Bohemian Rhapsody

Land: USA/GB 2018  Laufzeit: 135 min.  Regie: Bryan Singer  MitRami Malek, Lucy Boynton, Gwilym Lee, Ben Hardy, Joseph Mazzello  Kinostart: 31.10.2018  FSK: 12
Ein Beitrag unseres Musikspezialisten Julian Dax:

© 2018 Twentieth Century Fox

Ob es wohl irgendwo auf der Welt noch jemanden gibt, der Queens längst in die Geschichte der Rockmusik eingegangene Titel noch nie gehört hat? Nicht vorstellbar! Schon längst befindet sich die Band auf dem Rock-Olymp, unzählige ihrer Songs sind Allgemeingut geworden, ob auf Fußballplätzen („We Are The Champions“), in Discos („Another One Bites The Dust“), bei romantischem Beisammensein („Love Of My Life“) und, und, und.
Und auch der viel zu frühe Tod von Sänger Freddie Mercury konnte und kann der Popularität von Queen nichts anhaben, ganz im Gegenteil; eine ganze Weile waren sie unbestritten die populärste Band der Welt.

Und doch stellt es ein ziemliches Wagnis dar, ihre Geschichte in Form einer Filmbiographie auf die Leinwand zu bringen, denn immer noch sind die Bilder der realen Musiker äußerst präsent, was die Gefahr natürlich vergrößert, dass man deren Darsteller wie Falschgeld betrachtet. Und wer um alles in der Welt soll einen der charismatischsten Rocksänger überhaupt verkörpern?

Regisseur Bryan Singer jedenfalls hat dieses Risiko nicht gescheut, und man darf vorausschicken, dass es sich gelohnt hat; viel näher wird man an die wahre Geschichte der Band nicht kommen – von den ersten Auftritten bis zu ihrem unvergleichlichen Triumph im Rahmen von Live Aid am 13. Juli 1985 im Londoner Wembley Stadion, wo sie in den ihnen zur Verfügung stehenden 20 Minuten die Konkurrenz schlicht und ergreifend von der Bühne fegten, und das vor ca. 2 Milliarden Zuschauern weltweit.

Folgerichtig beginnt Bohemian Rhapsody denn auch mit dem Moment, als Queen die Bühne in Wembley betreten, nur um sofort in die Siebziger zurückzukehren. Man lernt das Ehepaar Bulsara kennen, in London lebende Parsen mit ihren beiden erwachsenen Kindern Farrokh und Kashmira. Schon bald nimmt Farrokh den Namen „Fred“ an, der für seine Kommilitonen am Isleworth Polytechnikum einfacher auszusprechen ist. Neben seinem Studium, über das man im Film nichts erfährt, interessiert sich der junge Mann, der sich das Klavierspielen selbst beigebracht hat, besonders für Rockmusik. Als Tim Staffell, Sänger und Bassist der Gruppe Smile, aussteigt, bewirbt sich Fred um den Posten als Sänger und überzeugt sowohl Brian May als auch Roger Taylor, die ihm eine Chance geben, obwohl er nicht Bass spielt und sie somit noch einen Bassisten brauchen. John Deacon bekommt den Job, und die endgültige Besetzung steht, die zunächst einmal nach wie vor als Smile auftritt.

Auch wenn der Film von Anfang an ein hohes Tempo vorlegt, versäumt es Bryan Singer nicht, kleine Details zu zeigen, die zum Alleinstellungsmerkmal für die späteren Queen werden sollen; so hat Fred bei seinem ersten Auftritt z.B. erhebliche Schwierigkeiten mit dem Mikrophonständer, den er kurzerhand zerlegt und damit die typische Pose mit dem halben Ständer kreiiert. Oder sein Vorschlag, die Band in Queen umzubenennen und gleich ein einprägsames Logo zu entwerfen. Erste Plattenaufnahmen, ein Vertrag mit EMI, offizielle Namensänderung in Freddie Mercury, der erste bescheidene Hit Seven Seas Of Rhye, Auftritte als Vorgruppe, bevor sie mit Killer Queen ihren ersten großen Erfolg feiern können. All das findet im Film seinen Niederschlag, sodass man auch als Nicht-Fan einen halbwegs umfassenden Überblick der Bandgeschichte erhält.

Auch wenn sich der Film in Bezug auf das Privatleben der Musiker zwangsläufig auf Mercury beschränkt und Mary Austin, seine große Liebe, bevor er beginnt, seine schwule Seite hemmungslos auszuleben, mit in den Mittelpunkt rückt, werden die unterschiedlichen Charaktere der Bandmitglieder deutlich; der stets überlegene Brian May, der hitzköpfige Roger Taylor und der große Schweiger John Deacon. Kompliziert wird das Verhältnis der Musiker zusätzlich dadurch, dass alle vier auch komponieren und texten, was zu teils erbitterten, teils amüsanten Querelen im Studio führt. So wollte Roger Taylor doch tatsächlich I´m In Love With My Car als A-Seite der Single veröffentlicht sehen anstatt Bohemian Rhapsody.

Weitere Triumphe, Mercurys Idee, Bohemian Rhapsody mit Opernelementen anzureichern, Kritikerschelte, Richtungswechsel (Hot Space wird zum Knackpunkt, denn sowohl die Band als auch die Fans mögen die übermäßigen Discoelemente nicht), Mercurys Entscheidung, zwei Soloplatten aufzunehmen, Auflösungserscheinungen, die niederschmetternde HIV-Diagnose, das Waschen schmutziger Wäsche in der Öffentlichkeit durch einen ehemaligen Vertrauten Mercurys – all das wird kurz angerissen, um letztlich in einer wesentlich längeren Version zum Auftritt bei Live Aid zurückzukehren, mit der der Film endet.

Rami Malek, einigen Zuschauern eventuell bekannt als Hauptdarsteller der TV-Serie Mr. Robot , ist dabei ein wahrer Glücksfall für den Film; es ist absolut verblüffend, wie sehr er sich Mercurys Bewegungen, seine Art zu sprechen und zu singen aneignet – mitsamt prosthetischem Überbiss! Auch wenn man bei den Szenen im Studio und auf der Bühne natürlich den echten Mercury singen hört, ist die Illusion perfekt. Und wie es Regisseur Singer gelingt, die echten Szenen von Live Aid mit der „falschen“ Band zu vermischen, nötigt ebenfalls Respekt ab.

Auch wenn nicht alle wichtigen Karriereschritte Berücksichtigung finden – Mercurys Zusammenarbeit mit der spanischen Sopranistin Monserrat Caballé bleibt komplett ausgespart – erhält man sowohl als langjähriger Fan als auch Neueinsteiger ein eindrucksvolles Bild einer Band, wie es sie nie wieder geben wird. Und was zusätzlich lobenswert erscheint, ist der Umstand, dass Mercurys Privatleben weder beschönigt noch sensationalisiert oder gar verurteilt wird.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Musikfilm abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Bohemian Rhapsody

  1. Laura Palmer schreibt:

    We are the Champions!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.