Bad Times at the El Royale

Land: USA 2018  Laufzeit: 143 min.  Regie: Drew Goddard  Mit: Chris Hemsworth,  Jeff Bridges, Dakota Johnson, Cynthia Erivo  Kinostart: 11.10.2018  FSK: 16
Ein Beitrag unseres Motelführers Julian Dax:

© 2018 Twentieth Century Fox

 

Ganze sechs Jahre hat sich Drew Goddard Zeit gelassen für seinen zweiten Film als Regisseur nach dem doch überraschenden Erfolg des ziemlich abgedrehten Horror/Science Fiction-Hybriden The Cabin In The Woods. Auch in seinem neuen Film haben wir es mit einer überschaubaren Anzahl von Charakteren zu tun, die in ebenso seltsame wie gewalttätige Ereignisse hineingezogen werden.

Zunächst einmal erlebt man im Prolog, wie ein mysteriöser Fremder im titelgebenden Motel in einem der Zimmer eine Tasche mit Geld unter die zuvor entfernten Dielenbretter versteckt, was ihm aber auch nicht unbedingt hilft. Zehn Jahre später – man schreibt inzwischen das Jahr 1969 – treffen in dem mittlerweile ziemlich heruntergekommenen Etablissement nacheinander etliche Gäste ein: Der Priester Father Daniel Flynn (Jeff Bridges), die von Existenzsorgen geplagte Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo), der leicht schmierige Handlungsreisende Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm) sowie die geheimnisvolle Emily Summerspring (Dakota Johnson), die als Eintrag auf dem Anmeldeformular sich für ein herzhaftes „fuck you“ entscheidet. Geschäftsführer Miles (Lewis Pullman) händigt ihnen die Schlüssel zu ihren Zimmern aus, und nach und nach erfährt man, was diese Menschen in dieses Motel geführt hat, das genau zwischen Nevada und Kalifornien liegt.

Dabei wählt Goddard nicht etwa eine lineare Erzählweise, sondern widmet sich in mehreren Kapiteln nacheinander den Bewohnern der verschiedenen Räume. Im Grunde genommen sollte man nichts weiter über den Inhalt sagen, denn der komplette Film lebt davon, dass fast alle Charaktere nicht ganz das sind, was sie vorgeben zu sein und man ständig mit neuen Drehs und Wendungen überrascht wird. Und auch das schäbige Motel hat seine Geheimnisse; so ist jedes Zimmer mit einer Menge Wanzen ausgestattet und besitzt einen Einwegspiegel, hinter den Räumen verläuft ein Gang, von dem aus man genau beobachten kann, was sich in den Zimmern abspielt, und auch eine Kamera mit Stativ befindet sich im besagten Gang.

Wen diese kurze Zusammenfassung an Quentin Tarantino erinnert, so liegt derjenige nicht ganz daneben; wie in Pulp Fiction sieht man manche Ereignisse aus mehreren Perspektiven, entwickeln sich manche der diversen Handlungsstränge erst ganz allmählich zu einem großen Ganzen. Und wie Tarantino schreckt auch Goddard nicht davor zurück, es ordentlich krachen zu lassen, und man fragt sich, wer am Ende – wenn überhaupt – mit heiler Haut davonkommt, vor allem, als im letzten Akt der gleichermaßen charismatische wie psychopathische Sektenführer Billy Lee (Chris Hemsworth) auf der Bildfläche erscheint, eine Art Charles Manson – Figur, allerdings wesentlich besser aussehend.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass Regisseur Goddard, der auch für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich zeichnet, das Jahr 1969 mit Bedacht gewählt hat; nicht nur war dies das Jahr, als Mansons Mörderbande ihr Unwesen trieb, der Krieg in Vietnam schreckliche Ausmaße annahm und Richard Nixon im Weißen Haus saß. Der sog. „summer of love“ ein Jahr zuvor war endgültig ausgeträumt. Und genau diese nihilistische und negative Stimmung fängt der hervorragend ausgestattete und gefilmte Streifen absolut authentisch ein und verleiht ihm einen sehr starken Subtext.

Auch im Hinblick auf die Darsteller gibt es überhaupt keine Schwachpunkte – im Gegenteil, man bekommt den Eindruck, sie alle hätten es genossen, gegen ihr Image anzuspielen. Vor allem Dakota Johnson und Chris Hemsworth laufen zur Höchstform auf, wobei es jedoch Cynthia Erivo ist, die man als Sympathieträgerin sehr schnell ins Herz schließt. Sie ist auch für den hervorragenden Soundtrack zuständig, der sich hauptsächlich aus Tamla Motown – Klassikern zusammensetzt, die zum Teil von ihr selbst gesungen werden.

Wer Filme mag, bei denen man sich niemals sicher sein kann, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und sich auch vor einer gewissen Zelebrierung von Gewalt nicht abschrecken lässt, dem sei Bad Times At The El Royale ausdrücklich empfohlen. Und lassen Sie sich auch nicht von der exzessiv erscheinenden Laufzeit von 143 Minuten abschrecken; der Film ist so kurzweilig und wendungsreich, dass Langeweile niemals aufkommt.

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