BlacKkKlansman

Land: USA 2018  Regie: Spike Lee  Mit: John David Washington, Adam Driver, Laura Harrier, Topher Grace, Alec Baldwin  LabelUniversal Pictures Home Entertainment  VÖ: 21.12.2018  FSK: 12  –  Ein Beitrag von Julian Dax:

© Universal 2018

 

Von Friedrich Dürrenmatt stammt der Ausspruch „Wer dermaßen auf dem letzten Loch pfeift wie wir, dem kommt nur noch die Komödie bei.“

Zwar bezog er sich dabei auf die Ära des kalten Krieges und man kann auch nicht unbedingt davon ausgehen, dass Spike Lee dieses Zitat kennt, beherzigt es auch er und dreht mit BlacKkKlansman eine zutiefst böse Komödie über den offensichtlich unausrottbaren Rassismus in den USA.

Basierend auf wahren Begebenheiten in den 70ern, erzählt er darin die Geschichte des schwarzen Polizisten Ron Stallworth (John David Washington, Denzels Sohn), dem es gelingt, den örtlichen Ableger des Ku-Klux-Klan zu infiltrieren und aufzumischen. Angeregt durch eine Zeitungsannonce, in der der Klan offen um Mitglieder wirbt, ruft Stallworth einfach an und gibt sich als zutiefst rassistischer weißer Amerikaner aus. Als er zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird, überzeugt er einen weißen Kollegen, an seiner Stelle hinzugehen. Die Tatsache, dass dieser Kollege, Flip Zimmerman (Adam Driver, klasse wie immer!) Jude ist, kann man angesichts der bekannten Judenfeindlichkeit des KKK geradezu als Tüpfelchen auf dem i bezeichnen. Trotz eines gewissen Misstrauens seitens des paranoiden Psychopathen Felix (Jasper Pääkkönen, erschreckend realistisch!) besteht er die Aufnahmeprüfung und bekommt seinen Ausweis und seine weiße Robe mitsamt spitzem Hut.

In einer Parallelhandlung werden de Protestaktionen der schwarzen Studenten in Colorado Springs geschildert, bei denen Patrice (Laura Harrier) federführend ist, nicht ahnend, dass Ron Stallworth, der sichtlich Gefallen an ihr gefunden hat, einer der verhassten „pigs“ ist, die sie für die Probleme der Schwarzen mitverantwortlich macht. In der Zwischenzeit ist es Stallworth sogar gelungen, mit einem der obersten Klanführer, David Duke (Topher Grace, aalglatt und zutiefst widerwärtig!) telefonisch in Kontakt zu treten, ohne dass dieser merkt, wer da am Telefon mit ihm spricht und ihn nach Strich und Faden verarscht.

Im letzten Teil des Films eskaliert die Handlung und entwickelt sich zu einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit, denn der Klan plant einen Sprengstoffanschlag…

Es ist wirklich bewundernswert, wie es Spike Lee gelingt, sich einesteils über die grenzenlos dummen Rednecks mitsamt ihrer zutiefst menschenverachtenden Ideologie lustig zu machen, gleichzeitig aber an keiner einzigen Stelle sein eigentliches Anliegen aus den Augen zu verlieren; Rassismus, Antisemistismus und Ausgrenzung von Menschen, die nicht den Moralvorstellungen der selbsternannten Tugendwächter und angeblichen Bewahrer der echten amerikanischen Werte als das Grundübel zu zeigen, unter dem bis heute (nicht nur!) die amerikanische Gesellschaft leidet.

Man muss nur genau hinschauen und hinhören, dann stellt man in BlacKkKlansman erschreckende Parallelen zur heutigen Zeit fest – sei es in den öfters auftauchenden „America first!“ oder „Make America great again!“ – Zitaten, oder einfach nur in der gezeigten Mischung aus Unwissenheit und Hass, dem die beiden Polizisten, jeder auf seine Art, begegnen und deren Repräsentanten dabei ins Lächerliche ziehen. Doch gleichzeitig verharmlost Lee diese total Verblendeten und zum Teil Grenzdebilen an keiner Stelle, sondern zeigt immer wieder die von ihnen ausgehende Gefahr.

Ganz besonderes Lob gebührt dabei auch den beiden Hauptdarstellern, wobei Adam Driver vielleicht die schwierigere Rolle zu meistern hat; als der psychopathische Felix ihm erklärt, den Holocaust habe es nie gegeben, widerspricht er und behauptet seinerseits, das sei doch eine prima Sache gewesen, die Juden auszurotten. Wie Driver das mimisch darstellt, welche Überwindung ihn diese gerade für ihn ungeheuerliche Aussage kostet, bringt er derart überzeugend zum Ausdruck, dass man frösteln muss.

Und wenn der Film mit Dokumentaraufnahmen endet, die im vergangenen Jahr bei den Ausschreitungen in Charlottesville entstanden sind – laut Spike Lee entschloss er sich quasi in letzter Minute dazu, sie in den Film einzubauen – und man den Idioten sieht und hört, der sich für den „größten amerikanischen Präsidenten“ (wörtliches Zitat!) hält, bleibt einem das Lachen endgültig im Halse stecken. Bekanntlich randalierten dort Rechtsradikale mit Hakenkreuzfahnen und Ku-Klux-Klan Mitglieder, darunter der immer noch aktive David Duke, mit unsäglichen Parolen („Jews will never replace us!“) und gingen gewaltsam gegen Gruppen von Gegendemonstranten vor, wobei Heather Heyer von einem jungen Mann, der mit seinem Auto in eine Menschenmenge reingerast war, noch am Tatort starb, etliche andere zum Teil schwer verletzt wurden. Und zu diesen Ereignissen hatte der Idiot im Weißen Haus nichts Besseres zu sagen als:  „There were good people on both sides!“ Obwohl BlacKkKlansman auch ohne diesen Epilog bestens funktioniert, verleihen ihm diese letzten Bilder sowie die Widmung für Heather Heyer („Rest in Power!“) eine zusätzliche Wucht und machen ihn definitiv zu einem der Filme des Jahres 2018.


FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit: 130 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, EN, F)
Bild: 2,40:1 Widescreen
Untertitel: D, EN, F, TRK, NL, ARAB

 

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit: 135 Min.
Ton: Dolby Atmos (D, EN)
Bild: 2,40:1 Widescreen in High Definition
Untertitel: D, EN, TRK

Bonusmaterial:

– Ein Spike-Lee-Film: Ron Stallworth, Jordan Peele and die Besetzung sprechen über ihre Zusammenarbeit mit dem Kultregisseur
– Erweiterter Trailer zu „BLACKkKLANSMAN“ mit „Mary Don’t You Weep“ von Prince

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Drama, Komödie abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu BlacKkKlansman

  1. Olinator schreibt:

    Bei Spike Lee fand ich bisher immer gut, dass er eine charakteristische Handschrift hatte, die seine individuelle Qualität als Regisseur ausmachte. Dieser Film hingegen war auffallend konventionell inszeniert – hätte auch jemand anders machen können, Das ist schade, denn in Sachen Austauschbarkeit hatte der Film bereits genug zu bieten, allen voran seine Message, von der man nicht gerade behaupten kann, dass sie in zu geringem Maße um den Erdball viruliert wird, und das seit gefühlten Äonen (die bösen Rassisten im Allgemeinen, die bösen konservativen Amis bzw. KKK’ler im Besonderen, die armen Schwarzen, die armen Juden etc.pp. *gääääähhhnnn*). Da allerdings mit dem Eintritt eines gewissen blonden Zausels ins weiße Haus eine neue Dimension des bei den USA eh‘ schon hinlänglich bekannten diffusen Gemischs aus Wahnsinn und Schwachsinn erreicht worden sein dürfte, ist natürlich nach wie vor jedes Maß an Alarmierungseifer zu rechtfertigen – ja zum Glück, sonst tät‘ man’s schließlich sowas von schmerzlich vermissen. Na dann ist ja gut, gelle. Peace und Nazis auf’s Maul (und von mir aus noch mehr Gelaber auf Udo-Lindenberg-Niveau, damit die hochheiligen und vor allem äußerst konstruktiven Linksfaschisten auch ja nicht zu wenig zum Jubeln haben).

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.