Shock and Awe – Krieg der Lügen

Land: USA 2017  RegieRob Reiner  MitWoody Harrelson, James Marsden, Tommy Lee Jones, Rob Reiner  LabelEurovideo  VÖ: 23.10.2018  FSK: 12
Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ – Wie oft ist dieses Senator Hiram Johnson im Jahre 1914 zugeschriebene Zitat schon geäußert worden? Es passt leider immer, denn offensichtlich wurde und wird oft gelogen, wenn Machthaber jedweder Couleur ihren Willen durchsetzen und einen Krieg anzetteln wollen. Ein ausgezeichnetes Beispiel für diese traurige Wahrheit bildet den politischen und gesellschaftlichen Hintergrund von Robert Reiners Shock And Awe – Krieg der Lügen.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 trägt die Regierung um Präsident George W. Bush angebliche Beweise zusammen, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen, deren Einsatz um jeden Preis verhindert werden müsse. Obwohl absolut nichts darauf hinweist, dass Hussein etwas mit dem Anschlag auf das World Trade Center zu tun hat, rechtfertigt Bush den Einmarsch 2003 in den Irak, um Saddam Hussein als Machthaber abzusetzen. Während der Großteil der seriösen Presse, so z.B. die Washington Post oder die New York Times die Worte des Präsidenten und seines Vize Dick Cheney sowie diverser Minister für bare Münze nimmt, graben Jonathan Landay (Woody Harrelson) und Warren Strobel (James Marsden) von der Publikation Knight-Ridder tiefer. Sie jagen allen möglichen Spuren nach und nutzen anonyme Regierungsquellen, um aufzudecken, dass die Gründe der Bush-Regierung, in den Krieg zu ziehen, auf handfesten Lügen und gezielten Falschinformationen beruhen. Doch schon bald müssen die beiden Reporter sowie ihr Chefredakteur John Walcott (Rob Reiner) feststellen, dass das Enthüllen der Wahrheit nicht automatisch heißt, dass die Menschen sie auch hören wollen, vor allem wenn die Gegenseite in Gestalt der beiden Präsidenten und Ministern wie Donald Rumsfeld, Colin Powell und Condoleeza Rice äußerst mächtig ist.

Eigentlich könnte Shock And Awe zu keinem besseren Zeitpunkt erscheinen; im Weißen Haus sitzt ein verlogener Idiot, der kaum einen Tag verstreichen lässt, ohne auf ihm kritisch gesinnte Medienvertreter verbal einzuprügeln, dem private geschäftlliche Interessen definitiv vor das Wohl seines Volkes gehen und der Autokraten und Diktatoren offene Bewunderung entgegenbringt. Nachdem die Partei der Demokraten in  den USA keinen richtigen Hebel finden kann, um diesem Alptraum von einem Präsidenten etwas entgegenzusetzen, bleibt diese Aufgabe heute mehr denn je kritischen Journalisten überlassen, Männern wie den drei Hauptfiguren in Reiners Film.

Es hat natürlich eine gewisse filmische Tradition in den USA, hin und wieder an die Bedeutung einer freien Presse hinzuweisen; sowohl Die Unbestechlichen aus dem Jahre 1976, der sich mit der Watergate-Affäre beschäftigt als auch erst kürzlich Spotlight, wo es darum geht, wie die Redaktion des Boston Globe einen Missbrauchsskandal der mächtigen katholischen Kirche aufdeckt, singen das Hohe Lied des unermüdlichen Journalisten, der sich von nichts und niemand beirren lässt. Wie formuliert das Chefredakteur Walcott so eindeutig? „Wenn die Regierung etwas sagt, müsst ihr euch nur die eine Frage stellen: Ist es wahr?“

Hierin liegt allerdings auch eine eklatante Schwäche des Films; er ist schlicht und ergreifend viel zu plakativ und bieder. Wichtige Informationen werden in Form von teils ermüdenden Dialogen vermittelt, die Figuren sind ziemlich eindimensional, und zu allem Überfluss ergeht sich die Handlung auch in Nebensächlichkeiten, wenn z.B. Strobel eine Affäre mit seiner hübschen Nachbarin (Jessica Biel) anfängt, die sich praktischerweise prima mit irakischer Geschichte auskennt und ihn (und uns!) über den Jahrhunderte alten Zwist zwischen Sunniten und Schiiten aufklärt.

Vielleicht wäre es in diesem Fall tatsächlich sinnvoller gewesen, eine reine Dokumentation anzufertigen – im Verlauf von Shock And Awe sieht man ohnehin immer wieder Originalaufnahmen der Verantwortlichen für dieses absolute Desaster, als das sich der Irak-Feldzug erweisen sollte – mitsamt der unabsehbaren Folgen, unter denen bekanntlich die ganze Welt bis zum heutigen Tag zu leiden hat. Zwar wird die redliche Absicht aller Beteiligten klar erkennbar, doch wieder einmal erweist sich der Wahrheitsgehalt des Spruches „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut“.


DVD:

Laufzeit: 102 Min.
Bildformat: 1,85:1 (16:9)
Ton: DD 5.1
Extras: Hinter den Kulissen (OmU)

Blu-ray:

Laufzeit: 105 Min.
Bildformat: HD 1080p/24 (1,85:1)
Ton: DTS-HD 5.1 MA
Extras: Hinter den Kulissen (OmU)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Thriller abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.