Die Protokollantin

Land: Deutschland 2018  Regie: Nina Grosse, Samira Radsi  Mit: Iris Berben, Peter Kurth, Moritz Bleibtreu, Katharina Schlothauer, Timur Isik, Mišel Matičević, Johannes Krisch, Julischka Eichel, Bettina Hoppe, Andreas Lust LabelConstantin Home Entertainment  VÖ: 6.12.2018  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Constantin

 

Offensichtlich sind die zahlreichen Co-Produktionen mit skandinavischen Sendern nicht ganz spurlos an dem oft verlachten und als „Kukident-Fernsehen“ verspotteten ZDF vorbeigegangen.

So düster jedenfalls wie die kürzlich ausgestrahlte und nun auch als DVD vorliegende fünfteilige Mini-Serie Die Protokollantin war noch keine Eigenproduktion der Mainzer.

Freya Becker (Iris Berben) schreibt Verhörprotokolle, hauptsächlich von Sexualstraftätern. Jeden Tag sitzt sie in einem fensterlosen Raum und muss schlimme und schlmmste Aussagen über sich ergehen lassen, die sie mit scheinbar absoluter Emotionslosigkeit in ihren Laptop eingibt. Doch ist das alles nur Fassade, denn Freya Becker ist eine zutiefst gebrochene Person. Vor elf Jahren ist ihre eigene Tochter spurlos verschwunden, von der sie vermutet, dass auch sie einem Sextäter zum Opfer gefallen ist. Sehr schnell wird ersichtlich, dass diese nach Außen hin so gefasste Frau, die mit einer Katze zusammen lebt und sonst über keinerlei sozialen Kontakte verfügt, ein Doppelleben führt; sie hat es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, Straftäter, die aufgrund von Justizirrtümern u.ä. davongekommen sind, selbst zu richten. Als sie einen neuen Vorgesetzten bekommt, der nicht nur schon bald gewisse Zusammenhänge erahnt, sondern sich auch in Freya verliebt, wird die Situation äußerst kompliziert…

Es sieht so aus, als sei Die Protokollantin ein absolutes Herzensprojekt von Iris Berben gewesen, die endlich einmal zeigen wollte, dass man sie bei den Rollenangeboten nicht hauptsächlich auf ihr Äußeres reduzieren sollte. Derart unattraktiv (allein schon die Schuhe!) hat man diese schöne Frau jedenfalls noch nie zuvor gesehen. Doch auch in Bezug auf den Charakter der Figur, die sie verkörpert, betritt Iris Berben Neuland, denn sie versucht erst gar nicht, beim Zuschauer um Sympathie zu werben oder gar Verständnis für deren Tun zu wecken; von Anfang an ist und bleibt Freya Becker fremd und unnahbar, und leid tut einem höchstens ihr Vorgesetzter Henry Silowski (Peter Kurth), der sie gerne aus ihrer ganz privaten Hölle befreien würde, wenn sie es nur zuließe.

Während diese beiden erfahrenen Darsteller sehenswert wie immer sind, überzeugt der Nebenhandlungsstrang um Freyas Bruder Jo (Moritz Bleibtreu) eher weniger. Das liegt nicht an Bleibtreu, sondern schlicht und einfach an der Tatsache, dass man sowohl seine ehelichen Probleme als auch seine Affäre so oder ähnlich mindestens schon einmal zu viel gesehen hat. So kommt der leise Verdacht auf, damit habe man die Serie lediglich ein bisschen strecken wollen.

Stattdessen wäre es auf jeden Fall sinnvoller gewesen, den geheimnisvollen glatzköpfigen Gehilfen Freyas etwas näher zu durchleuchten, denn warum er ihr bei ihrem Rachefeldzug überhaupt beisteht, wird nicht so richtig klar.

Dennoch bleibt unterm Strich eine Serie, die sich wohltuend vom Gros der üblichen ZDF-Krimis unterscheidet und das Interesse des Zuschauers bis zum bitteren Ende aufrechterhält.


Bildformat: 1.78:1 in 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1
Länge: 5 Episoden à ca. 55 Min.

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