True Confessions – Fesseln der Macht

Land: USA 1981  Regie: Ulu Grosbard  Mit: Robert De Niro, Robert Duvall, Charles Durning, Burgess Meredith, Cyril Cusack, Kenneth McMillan, Ed Flanders, Rose Gregorio, Dan Hedaya Labeljustbridge entertainment   VÖ: 15.6.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Retrospezialisten Julian Dax:

© justbridge entertainment GmbH

Sehr häufig kann man den Wandel innerhalb der Gesellschaft in Bezug auf moralische Vorstellungen darin erkennen, wie man mit bestimmten Filmen verfährt. So erscheint es heute nahezu unglaublich, dass Manche mögen´s heiß seinerzeit im Kino eine Altersfreigabe „ab 18“ hatte, während diese unsterbliche Komödie bereits seit längerer Zeit auf DVD/Blu-ray „ab 12“ freigegeben ist, und das natürlich völlig zu Recht.

Auch Ulu Grosbards True Confessions aus dem Jahre 1981, der aus unerklärlichen Gründen bei uns nicht ins Kino kam, hatte bei seiner deutschen Videopremiere fünf Jahre später zunächst einmal das 18er-Etikett erhalten und erst 2003, nach einer erneuten Prüfung, ist er seitdem offiziell schon für Zwölfjährige erlaubt.

True Confessions spielt Ende der Vierziger in Los Angeles und zeichnet ein ebenso faszinierendes wie auch gleichzeitig abstoßendes Bild vom Leben in Los Angeles. Hauptfiguren sind zwei charakterlich gegensätzliche Brüder, ein katholischer Priester (Robert de Niro) und ein Polizist (Robert Duvall), deren Wege sich nicht nur privat, sondern auch beruflich kreuzen, als es um die Aufklärung eines unglaublich scheußlichen Mordes an einer jungen Frau geht. Einer der Hauptverdächtigen ist nämlich ein äußerst einflussreicher Bauunternehmer, der auch zu hohen kirchlichen Vertretern geschäftliche Beziehungen unterhält.

Grundlage für den Film ist der Roman True Confessions von John Gregory Dunne, den der Autor auch selbst zu einem Drehbuch verarbeitete, zusammen mit Joan Didion, seiner ebenfalls schriftstellerisch tätigen Frau. Ähnlich wie James Ellroy, nach dessen Romanen Filme wie L.A. Confidential und The Black Dahlia entstanden, ging es Dunne darum, reale Geschehnisse und Personen mit fiktiven Elementen zu vermengen, um so ein sowohl realistisches als auch für den Leser spannendes Sittengemälde zu erschaffen. Die Ähnlichkeit in der Methode beider Autoren geht sogar so weit, dass beide den spektakulären Mord an Elizabeth Short und dessen Folgen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, wobei Dunne noch ein zweites reales Element hinzufügt, indem er Monsignore Benjamin Hawkes als direkte Vorlage für den von de Niro gespielten Desmond Spellacy nimmt, einen charismatischen Vertreter der katholischen Kirche, der es mit der christlichen Lehre offensichtlich nicht immer so genau nahm.

Überhaupt ist das eines der wesentlichen Merkmale von True Confessions; der Film vermeidet größtenteils – wenn man einmal vom besonders widerlich typisierten Bauunternehmer absieht – irgendeine klare Grenzziehung zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß. So erfährt man andeutungsweise, dass der Polizist auch schon Bestechungsgelder angenommen hat und der Priester bei einer kirchlichen Lotterie der Tochter eines wichtigen Geldgebers schon mal den Hauptgewinn hat zukommen lassen. Vor den Augen des Zuschauers entsteht auf diese Weise ein moralisch komplexes Beziehungsgeflecht zwischen Menschen, die zum Teil unter ihrer charakterlichen Schwäche leiden und daraus ausbrechen möchten, zum Teil jedoch bereits derart korrupt und verkommen sind, dass sie ihr Leben als selbstverständlich betrachten.

Da es jedoch bekanntlich kein Licht ohne Schatten gibt, muss sich der Film den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine mehrsträngige Handlung nicht im eigentlichen Sinne auserzählt; wesentliche Figuren kommen und gehen, ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen, und vor allem die Frage, welche unmittelbaren Folgen für die beiden Brüder sich aus der Aufdeckung des Skandals ergeben, bleibt im Wesentlichen unbeantwortet. Stattdessen flüchtet sich der Film in einen völlig überflüssigen Prolog bzw. Epilog, der Polizist und Priester nach ca. 20 Jahren noch einmal zu einem Gespräch über Sterblichkeit zusammenführt.

Im Großen und Ganzen jedoch ist True Confessions ein gutes Beispiel für das sog. „erwachsene“ Kino, ganz weit weg von heutiger Massenware und bietet intelligente Unterhaltung für denkende Zuschauer. Vielleicht kann sich die Firma „justbridge„, die den Film in einer sehr schönen Ausgabe mit DVD, Blu-ray und einem 20-seitigen Büchlein auf den Markt bringt, beim nächsten Mal sogar dazu entschließen, deutsche und/oder englische Untertitel zu spendieren.


Bildformat DVD: PAL 16:9
Bildformat Blu-ray: 1080p
Tonformat DVD: Deutsch 2.0 Dolby Digital, Englisch 2.0 Dolby Digital
Tonformat Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1
Länge DVD: ca. 105 Min.
Länge Blu-ray: ca. 108 Min.
Extras: Original-Trailer, Booklet mit exklusiven Filminfos von Christoph N. Kellerbach

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