Death Wish

Land: USA 2017  Regie: Eli Roth  Mit: Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Elisabeth Shue, Dean Norris, Camila Morrone  LabelUniversum-Film  : 10.8.2018  FSK: 18

Ein Beitrag unseres einsamen Rächers Julian Dax:

© Universum-Film

Erst im Februar 2018 wurde die Indizierung des originalen Death Wish (= Ein Mann sieht Rot) aus dem Jahr 1974 komplett aufgehoben, die bis dahin in Deutschland bestand. Nach einer erneuten Vorlage bei der FSK erhielt der Film ohne Schnitte (!) die neue Altersfreigabe ab 16 und ist seither bei uns preiswert auf DVD/Blu-ray erhältlich.
Im Frühjahr 2018 erschien auch Eli Roths Neuverfilmung in unseren Kinos; offensichtlich hielt sich das Interesse daran in äußerst überschaubaren Grenzen, denn der Film verschwand sehr schnell wieder von den Leinwänden.

Paul Kersey ist ein angesehener Chirurg in einem Krankenhaus in Chicago. Er ist glücklich verheiratet, seine Tochter hat soeben ihre Collegezulassung erhalten. Doch nach einem missglückten häuslichen Überfall ist seine Frau tot, die Tochter liegt im Koma. Da die Polizei überfordert erscheint, die Täter zu ermitteln, nimmt Kersey die Sache selbst in die Hand. Nachdem er zufällig in den Besitz einer nicht registrierten Schusswaffe gelangt ist, bringt er sich selbst das Schießen bei und zieht los, um die Straßen Chicagos wieder sicherer zu machen, indem er Übeltäter einfach über den Haufen knallt. Und da er bei seinen Unternehmungen ein schwarzes Hoodie trägt, verleihen ihm diverse Medien den Titel „Grim Reaper“ (= Sensenmann). Und die beiden ermittelnden Polizeibeamten werden auf den bisher völlig unbescholtenen Arzt aufmerksam…

Nicht nur schlug dem ursprünglichen Film von 1974 aufgrund seiner distanzlosen Propagierung von Selbstjustiz massive Kritik entgegen – er war auch ein weltweiter Kassenerfolg, der sowohl vier zunehmend absurdere und gewalttätigere Fortsetzungen nach sich zog; vor allem begründete er auch ein ganz neues Filmgenre, in dem sowohl Männer als auch Frauen das Recht in die eigene Hand nahmen, sich eine Knarre zulegten und der Polizei so richtig zeigten, wie man mit Verbrechern umgeht. Filme wie Die Klasse von 1984, Lipstick, Ein Richter sieht Rot, Die Frau mit der 45er Magnum oder Die Fremde in dir (mit immerhin Jodie Foster!) plädierten mal mehr mal weniger unverhohlen für das Recht auf Rache des Individuums angesichts einer viel zu laschen Gesetzgebung. (Von Gerechtigkeit war praktisch so gut wie nie die Rede!)

Was genau Eli Roth auf die Idee gebracht hat, sich dieses Themas wieder anzunehmen, wird im vorliegenden Fall allerdings nicht ersichtlich; man kann guten Gewissens sagen, es ist der falsche Film zur falschen Zeit. Die Verbrechensrate in amerikanischen Großstädten ist derzeit so niedrig wie seit den 50er Jahren nicht mehr, und die platte und undifferenzierte Verherrlichung von Schusswaffen erscheint einem besonders fragwürdig in einem Jahr, das nach einer erneuten Schießerei in einer Schule in den USA die bisher massivsten landesweiten Proteste gegen den amerikanischen Waffenfetischismus nach sich gezogen hat.

Doch selbst wenn man jedwede ideologische Bedenken beiseite schiebt und Death Wish lediglich als einen weiteren Actionkracher mit einem super „coolen“ Helden ansehen möchte, wird man maßlos enttäuscht. Bruce Willis nimmt man weder den zunächst moralisch vollkomen integren Chirurgen ab noch den gnadenlosen Rächer, was vor allem an seinem Agieren liegt. Bezeichnet man die Bandbreite der Emotionen, die er im vorliegenden Fall zeigt als „unbeteiligt“, so ist das noch untertrieben; „desinteressiert“ oder „vollkommen gleichgültig“ trifft es da schon eher. Ganz gleich, ob er in einem dramatischen Einsatz einem Patienten das Leben rettet, seine Tochter ihm von ihrer Collegezusage erzählt oder er vom Tod seiner Frau erfährt – seiner Miene nach leidet er wahlweise an leichten Verdauungsstörungen oder überlegt gerade, ob er genug Gage erhält.

Und auch die wenigen Actionsequenzen enttäuschen; vor allem die Schießerei in einem Club ist derartig fahrig und unbeholfen inszeniert, dass man außer einem hektischen, mies ausgeleuchteten Durcheinander so gut wie nichts erkennen kann. Da hilft auch Eli Roths bekanntes Faible für Splatter nichts, das sich in diesem Fall in einer Szene in einer Autowerkstatt offenbart. (Stichworte: aufgebockter Wagen, Wagenheber)

Wer unbedingt einen harten und richtig unangenehmen Selbstjustizfilm sehen will, ist mit Death Sentence mit Kevin Bacon aus dem Jahre 2008 wesentlich besser bedient. Denn anders als das Gros ähnlicher Filme, macht Kevin Bacon geradezu schmerzhaft deutlich, was es bedeutet, wenn man sämtliche zivilisatorische Errungenschaften über Bord wirft und zum mörderischen Psychopathen mutiert.


DVD:

Laufzeit: ca. 103 Min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: DD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras: Audiokommentar Eli Roth (Regisseur) und RogerBirnbaum (Produzent), Making of, Deleted Scenes, Extended Scenes

Blu-ray:

Laufzeit: ca. 107 Min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Ton: DTS-HD 5.1 MA
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras: Audiokommentar Eli Roth (Regisseur) und RogerBirnbaum (Produzent), Making of, Deleted Scenes, Extended Scenes

4K UHD Blu-ray:

Laufzeit: ca. 214 Min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24), 2,40:1 (2160p/24)
Ton: DTS-HD 5.1 MA
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras: Audiokommentar Eli Roth (Regisseur) und RogerBirnbaum (Produzent), Making of, Deleted Scenes, Extended Scenes

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