Sicario 2

Originaltitel: Sicario – Day of the Soldato  Land: USA 2017  Laufzeit: 123 min.  Regie: Stefano Sollima  Mit: Benicio Del Toro, Josh Brolin, Isabela Moner, Catherine Keener  Label: Studiocanal  : 29.11.2018 – Ein Beitrag unseres Drogenberaters Julian Dax:

© Studiocanal

2015 entstand unter der Regie von Denis Villeneuve Sicario, den man als Actionfilm für Menschen mit Hirn bezeichnen könnte. Mit Hilfe eines klugen Drehbuchs von Taylor Sheridan, überzeugender Darsteller wie Josh Brolin, Benicio del Toro und Emily Blunt und überaus wirksamer Bilder und Töne wurde man Zeuge des unvorstellbar brutalen Drogenkrieges an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Nicht nur wurde der Film ein großer kommerzieller Erfolg, er wurde auch mit drei Oscar-Nominierungen bedacht.

Die gute Nachricht ist, dass sowohl Benicio del Toro und Josh Brolin auch diesmal in ihre Figuren schlüpfen und das Drehbuch wieder von Taylor Sheridan stammt, die schlechte, dass man die von Emily Blunt verkörperte FBI-Agentin aus dem ersten Film schmerzlich vermisst. Vor allem aber ist Stefano Sollima, auf dessen Konto immerhin der großartige Suburra sowie die Serie Gomorrah gehen, kein Denis Villeneuve, sondern „nur“ ein solider Actionregisseur.

CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin) und der geheimnisvolle Alejandro (Benicio del Toro) befinden sich immer noch an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, wo der Drogenkrieg unvermindert im Gange ist. Allerdings ist eine neue Komponente hinzu gekommen: Seit die Drogenkartelle entdeckt haben, dass man mit Menschenschmuggel auch einen erheblichen Profit erzielen kann, gibt es immer mehr Schlepperbanden, die verzweifelte Mexikaner ins vermeintlich gelobte Land bringen. Zusätzliche Brisanz erhält diese Entwicklung aufgrund des Umstands, dass auch islamistische Terroristen diesen Weg nutzen, um relativ unbeobachtet in die USA einzureisen und dort ihre Attentate zu verüben.

Im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministers, der jedoch offiziell nichts davon wissen darf, müssen die beiden o.a. Männer einen Plan in die Tat umsetzen, der die Anführer der beiden wichtigsten rivalisierenden Kartelle aufeinander hetzen soll und so der Black Ops der Amerikaner einen Teil ihrer Drecksarbeit abnimmt. Um das zu erreichen, entführt man kurzerhand die 12-jährige Tochter von Carlos Reyes, einem der beiden Bandenbosse, dem Alejandro auch aus ganz persönlichen Gründen Rache geschworen hat. Zwar gelingt die Entführung, doch alles Weitere verläuft nicht unbedingt nach Plan und erfordert von den beiden Hauptprotagonisten ständig sowohl viel Improvisationstalent als auch ein gewisses Überdenken ihres Tuns…

In Sachen Actionsequenzen kann man Sicario 2 nichts vorwerfen; auch Sollima weiß, wo und wie er die Kamera positionieren muss, um Spannung zu erzeugen, anstatt den Zuschauer lediglich mit einem bombastisch aufgemotztem Schnittgewitter zu überfordern. So ist man jederzeit in der Lage, visuell und gedanklich dem Geschehen auf der Leinwand zu folgen. Das Problem sitzt ganz woanders: Während es im Vorgängerfilm noch eine gewisse moralische Grauzone gab, verkörpert durch die Figur der zunächst nicht besonders erfahrenen FBI-Agentin, die nach und nach in den Strudel von Gewalt und Gesetzesübertretung gerissen wird und hilflos mitansehen muss, wie alles, wofür sie glaubte einstehen zu müssen, in der immer weiter eskalierenden Gewaltspirale nichts mehr gilt, fehlt in der Fortsetzung solch eine ambivalente Figur. Graver ist ein Zyniker, der sich nichts dabei denkt, einem somalischen Verdächtigen die Folgen seines Schweigens per Bildschirm vorzuführen, indem er ihn Zeuge werden lässt, wie sein Haus und dessen Bewohner in Schutt und Asche gelegt werden. Über den „Sicario“ (= Auftragskiller) erfährt man zwar etwas mehr als im ersten Film – vor allem die Szenen zwischen del Toro und Isabela Moner überzeugen, die sehr nuanciert die kleine, verwöhnte Göre spielt, der immer bewusster wird, wofür ihr Vater verantwortlich ist – doch als Sympathieträger oder gar Identifikationsfigur taugt er ebenfalls nicht.

Was jedoch völlig misslingt, ist die Einführung einer weiteren neuen Figur; Elijah Rodriguez verkörpert den 14-jährigen Miguel Hernandez, der keine Lust mehr hat, in die Schule zu gehen und sich stattdessen einem Kartell anschließt und dort schnell „Karriere“ macht. Es liegt nicht am Darsteller, dessen vollkommen unbeteiligter, um nicht zu sagen toter Blick – selbst angesichts schlimmster Gräuel – dem Zuschauer eiskalte Schauer beschert, sondern an der schlichten Tatsache, dass diese Figur nicht so richtig ausgearbeitet erscheint und lediglich als „Füllmaterial“ verwendet wird. Wenn man allerdings das Ende des Filmes berücksichtigt, das an dieser Stelle nicht verraten wird, kann man sich vorstellen, dass Drehbuchautor Sheridan mit dieser Figur noch einiges vorhat; schließlich hat er in einem Interview verraten, dass Sicario von Anfang an als Trilogie geplant war…


DVD
Laufzeit: ca. 117 Min.
Bild: 2,40:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Blu-ray
Laufzeit: ca. 122 Min.
Bild: 2,40:1 (1080/24p Full HD)
Sprachen: Deutsch, Englisch (7.1 DTS-HD MA) , Deutsch (Dolby Atmos)
Untertitel: Deutsch

Steelbook
Laufzeit: ca. 122 Min.
Bild: 2,40:1 (1080/24p Full HD)
Sprachen: Deutsch, Englisch (7.1 DTS-HD MA), Deutsch (Dolby Atmos)
Untertitel: Deutsch

4K UHD Blu-ray
Disc 1:
Laufzeit: ca. 122 Min
Bild: 2,40:1 (2160p/HDR)
Sprachen: Deutsch, Englisch (7.1 DTS-HD MA) , Deutsch (Dolby Atmos)
Untertitel: Deutsch
Disc 2: entsprechend Blu-ray


Extras: Making Of, Featurettes “Vom Film zum Franchise”, “Behind the Scenes”, “Der Cast & die Figuren”, Trailer, Wendecover

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