The First Purge

Land: USA 2018  Regie: Gerard McMurray  Mit: Y’Lan Noel, Lex Scott, Davis Joivan, Wade Luna, Lauren Velez, Marisa Tomei LabelUniversal Pictures Home Entertainment  VÖ: 8.11.2018  FSK: 18 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Universal 2018

Was macht man, wenn ein mit relativ bescheidenen Mitteln hergestellter Horrorfilm sich als Überraschungserfolg entpuppt und viel Geld in die Kassen spült? Natürlich dreht man eine Fortsetzung. Und noch eine. Dann allerdings ist die Luft raus und guter Rat teuer.
Zum Glück gibt es seit geraumer Zeit die Möglichkeit, sich anstatt eines „Sequels“ ein sog. „Prequel“ einfallen zu lassen, d.h. eine Art Vorgeschichte zum ersten Film. (Dass dies nicht immer eine gute Idee ist, hat sich am relativ gefloppten  Solo – A Star Wars Story gezeigt.)
Doch im Falle von der Reihe The Purge, um die es hier geht, funktioniert die Vorgeschichte ganz gut.

Wir befinden uns immer noch in den USA in einer nicht näher bestimmten Zukunft. Um ihre „Problembürger“, d. h. im Klartext hauptsächlich arme Schwarze in den Griff zu kriegen, kommt die populistische und zutiefst reaktionäre Partei NFFA (= New Founding Fathers of America) mitsamt ihrem Präsidenten auf die Idee, im New Yorker Stadtteil Staten Island eine Art Experiment durchzuführen: 12 Stunden lang gelten keine Gesetze mehr, die sich dort befindlichen Menschen dürfen hemmungslos Straftaten begehen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Dahinter steckt natürlich der Gedanke, dass sich die Bewohner möglichst zahlreich gegenseitig dezimieren. Und damit nicht zu viele für die Dauer dieses Ausnahmezustands diesen Bezirk verlassen, erhalten diejenigen, die sich zum Bleiben entschließen, eine Prämie in Höhe von 5.000 Dollar. Sollten sie sich gar aktiv an Gewaltverbrechen beteiligen, winken weitere finanzielle Belohnungen. Und das Ganze soll mit Hilfe von in die Augen einsetzbaren Linsen sowie Drohnen gefilmt und im Fernsehen übertragen werden.

Doch damit sind nicht alle Bewohner einverstanden, und man wird Zeuge, wie eine kleine Gruppe Widerstand leistet und den Kampf aufnimmt, vor allem nachdem sie festellen müssen, dass die Regierung eine in Ku Klux Klan-Gewändern maskierte Söldnertruppe zum Einsatz bringt, nachdem die Bevölkerung sich nicht im gewünschten Maße verhält, sondern lieber auf den Straßen feiert. Und diese Söldner verwandeln Staten Island in kürzester Zeit in eine Kriegszone.

War The Purge aus dem Jahr 2013 noch weitgehend eine sog. home invasion story mit einer kleinen Prise Sozialkritik, weitete sich das Szenarium in The Purge: Anarchy (2014) und vor allem The Purge: Election Year (2016) sowohl was die Schauplätze betrifft als auch in thematischer Hinsicht. Nun spielte die Handlung nicht mehr in nur einem Haus, sondern im ganzen Land, und die politischen Verhältnisse, sprich die soziale Schere zwischen Arm und Reich, rückte immer mehr in den Mittelpunkt. In The First Purge geht es nun ausschließlich um Rassenprobleme, was leider wieder eine bestürzende Aktualität besitzt – spätestens seit im Weißen Haus ein Idiot sitzt, der nach den letztjährigen Vorgängen in Charlotteville auf Seiten der Neonazis und Ku Klux Klan- Anhängern auch „good people“ erkannt haben will.

Allerdings ist The First Purge natürlich in erster Linie ein Actionfilm und kann deshalb nicht allzu tief in ernsthafte politische Diskussionen einsteigen, doch als solcher funktioniert er einigermaßen; man kann sich sogar vorstellen, dass John Carpenter in jungen Jahren einen ähnlichen Film hätte drehen können. Da nimmt man sogar in Kauf, dass der oberste Bandenchef und Drogenhändler im Viertel sich zum Helden aufschwingt, sein beträchtliches Waffenarsenal auspackt und in einem Ein-Mann-Feldzug kurzerhand einen ganzen Trupp Söldner ins Jenseits befördert, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und für den Zuschauer hat es schon etwas Kathartisches, wenn er sieht, wie menschlicher Abschaum eliminiert wird und am Ende, als die Frage auftaucht, wie das Ganze nun weitergehen soll, die Antwort kommt: „Now we fight!“

Wenn man also keine allzu hohen Erwartungen stellt, bietet The First Purge solide Action mit ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen Sozialkritik.


© Universal 2018

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Eine Antwort zu The First Purge

  1. diesesjenesmeines schreibt:

    schön ausführlicher und gut zusammengefasster blog! ich mag die serie irgendwie, obwohls mir oft fast ein bisserl zu nah an der realität liegt…weils absolut nicht abwegig is (was ich übrigens auch bei der tribute von panem serie so gesehen hab)

    Gefällt mir

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