zwillingsschwester wegen einer Missbildung nicht auf die Welt kommen durfte, sondern „entsorgt“ wurde. Und nun bietet sie der mehr als schockierten Maria an, für sie „tätig“ zu werden und alle ihre Peiniger zu bestrafen…

Nicht nur Carrie kommt einem beim Betrachten des Filmes in den Sinn, sondern vor allem natürlich Robert Louis Stevensons epochaler Roman „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, der bereits unzählige Male verfilmt und variiert wurde. Ein gewisser Anspruch ist demnach durchaus vorhanden, doch leider, leider hapert es wieder einmal an der Umsetzung.

Das liegt nun nicht etwa an den Darstellern – India Eisley in ihrer Doppelrolle verkörpert äußerst überzeugend die beiden Seiten von Marias Persönlichkeit, Jason Isaac ist wie üblich einfach nur fies – sondern an dem unausgegorenen Drehbuch, das einfach zu viele Elemente reinpackt, nur um manche davon ganz schnell wieder fallen zu lassen.  Und auch wenn man die x-te Variante vom bösen Zwilling hinter dem Spiegel akzeptiert, gibt es dennoch zu viele Logiklöcher (Stichwort: Was wird aus dem besonders üblen Schultyrann, dem Airam das Knie bricht?). Zu all dem kommt noch hinzu, dass Regisseur und Drehbuchautor Assaf Bernstein ein sehr gemäßigtes Tempo vorlegt und einen Schluss findet, der wirklich niemanden zufrieden stellen kann. Und wenn die einzige Szene, die den Zuschauer wirklich schockiert, darin besteht, dass man sieht, wie in einem asiatischen Restaurant eine lebende Krabbe zerhackt wird und die sich noch bewegenden Einzelteile serviert werden, hat ein vorgeblicher Horrorfilm definitiv etwas falsch gemacht.


DVD:

Laufzeit: ca. 100 Minuten Bildformat 16×9 anamorph (2,40:1) Tonspur 1:Deutsch Dolby Digital 5.1 Tonspur 2: Englisch Dolby Digital 5.1 Untertitel Deutsch, Niederländisch

Blu-ray:

Laufzeit ca. 104 Minuten Bildformat 16×9 anamorph (2,40:1) Tonspur 1: Deutsch DTS-HD 5.1 Tonspur 2: Englisch DTS-HD 5.1 Untertitel Deutsch, Niederländisch

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