9 1/2 Wochen

Land: USA 1985  Regie: Adrian Lyne  Mit: Kim Basinger, Mickey Rourke, Margaret Whitton, Karen Young, David Margulies Label: FilmConfect : 21.9.2018  FSK: 16
Ein Beitrag von Julian Dax:

© FilmConfect

Jessica Lange und Jack Nicholson in „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Julie Christie und Donald Sutherland in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, Marlon Brando und Maria Schneider in „Der letzte Tango in Paris“ und schließlich Mickey Rourke und Kim Basinger in „9 1/2 Wochen“ – all diesen ansonsten thematisch völlig unterschiedlichen Filmen ist eines gemeinsam: Bis heute halten sich hartnäckige Gerüchte, die Schauspieler hätten die Sexszenen während der Dreharbeiten nicht nur simuliert, was seitens der Akteure clevererweise weder bestätigt noch dementiert wurde und die Filme dadurch noch populärer machte. Von den vier Filmen war 9 1/2 Wochen von Adrian Lyne der kommerziell wohl erfolgreichste, und mindestens drei Szenen daraus besitzen bis heute Legendenstatus.

Elizabeth („Lizzy“) ist eine gut aussehende junge Frau,, die in einer schicken Galerie in New York arbeitet. Zufällig lernt sie John kennen, einen attraktiven jungen Top-Banker, und beide fühlen sich voneinander sofort angezogen. In der Folge wird man Zeuge sexueller Begegnungen, die immer extremer werden – bis zu dem Punkt, als Lizzy erkennt, dass ihr Selbstwertgefühl in Gefahr ist, einen irreparablen Schaden zu erleiden und sie deshalb die ebenso leidenschaftliche wie für sie zerstörerische Beziehung beendet.

Schaut man sich den Film aus dem Jahr 1986 heute an, wundert man sich einmal mehr über die Veränderungen in der Sichtweise; zugegeben, nahezu sämtliche Szenen könnten direkt aus einem Werbeclip für irgendwelche Produkte stammen und wirken in ihrer Gelecktheit ziemlich überzogen – ein Vorwurf übrigens, dem sich Adrian Lyne bereits 1986 ausgesetzt sah. Andererseits muss man dem Regisseur bescheinigen, dass er diese auffallende Ästhetisierung materieller Dinge einsetzt, um den damals vorherrschenden Zeitgeist wiederzugeben und natürlich auch, um das dargestellte Milieu zu charakterisieren bzw. zu persiflieren, in dem Geld eben das Wichtigste überhaupt ist.

Was die drei o.a. legendären Szenen betrifft, so muss man zunächst die Sequenz nennen, in der Lizzy mit verbundenen Augen auf dem Küchenboden in Johns Luxusapartment sitzt und sich von ihm mit allen möglichen Nahrungsmitteln füttern lässt – von der Erdbeere über Honig bis zur scharfen Pepperoni. Noch nie sah man den im Grunde äußerst banalen Essvorgang derart sinnlich in Szene gesetzt – auch wenn man gerne wüsste, wer die angerichtete Schweinerei auf dem Boden wieder wegputzt!

Und spätestens an dieser Stelle muss man die beiden Hauptdarsteller ausdrücklich loben; sowohl Kim Basinger als auch Mickey Rourke vermitteln hier und in den anderen beiden Sequenzen, die einen Legendenstatus besitzen – eine heiße Sexszene (bei Regen!) in einer finsteren Sackgasse in Manhattan sowie ein an-und aufregender Strip zu Joe Cockers „You Can Leave Your Hat On“ – absolute Glaubwürdigkeit und wirken auch heute noch weder peinlich noch lächerlich. (Man vergleiche hierzu nur einmal die öden „50 Shades Of Grey“ – Filme, in denen eine gelangweilte Dakota Johnson und der Typ, der wohl hauptsächlich wegen seines wohlgeformten Hinterns gecastet wurde, null Ausstrahlung besitzen und den Zuschauer deswegen auch völlig kalt lassen). Und sogar die Musikauswahl bei „9 1/2 Wochen“ ist klar überlegen, wobei Bryan Ferrys „Slave To Love“ die eigentliche Geschichte hervorragend zusammenfasst.

Ein Hinweis für übereifrige Feministinnen, die den Film seinerzeit in Grund und Boden verdammten und das heute sicher immer noch tun: Es ist die Frau, aus deren Perspektive man 9 1/2 Wochen erlebt. Sie lässt sich absolut freiwillig und fasziniert auf die Spielchen des Mannes ein – zumindest solange sie es vor sich selbst noch verantworten kann. Und sie ist es auch, die das bereits erwähnte zerstörerische Potenzial ihrer Beziehung erkennt und beendet, während der Mann in seiner letzten Szene äußerst schwach und hilflos wirkt. Was daran frauenfeindlich sein soll, ist und bleibt rätselhaft.


Ausstattung der Blu-ray Disc:

Bildformat: FULLHD 1080
Tonformat: DTS-HD Master 2.0
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch
Länge: ca. 117 Min.

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