Kings

Land: Belgien/Frankreich 2017  Regie: Deniz Gamze Ergüven
Mit: Daniel Craig, Halle Berry, Lamar Johnson, Rachel Hilson, Kaalan Rashad Walker LabelUniversal Pictures Home Entertainment  VÖ: 30.8.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Soziologen Julian Dax:

© Universal

Mit ihrem Erstling Mustang konnte die türkisch-französische Autorin und Regisseurin Deniz Gamze Ergüven auf ganzer Linie überzeugen, ganz anders sieht es leider mit ihrem zweiten Spielfilm aus.

Los Angeles im Jahre 1992. Eine farbige Schülerin versucht, in einem kleinen Lebensmittelladen eine Flasche Orangensaft zu stehlen. Die koreanische Ladenbesitzerin zückt eine Waffe, ein Wortgefecht entwickelt sich, schließlich fällt ein tödlicher Schuss. Während der anschließenden Gerichtsverhandlung kommt die (weiße!) Richterin trotz des eindeutigen Beweises in Form einer Videokamera, die das Geschehen aufgezeichnet hat, zu dem Urteil, die Täterin sei keine Kriminelle und deshalb freizusprechen. Nur kurze Zeit später kommt es zu dem weltweit Aufsehen erregenden Vorfall um Rodney King, der von vier weißen Polizisten fast zu Tode geprügelt wird, was ebenfalls in Form eines heimlich gefilmten Videobeweises eindeutig belegbar ist. Auch die vier Polizisten werden freigesprochen, was in Los Angeles vor allem unter der schwarzen Bevölkerung zu Empörung führt; es kommt zu massiven Ausbrüchen von Gewalt, Plünderungen und Brandstiftungen.

Soweit der reale Hintergrund von Kings. Die eigentliche Geschichte schildert das Leben einer schwarzen Familie, die aus sieben oder acht Kindern besteht – so genau erfährt man das als Zuschauer gar nicht – und einer heillos überforderten Mutter namens Millie Dunbar. Es wird klar, dass ein Teil der Kinder ihr zur Pflege anvertraut wurden, aber etwas Genaueres erfährt man auch hier leider nicht. Ebenso undurchsichtig erscheint der einzige weiße Nachbar, mit dem Millie eine Affäre beginnt. Mittlerweile werden einige der Kinder in die chaotischen Ereignisse hineingezogen…

An keiner einzigen Stelle im gesamten Film wird erkennbar, was genau die Regisseurin und Drehbuchautorin mit dieser Geschichte bezweckt. Wenn es eine Schilderung der realen Geschehnisse sein soll. dann versagt sie kläglich, denn über den Prozess gegen die vier Polizisten erfährt man so gut wie gar nichts; was man sieht und hört, sind immer wieder in die Handlung eingestreute Fernsehschnipsel . Und wenn es ihr um die langsame Annäherung von Millie und ihrem namenlosen Nachbar geht, entgleist der Film vollends, denn diese größtenteils als Komödie konzipierte Romanze passt nun absolut nicht zum ernsten Hintergrund.

Ein Beispiel mag für den durchgehend falschen Ton genügen, den Kings anschlägt: Während zwei schwarze Teenager sich verzweifelt bemühen, einen schwer verletzten Freund in ein Krankenhaus zu schaffen, wird man Zeuge, wie Millie und ihr Nachbar versuchen, sich von einem Laternenmast zu befreien, an den sie ein Polizist mit Handschellen gefesselt hat, was ihnen nach manch einer Slapstickeinlage auch gelingt, während der junge Mann verblutet. Das ist nicht nur äußerst geschmacklos, sondern schlichtweg inakzeptabel und erweist dem ursprünglichen Thema „Rassismus“ einen Bärendienst.

Nicht nur sind die schwarzen Figuren im Film nur hauchdünn charakterisiert, sondern man sieht Schwarze in erster Linie als Plünderer und Zerstörer. Wie wenig Mühe sich das Drehbuch allgemein gibt, sieht man auch und vor allem an der Figur des „einzigen Weißen in der Gegend“, wie es einmal heißt. Woher dieser Mann überhaupt kommt, warum er dort lebt, vor allem jedoch, warum er in einer Szene von Millies Kindern so genervt ist, dass er zum Gewehr greift und in der Gegend herumballert, nur um in einer anderen zusammen mit den Kindern zu James Browns „Say It Loud, I´m Black And I´m Proud“ zu singen und zu tanzen – nach möglichen Erklärungen sucht man vergebens. Er handelt so, weil es eben so im Drehbuch steht. Und man sieht dem in anderen Filmen überzeugenden Daniel Craig auch deutlich an, dass er keine Ahnung hat, wen er da eigentlich verkörpern soll.

Nur wenig besser ergeht es Halle Berry. Das Leben, das sie führt, ist ein einziger Kampf, der jeden Tag ausgefochten werden muss, doch sie sieht in jeder Szene einfach hinreißend aus, mag ihr Afro noch so sehr verwuschelt sein.

Und so denkt man wehmütig den ganzen Film über an Kathryn Bigelows ungleich besseren Detroit, in dem sie einen anderen Fall eines rassistisch bedingten, himmelschreiend ungerechten Justizirrtums dem Zuschauer derart intensiv präsentiert, dass es regelrecht weh tut. Zum Glück vergisst man dabei bereits kurz nach dem Ende von Kings dieses filmische Desaster.
Ach so, warum der Film überhaupt diesen Titel trägt? Laut Regisseurin soll das eine Anspielung sowohl auf Martin Luther King als auch auf Rodney King sein; das Dumme ist nur, dass ersterer überhaupt nicht erwähnt wird und letzterer lediglich als Hintergrund missbraucht wird, um eine völlig an den Haaren herbei gezogene Geschichte zu erzählen, an der gar nichts funktioniert.


DVD / Blu-ray:

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit: 86 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, EN, HUN, RUS)
Bild: 2,40:1 Anamorph Widescreen
Untertitel: D, EN, HUN, RUS, CZ
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit: 87 Min.
Ton: DTS Digital Surround 5.1 (D), DTS-HD Master Audio 5.1 (EN)
Bild: 2,40:1 Widescreen in High Definition
Untertitel: D, EN, CZ, KAN, KOR
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