Under Fire

Land: USA 1983  Regie: Roger Spottiswoode  Mit: Nick Nolte, Gene Hackman, Joana Cassidy, Ed Harris  Labeljustbridge entertainment : 21.9.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Kriegsreporters Julian Dax:

© justbridge entertainment

Ach, was waren das für herrliche Zeiten, als Hollywood noch intelligente Filme für Erwachsene machte, anstatt sich dem Massengeschmack von 14-jährigen zu beugen!
Filme, die eine packende Geschichte erzählten, mit durchdachten Dialogen, gesprochen von erstklassigen Darstellern. Und die sich dazu noch trauten, eindeutige Kritik an der Politik der USA zu üben.

Solch ein Film ist jedenfalls Under Fire von Roger Spottiswoode aus dem Jahre 1983, der nun als Media-Book (Blu-ray/DVD plus 28-seitiges Büchlein) vorliegt.

Nach einem kurzen Prolog im Tschad, der vor allem eine der Hauptfiguren, den Kriegs-Fotografen Russell Price (Nick Nolte) vorstellt, wechselt der Handlungsort, und wir befinden uns in Nicaragua im Jahre 1979; es regiert der grausame Diktator Somoza, eine Marionette der Amerikaner, der rebellische Nicaraguaner massenweise foltern und töten lässt. Vor diesem politischen Hintergrund treffen wir Price wieder, und auch die Journalistin Claire Stryder (Joanna Cassidy) und deren Ex-Mann Alex Grazier (Gene Hackman) sind vor Ort, um über die sich überschlagenden Ereignisse zu berichten. Kompliziert wird die Sache dadurch, dass Alex seine Ex immer noch liebt, während sie und Russell sich immer mehr zueinander hingezogen fühlen und Russell, der sich bei seiner Arbeit bisher stets völlig unparteiisch verhielt („I don’t take sides, I take pictures.“) merkt, dass er sich in diesem Konflikt entscheiden muss; als er ekennt, wie grausam Somoza agiert, hilft er den sandinistischen Rebellen in seiner Eigenschaft als Fotograf, auch wenn er damit sowohl sein als auch das Leben von Claire und Alex in allerhöchste Gefahr bringt…

Alles an Under Fire fühlt sich absolut authentisch an, nichts wirkt aufgesetzt, gestellt oder peinlich. Und das Wissen, dass die dargestellten Ereignisse einen wahren Hintergrund besitzen, macht den Film quasi zeitlos. Es gibt heutzutage nur wenige amerikanische Filmemacher, die sich, wie damals Spottiswoode, nicht scheuen, aktuelle politische Themen anzupacken; eigentlich fällt einem nur Oliver Stone ein, und der hatte enorme Schwierigkeiten, seinen bisher letzten Film über Edward Snowden in den USA finanziert zu bekommen und musste deshalb nach Deutschland (!) ausweichen. Damit keine Missverständnisse entstehen: Under Fire war seinerzeit auch kein Hit an den Kinokassen, denn gegen Die Rückkehr der Jedi-Ritter oder Flashdance, beide ebenfalls 1983 im Kino, konnte Spottiswoodes Film natürlich nicht ankommen. Und doch war es damals zumindest mögllich, solche Filme mit durchaus großen Budgets überhaupt zu drehen.

Und auch 35 Jahre später hat Under Fire nichts von seiner Brisanz verloren, ganz im Gegenteil! Neben den bereits erwähnten durchweg ausgezeichneten Darstellern liegt es auch an den formalen Elementen; Kamera, Schnitt, Ausstattung und Jerry Goldsmiths stimmungsvolle Musik – all das trägt zum Gelingen des Filmes bei. Geradezu verblüffend aktuell im Zeitalter von „fake news“ ist jedoch die Thematisierung der Macht der Bilder. An zwei entscheidenden Stellen ist es der Fotograf, der mit Hilfe seiner Aufnahmen die Stimmung im Lande zu Gunsten der Aufständischen kippen lässt, wobei er sich in einem Fall nicht scheut, eine Fälschung anzufertigen, was natürlich in der Realität vollkommen verdammenswert wäre, im vorliegenden Fall jedoch nicht ganz so eindeutig erscheint. Das wiederum bietet ebenfalls viel Stoff für Diskussionen über einen der seltenen Filme, die Verstand und Herz gleichermaßen ansprechen und noch lange im Gedächtnis bleiben.

P.S. Der einzige Wermutstropfen in dieser Neuauflage eines wirklich sehenswerten Filmes ist wieder einmal der, dass er zwar sowohl eine englische als auch deutsche Tonspur besitzt, aber leider überhaupt keine Untertitel.


Die originale Kinowerbung von Winter 1983:


Ausstattung des Mediabooks & der DVD:

Bildformat DVD: PAL 16:9
Bildformat Blu-ray: FullHD1080
Tonformat DVD: Dolby Digital 2.0
Tonformat Blu-ray: DTS-HD Master Audio 2.0
Sprache: Deutsch, Englisch
FSK: ab 12 Jahren
Länge DVD: ca. 105 Min.
Länge Blu-ray: ca. 110 Min.
Extras: Exklusives 28-Seitiges Booklet von Christoph N. Kellerbach

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