Theo gegen den Rest der Welt

Land: Deutschland 1980  Regie: Peter F. Bringmann  Mit: Marius Müller-Westernhagen, Guido Gagliardi, Claudia Demarmels, Carlheinz Heitmann, Marquard Bohm  Label: Weltkino  VÖ: 5.10.2018  FSK: 16  –  Ein Beitrag unseres Retroexperten Julian Dax:

© Weltkino

„Wenn ich einen Film mache, möchte ich selbst so viel Spaß daran haben, dass ich mich gerne reinsetze oder sogar zweimal ins Kino gehe.“ Soweit Peter F. Bringmann, der Regisseur von Theo gegen den Rest der Welt aus dem Jahre 1980.

Ruhrgebiet, Autobahnraststätte Stuckenbusch. Eigentlich wollte Trucker Theo Grombach (Marius Müller-Westernhagen) nur kurz eine Pinkelpause einlegen. Doch als er zurückkommt, ist der LKW weg – geklaut. Dumm nur, dass der Truck nicht nur das einzige Kapital von Theos Firma „Gromberg & Goldini“ darstellt, sondern auch noch voll mit illegal transportierter Ware ist. Den Pleitegeier sowie einen brutalen Geldeintreiber im Nacken und ein Bein im Gefängnis, bleibt Theo nur eine Chance: Er muss die Karre selbst finden – und wenn es dazu quer durch Europa geht! Zunächst in einem Fiat 500, der sich im Besitz der Schwezer Studentin Ines (Claudia Demarmels) befindet, später in einem äußerst ramponierten Peugeot, der auch noch mehrere Hühner transportiert und den Theos Compagnon Enno (Guido Gagliardi) lenkt, geht’s von Lüttich über Basel nach Mailand, Genua und schließlich Neapel. Theo und seine Begleiter haben zwar keine Chance, aber dennoch versuchen sie, genau diesen Umstand für sich zu nutzen.

Über drei Millionen Zuschauer, die Goldene Leinwand und der Ernst-Lubitsch-Preis für Westernhagen, der zu diesem Zeitpunkt auch schon als Sänger („Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“) Riesenerfolge feiern konnte – eine stolze Bilanz. Bereits drei Jahre vorher hatten Regisseur Bringmann und Drehbuchautor Matthias Seelig gemeinsam den Fernsehfilm Aufforderung zum Tanz gedreht, der quasi die Vorgeschichte erzählt. Theo und Guido träumen davon, mit einem eigenen LKW eine Speditionsfirma zu gründen, doch während Guido für das dafür notwendige Kapital malochen geht, hält Theo nichts davon und versucht, Geld mit Zocken, Pferdewetten und kleinen Gaunereien zusammenzubekommen.

Spielte diese Geschichte noch ausschließlich in und um Herne im Ruhrgebiet, beschlossen die Filmemacher das Spektrum für die Kinofortsetzung zu erweitern und eine Art deutsches „road movie“ zu drehen, was ihnen auch weitgehend gelungen ist.

Schaut man sich den Film heute an, so fallen zwar die doch etwas unbeholfen inszenierten Actionsequenzen auf, doch trägt dieser Umstand auch zu einem gewissen nostalgischen Charme bei. Der Film ist flott inszeniert, die Hauptdarsteller harmonieren wunderbar miteinander, und den ewigen Loser mit der großen Klappe, der wie ein Stehaufmännchen einfach niemals aufgibt, schließt man schnell ins Herz. Und auch wenn das Ende nach einer Fortsetzung geradezu schreit, entschieden sich alle Verantwortlichen dagegen: Westernhagen, weil er wohl befürchtete, auf diese Rolle festgelegt zu werden und Regisseur und Drehbuchautor vielleicht, weil sie merkten, dass die Geschichte im Grunde auserzählt ist und alle weiteren Fortsetzungen nur Variationen des immer Gleichen darstellen würden. Schade, dass der Großteil der heutigen Filmemacher nicht mehr über diese Denkweise verfügt…


Blu-ray
Bild: 1,66:1 (1080p/24 Full HD), Sprache/Ton: Deutsch (Mono DTS-HD MA), Laufzeit: 106 Min., Extras:  Interview mit Peter F. Bringmann, Trailer, Wendecover

DVD
Bild: 1,66:1 (anamorph), Sprache/Ton: Deutsch (Mono DD), Laufzeit: 102 Min., Extras: Interview mit Peter F. Bringmann, Trailer, Wendecover

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Eine Antwort zu Theo gegen den Rest der Welt

  1. steffelowski schreibt:

    Es liegt bei mir schon ein paar Jahre zurück, dass ich Theo gesehen habe, aber ich habe ihn nach wie vor in allerbester Erinnerung. Gute Gags, rasantes Tempo und…..Typen…….Sowas ist selten geworden im deutschen Film. Theos Sprüche waren damals quasi zum Alltagsslang geworden. Mir gefiel auch sehr, dass der im deutschen Film oftmals stark vertretende Schwermut sowie der erhobenen Zeigefinger nicht auftauchten.
    Eine Fortsetzung lag wirklich nah, aber ob man das Niveau des ersten Films hätte halten können, möchte ich mal bezweifeln.

    Gefällt 1 Person

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