Skyscraper

Land: USA 2018  Regie: Rawson Marshall Thurber Mit: Dwayne „The Rock“ Johnson, Neve Campbell, Chin Han, Roland Møller, Pablo Schreiber LabelUniversal Pictures Home Entertainment  VÖ: 15.11.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres schwindelfreien Mitarbeiters Julian Dax:

© UNIVERSAL 2018

Manchmal muss man einfach ein bisschen nostalgisch werden und eine Rezension mit den Worten beginnen lassen „Ach, waren das noch Zeiten. als…“ In diesem Fall ist es vor allem die Erinnerung an den 1974 erschienenen Katastrophenfilm Flammendes Inferno, in dem ein stargespicktes Ensemble versucht, in einem Gebäude mit 135 Stockwerken zu überleben, nachdem im 81. Stock ein Feuer ausbricht. Und so schaut man Steve McQueen, Paul Newman, William Holden, Faye Dunaway, Fred Astaire, Richard Chamberlain, etc. bei ihrem mehr oder weniger heroischem Tun zu und überlegt, wer es schaffen wird und wer nicht.

Doch den Machern von Skyscraper, die sich eindeutig an diesem Klassiker orientiert haben, war ein brennender Wolkenkratzer natürlich nicht genug, und so überlegten sie sich, welches zusätzliche Element sie noch einbauen könnten. Wahrscheinlich muss man sich eine der Besprechungen so vorstellen: „Hey Leute, wie wäre es denn, wenn man auch noch irgendwelche Gangster einbaut, die möglichst finster aus der Wäsche gucken und vor allem rumballern, als gäbe es kein Morgen? Da gab’s doch schon mal was mit Hochhaus, Gangstern und so!“ – „Natürlich, und das war doch der große Durchbruch von diesem Typ da, den man bisher nur vom Fernsehen kannte! Wie hieß der doch gleich?“ – „Bruce Willis!“ – „Na klar, und der Film hieß Die Hard und war so erfolgreich, dass man noch ein paar Fortsetzungen nachschob.“ – „Genau, Leute, das machen wir jetzt genau so, nur dass unser Wolkenkratzer jetzt 200 Stockwerke hat, der Held nicht nur seine Frau, sondern auch noch seine beiden süßen Kinder retten muss und das Ganze in Hong Kong spielt, damit wir auch ein paar zusätzliche chinesische Zuschauer kriegen!“ – „Super, schmeißt schon mal die Rechner an; mit all den heutigen Möglichkeiten können wir so richtig auf die CGI-Kacke hauen!“

Das Ergebnis heißt Skyscraper und man muss sich den Film tatsächlich als eine Mischung aus den beiden o.a. Klassikern vorstellen, nur wesentlich aufgeblasener und unrealistischer: Will Sawyer (Dwayne Johnson) war einmal, wie man aus dem Prolog erfährt, ein FBI-Experte für Fälle von Geiselnahme, bis ein schrecklich schiefgelaufener Einsatz ihn einen Unterschenkel kostete. Zehn Jahre später ist er Sicherheitsexperte für Hochhäuser und befindet sich mit Frau (Neve Campbell), einer ebenfalls hochdekorierten und nach mehreren Einsätzen in Afghanistan erfahrenen Ärztin sowie ihren beiden Kindern in Hong Kong, wo das bisher höchste Gebäude der Welt, genannt „The Pearl“ kurz vor seiner Einweihung steht. Währenddessen plant ein Trupp schwerbewaffneter Gangster, ein Stockwerk in Brand zu setzen, um den Erbauer zu zwingen, ihnen ein Steuerungsgerät auszuhändigen, das ihre auf verschiedenen Banken weltweit deponierten Finanzen mit einem Mausklick verschwinden zu lassen. (Oder so ähnlich!) Dummerweise befinden sich Frau und Kinder des Sicherheitsexperten noch im Gebäude, und so muss er selbst ran, um sie zu retten.

Dwayne Johnson, der sich in den letzten Jahren zum führenden Actionstar hochgearbeitet hat, bringt es in seinen Rollen immer wieder fertig, ein gewisses ironisches Element einzubauen, ganz nach dem Motto „Hey Leute, ihr dürft das alles nicht so ernst nehmen, das ist doch nur ein Unterhaltungsfilm!“ In diesem Fall jedoch kommt er kaum dazu, denn nicht nur ist seine Figur durch ihre Unterschenkelprothese ziemlich gehandicapt, er muss auch gegen die zunehmend absurderen Widrigkeiten ankämpfen, die ihm das Drehbuch auferlegt und die beim Zuschauer weniger Spannung als vielmehr ungläubiges Staunen hervorrufen. Immerhin gelingt seiner Figur das Kunststück, sein kurz zuvor zwecks Verbinden einer Wunde zerrissenes Hemd in der nächsten Szene wieder ganz werden zu lassen!

Und da man praktisch an keiner Stelle ein richtiges Gefühl für die jeweiligen Gebäudeabschnitte bekommt, gleicht das Herumgerenne im Feuer, die zusammenstürzenden Brücken und sonstigen Gebäudeteile sowie die Kletterausflüge in die Fassade genau dem, was es in Wirklichkeit ist, nämlich einer Computersimulation. Doch damit sich der Zuschauer bloß nicht zu viele Gedanken macht, setzen die Filmemacher ab einem gewissen Punkt auf pausenlose Action mit möglichst viel Geballer; für einen jugendfreien Film hat Skyscraper jedenfalls einen immens hohen „bodycount“, wobei es die Kamera jedoch taktvoll vermeidet, auch nur einen einzigen Blutspritzer zu zeigen.

Das Gute an solch einem Film ist natürlich die Tatsache, dass man ihn nach kürzester Zeit wieder vergessen hat, das Schlechte allerdings, dass man in der Zeit, die er Anspruch nimmt, eventuell etwas Sinnvolleres hätte tun können, z.B. seine DVD-Sammlung ausmisten oder die Blätter im Garten zusammenrechen.

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2 Antworten zu Skyscraper

  1. ainu89 schreibt:

    Danke für die Rezension…ich würd sagen ich such dann mal lieber den Rechen für den Fall, dass der mal im TV läuft 😉

    Gefällt mir

  2. Pingback: Skyscraper – productwarrior

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