Homers Odyssee – Die Simpsons und die Literatur

Titel: Homers Odyssee – Die Simpsons und die Literatur
Autor: Mathias Hansen Verlag: riva, September 2018
Umfang: Softcover, 224 Seiten  ISBN: 978-3-7423-0634-0  Preis: 14.99 €

Ein Beitrag unseres Gelbgesichtes Julian Dax:

© riva-Verlag

Es soll doch tatsächlich noch Menschen geben, die der festen Überzeugung sind, Die Simpsons seien eine reine Kindersendung. Dabei weiß jeder auch nur halbwegs Gebildete, dass der Erfolg dieser Langzeitserie (bis Juli 2018 waren es 29 Staffeln mit insgesamt 639 Episoden!) zu großen Teilen darauf beruht, dass sie sehr viele Elemente und Anspielungen enthält, die für Kinder unverständlich sind und sich ausschließlich an Erwachsene richten.
Matt Groening selbst, der Schöpfer von Springfield und seiner gelben Einwohner, war es, der über die Machart der immens erfolgreichen Serie einst feststellte, dass die Gags auf mehreren Ebenen funktionieren müssten: Slapstick, etwas für Pseudointellektuelle und derbe Späße, wie sie Kindern gefielen. Folgerichtig schreibt daher Mathias Hansen, Autor von Homers Odyssee – Die Simpsons und die Literatur denn auch im Prolog: „Dieses Buch ist ist für all die Pseudointellektuellen unter den Simpsons-Fans.“

In den anschließenden 39 Kapiteln widmet er sich jeweils einem Autor und dessen literarischen Figuren, die in den einzelnen Episoden eine besonders markante Rolle spielen, wobei das Hauptgewicht – die Bibel, die Märchen aus Tausendundeiner Nacht und Homer (den antiken Griechen natürlich!) ausgenommen – auf englischsprachigen Autoren liegt. Und das ergibt ein äußerst breites Spektrum, das von Lyrikern wie John Keats und Emily Dickinson, über Dramatiker wie William Shakespeare und Arthur Miller bis hin zu Romanautoren wie James Joyce oder Joanne K. Rowling reicht.

Äußerst akribisch benennt Hansen die entsprechende Episoden – leider nennt er meistens nicht, zu welcher Staffel sie gehören – und stellt die literarischen Parallelen und Verbindungen zu den Originalwerken her, sei es nun Herman Melvilles „Moby Dick“ oder William Goldings „Herr der Fliegen“. Zudem liefert er ausführliche biographische Angaben zu den einzelnen Autoren, sodass man sein Buch als Nachschlagewerk verwenden kann, auch ohne besondere Kenntnisse über die Simpsons zu besitzen.

Als Beispiel hierzu mag ein Auszug aus dem Kapitel „Frankenstein ist kein Monster“ dienen, in dem es natürlich um Mary Shelley geht: „Mary Shelley (1797 – 1851) war zeit ihres Lebens von einem durch und durch intellektuellen sozialen Umfeld umgeben. Ihr Vater William Godwin war Sozialphilosoph und der Begründer des politischen Anarchismus, ihre Mutter Mary Wollstonecraft war Schriftstellerin und Feministin. Durch die wilde Beziehung zu ihrem Partner Percey Shelley geriet Mary mit weiteren großen Denkern in Kontakt. So traf sich das Paar einst mit dem Schriftsteller Lord Byron, der einen kleinen Schreibwettbewerb zwischen ihnen ausrief – die Geburtsstunde von Frankenstein, das sie zunächst anonym veröffentlichte. Von dem Ruhm, den dieses Werk eines Tages erlangen sollte, bekam die Autorin zu Lebzeiten leider nichts mit: Frankenstein verdankt seine Bekanntheit vor allem zahlreichen Adaptionen, zunächst auf der Bühne, später auf der Leinwand.“

Nachdem im weiteren Verlauf dieses Kapitels diverse Simpsons-Episoden beschrieben werden mit Bezügen zu Shelleys literarischer Schöpfung, liefert Hansen abschließend auch eine äußerst zutreffende Interpretation des Originals: „(…) Gleichzeitig möchte Mary Shelley die Menschen davor warnen, Gott zu spielen und über Leben und Tod richten zu wollen. Darauf verweist allein der vermutlich wenig bekannte Untertitel des Werks: Der moderne Prometheus. Prometheus war ein griechischer Gott, der nach einem Streit mit Zeus den Menschen as Feuer brachte. Durch diese Mithilfe zur Zivilisierung der Menschheit wird er gemeinhin auch als ihr Schöpfer im Allgemeinen angesehen – mit all ihren Fehlern, die auf ihn zurückfallen. Prometheus ist, ebenso wie Frankensteins Monster, heutzutage ein Sinnbild aller Kritiker des Technik- und Fortschrittsglaubens.“

Einziges Manko des ebenso unterhaltsamen wie informativen Buches ist das Fehlen jeglicher Illustrationen, was wohl damit zusammenhängt, dass es sich bei Homers Odyssee nicht um ein offizielles Lizenprodukt von Matt Groening bzw. der Twentieth Century Fox Film Corporation handelt; den Lesegenuss schmälert dieser Umstand jedoch nur in sehr geringem Ausmaß.


Weitere Bücher aus dem riva-Verlag finden Sie in unserer Bibliothek:

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