A Beautiful Day

Land: Großbritannien/Frankreich 2017  Laufzeit: 103 min.  RegieLynne Ramsay   Mit: Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, Alessandro Nivola, Alex Manette, John Doman  : 6.9.2018  FSK: 16

Ein Beitrag unseres Kidnappingexperten Julian Dax:

Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, Lynne Ramsays neuem Film in Deutschland den Titel A Beautiful Day zu verpassen, muss wohl ein gnadenloser Zyniker sein; ein trostloseres und niederschmetternderes Menschen- und Gesellschaftsbild als You Were Never Really Here, so der Originaltitel, ist jedenfalls kaum vorstellbar.
„Joe (Joaquin Phoenix), Ex-Militär und Ex-FBI, ist der Mann, den man bei Kidnapping ruft. Die Vergangenheit hat bei ihm physische und psychische Narben hinterlassen. Er ist vom Leben gezeichnet – seine bösen Erfahrungen kann er allerdings bestens für die Rettung minderjähriger Entführungsopfer einsetzen.

Als Joe von einem verzweifelten New Yorker Senator den Auftrag erhält, seine halbwüchsige Tochter Nina (Ekaterina Samsonov) zu befreien, die in einem Bordell festgehalten wird, gerät er unerwartet in ein politisches Komplott, in dem Skrupel nicht auf der Tagesordnung stehen. Auf einem Terrain, das er nicht kennt, zwischen Gegnern, die ihm an Macht weit überlegen sind, muss Joe um sein Leben kämpfen – und auch Nina will er nicht zurücklassen.“

Soweit der Hüllentext. Nimmt man noch die ebenfalls groß abgedruckten Schlagworte hinzu, die da lauten: „Der TAXI DRIVER des 21. Jahrhunderts“, „DÜSTER, BRUTAL UND VERSTÖREND“ sowie „EXPLOSIVER WAHNSINNSTRIP“, sieht man vor seinem geistigen Auge, wie Actionfreunden das Wasser im Munde zusammenläuft.

Spätestens hier jedoch ist ein Wort der Warnung angebracht. So sollte man unbedingt wissen, dass Regisseurin Lynne Ramsay nicht unbedingt im Actiongenre zu Hause ist, sondern in der Regel verkopftes Kunstkino fabriziert, und zwar mit einem ganz großen K! Nachvollziehbare Handlung? Lineare Erzählstruktur? Verständliche Dialoge? Glaubwürdige Charaktere? Notwendige Erklärungen? Logik? Einem wahren Künstler erscheinen solche zutiefst banalen Elemente äußerst überbewertet. Stattdessen wird man als Zuschauer quasi direkt in den Kopf der Hauptfigur versetzt, eines zutiefst gestörten Menschen. Und darin vermischen sich ständig Erinnerungsfetzen einer wohl schrecklichen Kindheit mit traumatischen Kriegserlebnissen in Irak oder Afghanistan und Bildern seiner jetzigen „Tätigkeit“, bis einem schwindlig wird.

Wer sich nun in Anbetracht der Tatsache, dass Joes favorisiertes Tötungsinstrument ein schlichter, aber umso effektiverer Hammer ist (s. auch „Oldboy“!), wenigstens auf ein paar ordentliche Splattereinlagen freut, erlebt hier jedoch eine herbe Enttäuschung: Lynne Ramsay verweigert sich auch in dieser Beziehung den entsprechenden Erwartungen, denn sie zeigt an keiner Stelle Joes Taten, sondern nur deren Vor-bzw. Nachbereitung, gerne auch als grobkörnige, unscharfe Bilder von Überwachungskameras.

Und so schleppt sich das Ganze über einem wesentlich länger vorkommende 90 Minuten, und man wird hauptsächlich von der entsetzlich nervtötenden musikalischen Untermalung wach gehalten, die zudem auch noch wesentlich lauter aus den Boxen dröhnt als der restliche Ton und einen ständig zur Fernbedienung greifen lässt.

Wieder einmal erhebt sich abschließend die Frage, wer sich solch einen Film anschauen soll. Für das typische Art-House-Publikum thematisch inakzeptabel, fürs Multiplex-Publikum unzumutbar, fällt der Film zwangsläufig zwischen sämtliche Stühle und kann wohl nur diejenigen zufriedenstellen, die ein vollkommen elitäres Verständnis von Film ihr Eigen nennen.


Bildformat: 2.39:1 in 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Englisch Dolby Digital 5.1,Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Länge: ca. 86 Min.
Extras: Interview Joaquin Phoenix (ca. 9 Min.), Interview Lynne Ramsay (ca. 8 Min.), Trailer Deutsch (ca. 2 Min.), Trailer Englisch (ca. 2 Min.)

Ausstattung:
Bildformat: 2.39:1 in 16:9
Tonformat: Deutsch DTS-HD 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Englisch DTS-HD 5.1, Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Länge: ca. 90 Min.
Extras: Interview Joaquin Phoenix (ca. 9 Min.), Interview Lynne Ramsay (ca. 8 Min.), Trailer Deutsch (ca. 2 Min.), Trailer Englisch (ca. 2 Min.)

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Eine Antwort zu A Beautiful Day

  1. steffelowski schreibt:

    Hm, da bin ich auch voll in die Werbefalle getappt. Die Trailer und die überschwänglichen Krititken liessen etwas völlig anderes vermuten, als dass, was dann auf der Leinwnd zu sehen war.
    Schade, da hatte ich mir viel mehr von versprochen.

    Gefällt 1 Person

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