Kleinhirn an Alle – Die große Ottobiografie

Buchtitel: Kleinhirn an Alle – Die große Ottobiografie
Autoren: Otto Walkes & Bernd Eilert  Verlag: Heyne, Mai 2018
Umfang: Gebunden, 416 Seiten, 15.2 x 22.1 cm  ISBN: 978-3-453-20116-3
Preis: 22  Euro, E-Buch: 17.99 Euro, Hörbuch: 15.95 Euro

© Heyne-Verlag

Auf Otto wurde ich in jungen Jahren durch einen Mitschüler namens Mathias Zaiß mit dem Spruch Eine Atombombe über Bayern: 65 Mark Sachschaden aufmerksam. Und obwohl ich lange sparen musste – die erste Otto-LP kostete stolze 20 Mark – war ich viele Jahre von dem blonden Blödelbarden aus Ostfriesland mehr als fasziniert…

Wer eine Autobiografie schreibt, hat etwas zu verbergen – Kurt Tucholsky
Wer nun aber eine Ottobiografie schreibt, lässt praktisch alles raus – Otto Waalkes

Pünktlich zu Ottos 70. Geburtstag am 22. Juli 2018 ist nun Die große Ottobiografie erschienen, welche der Jubilar unter Mitarbeit einer seiner langjährigen Autoren verfasst hat. Das über 400 Seiten starke Buch gliedert sich in 3 chronologische Abschnitte, deren Inhalte aber immer wieder nicht chronologisch erzählt werden:

  1. Lehr- und Wunderjahre (1948-1968)
  2. Gründerjahre (1969-1985)
  3. Märchenzeit (1986-heute)

Plus einen Zugabenteil, dessen Kapitel rückwärts (!) herunter gezählt werden…

1985 – 8.8 Mio. Zuschauer

Teil 1: Hier schreibt Otto über seine Kindheit, das frühe Vorbild Heinz Erhardt (von dem er später diverse Sprüche übernahm), das Kennenlernen seiner Hausautoren Robert Gernhardt, Pit Knorr und Bernd Eilert. Zwischendurch war der schlaksige Ostfriese an diversen Aushilfsjobs beteiligt und in einer Band names Rustlers musikalisch aktiv.

1987 – 6.5 Mio. Zuschauer

Teil 2: Otto trifft seinen späteren Manager Hans Otto Mertens und tritt vor wenigen Zuschauern auf.

Im Grunde machte ich also da weiter, wo ich mit den Rustlers in Emden aufgehört hatte: Ich sang Coverversionen bekannter Songs, nur das meine Interpretationen die Leute nicht mehr zum Tanzen, sondern zum Lachen bringen sollte.   Otto, S. 123

Schnell werden daraus Auftritte vor 3000 Zuschauern, die erste LP (1000 Exemplare Erstauflage, dann mehr als 500.000) und später die Hochschule für Bildende Künste.
TV-Auftritte im WDR, erste Bücher.
Der erste Otto-Film im Kino. Das ursprünglich geplante Projekt Otto und das Spaghettimonster mit Bernd Eichinger wurde nicht realisiert. Stattdessen produzierte Horst Wendlandt weitere Otto-Filme, die anfangs große Kassenerfolge waren.

1989 – 4.2 Mio. Zuschauer

Teil 3: Weitere Otto-Filme sowie eine TV-Serie auf RTL. Scheidung von seiner ersten Frau Manou. Und ganz viel persönliche Rückblicke auf Tourneen, Orte, Lieblingsstädte und Hallen. Auf Hotels und fremde Betten. Und auch auf Pannen, die in mehr als 4 Jahrzehnten unvermeidbar sind. Beispielsweise seine zweite Ehefrau Eva Hassmann (2000-2012). Gedanken über intelligente Humor-Kollegen (Harald Schmidt, Helge Schneider, Ralf Schmitz…) aber auch über Mario Barth.

1992 – 3 Mio. Zuschauer

Otto Waalkes hat seine Autobiografie mit massiv weniger verbalen Blödeleien versehen, als ich erwartet hatte. Dafür haben mich einige Textstellen gelangweilt, in denen der Ostfriese endlos über manche Themen philosophiert und die mich zum raschen Weiterblättern zwangen. Den Text aufgelockert hätten auch die 24 Seiten mit privaten Fotos, wenn sie sich nicht auf einer einzigen Bilderstrecke befunden hätten. Ebenso die 8 Seiten mit Gemälden, bei denen sich der ehemalige Kunststudent Waalkes bei klassischen Künstlern wie Cézanne, Manet oder auch modernen Malern wie Lichtenstein oder Hockney bedient hat…

Zwei Dinge gefallen mir besonders gut an diesem Buch: Zum einen die periodischen und kundigen Erwähnungen von Filmen, Schauspielern, Regisseuren und Szenen aus Filmen  und Fernsehen 😀 . Zum anderen das Foto von Otto im hinteren Schutzumschlag: Weise und sichtbar gealtert blickt der Ostfriese da in die Kamera…

2000 – 2.8 Mio. Zuschauer

Kleinhirn an Alle – Die große Ottobiografie ist ein Buch, mit dem sich einer der erfolgreichsten Komiker Deutschlands direkt an seine mehr als zahlreichen Fans richtet. Er erzählt von wichtigen (und auch weniger wichtigen) Stationen in seinem Leben und Schaffen. Die etwas lang geratene Selbstdarstellung ist weniger humorvoll als man es von Otto Waalkes erwartet und die neuen und alten Geschichten zwischen Hamburg, Emden und Amerika hätten ohne Verlust etwas gestrafft werden können. Ansonsten lesbar und eine Empfehlung wert. Danke, Otto, für die ersten 70 Jahre.


Weitere Bücher aus dem Heyne-Verlag finden Sie in unserer Filmbibliothek:

  

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Eine Antwort zu Kleinhirn an Alle – Die große Ottobiografie

  1. affendaddy schreibt:

    Wenn ich mich recht erinnere trat Otto in der Anfangsphase als Duo auf.1972 oder 73 kamen die beiden nach Mannheim in den Club Genesis in dem ich auch als DJ hin und wieder arbeitete. Der Inhaber Wolfram fragte mich ob die beiden bei uns übernachten könnten. Ich sagte, dass wir nur Platz für einen hätten. Wir würden den Otto nehmen. Im Laufe des Abends fand sich jemand der beide nahm. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern wie Otto’s Partner hieß.

    Gefällt 2 Personen

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