Farinelli – Der Kastrat

Originaltitel: Farinelli – Il Castrato  Land: Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien 1994  Regie: Gérard Corbiau  Mit: Stefano Dionisi, Enrico Lo Verso, Elsa Zylberstein, Jeroen Krabbé, Caroline Cellier, Renaud du Peloux de Saint Romain, Omero Antonutti  Label: PIDAX  FSK: 12  : 9.2.2018

Aus der Reihe Des Kinoguckers persönliche Filmfavoriten:

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich in Südeuropa die Sitte, Knaben mit großer musikalischer Begabung und besonders schöner Stimme zu kastrieren, damit sie nicht in den Stimmbruch kamen.

Die besondere Qualität des – offiziell verbotenen – Eingriffes war die Kombination einer knabenhaften Stimme mit dem Lungenvolumen eines erwachsenen Mannes, die einen Klang von außerordentlicher Schönheit, Kraft und Geschmeidigkeit hervorbrachte.

Die Stars unter den Kastraten waren berühmt (Chronisten berichten über hysterische und Ohnmachtsanfälle im zumeist weiblichen Publikum), märchenhaft reich und hatten sogar, wenn man zeitgenössischen Berichten Glauben schenkt, ein existentes Sexualleben. Während des 19. Jahrhunderts erkannte man die grobe Verletzung der Menschenwürde, und die Praxis der Kastration verschwand aus der Musikhistorie.

Dies ist die – sehr freie – Geschichte eines der berühmtesten Vertreters der Kastratensänger, Carlo Broschi, genannt Farinelli (1705 – 1782). Auf Befehl seines älteren Bruders Riccardo wird er mit zehn Jahren kastriert, um dessen Kompositionen angemessen zu interpretieren. Einige Jahre später und nach vielen Reisen quer durch Europa ist Farinelli berühmt, und seine Stimme ist für ihn zum einzigen Instrument seiner Daseinsberechtigung geworden.
Er ist besessen von der Idee, die Musik seines Idols, Georg Friedrich Händel, zu singen, doch der verachtet die Kastraten als unnatürliche Kreaturen (in Robert Schumanns „Neuer Zeitschrift für Musik“ erschien im Dezember 1834 die Schilderung einer musikalischen Abendgesellschaft 1734 in London, bei der Farinelli eine Arie singt und Händel darauf reagiert). Als der Konflikt schließlich in einem Duell auf der Opernbühne gipfelt und Händel in den Zusammenbruch treibt, geht Farinelli an den spanischen Königshof ins Exil.

Als Regisseur des opulenten Musik- und Kostümfilmes zeichnet Gérard Corbiau verantwortlich, der seit 1968 mehr als 50 Filme fürs belgische Fernsehen machte und dann für sein 1987 entstandenes Kinodebüt Der Musiklehrer und später auch für Farinelli – il Castrato die Oscarnominierung als bester ausländischer Film erhielt.
Um den eindrucksvollen Gesang des Kastraten, der immerhin über dreieinhalb Oktaven Stimmumfang verfügte, akustisch genau zu reproduzieren, ließ er Derek Lee Ragins Kontratenor mit dem Sopran Ewa Mallas Godlewskas digital abmischen. Eine Arbeit, die über sieben Monate in Anspruch nahm: Wir wollten den Schock, den so eine Kastratenstimme auf das Publikum ausübt, wiedergeben. Die Musik hat eine universelle, emotionale Kraft, die keinen kalt läßt. Damit kann ich die Zuschauer aus der Realität reißen:


Technische Daten DVD:

Laufzeit: ca. 106 Minuten
Bildformat: PAL 16:9, 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprache: Deutsch, Italienisch
Ländercode: 2 (Europa)

Technische Daten Blu-ray:

Laufzeit: ca. 111 Minuten
Bildformat: PAL 16:9, 1.85:1
Sprache: Deutsch, Italienisch
Ländercode: B (Europa)

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