Juggernaut – 18 Stunden bis zur Ewigkeit

Land: GB/USA 1974  Regie: Richard Lester  Mit: Richard Harris, Omar Sharif, Anthony Hopkins, Shirley Knight, David Hemmings  Labeljustbridge entertainment   VÖ: 15.6.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Katastrophenhelfers Julian Dax:

© justbridge entertainment GmbH

Als „Katastrophenfilme“ bezeichnete man ein vor allem in den Siebzigern sehr populäres Filmgenre, was natürlich den einen oder anderen Kritiker dazu animierte, im einen oder anderen Fall gleich von „Filmkatastrophen“ zu lästern. Ob im Flugzeug (Airport), im Hochhaus (Flammendes Inferno), in einer ganzen Stadt (Erdbeben) oder auf dem Meer (Die Höllenfahrt der Poseidon) – die Leute wollten möglichst viele Stars in äußerst brenzligen Situationen sehen. Und so entstand 1974 unter der Regie von Richard Lester auch Juggernaut (= Moloch), der bei uns den Titel 18 Stunden bis zur Ewigkeit erhielt. Doch trotz einer stargespickten Besetzung (Richard Harris, Omar Sharif, David Hemmings, Anthony Hopkins, Ian Holm) floppte der Film weltweit.

Das Luxusschiff „Britannic“ befindet sich mit 1200 Passagieren auf der Fahrt von Southhampton nach New York, als ein Anrufer, der sich „Juggernaut“ nennt, bei der Reederei anruft und behauptet, an Bord befänden sich sieben Bomben, die nach Ablauf von 18 Stunden losgingen, sollte er nicht 500.000 Britische Pfund erhalten. Obwohl die Schiffseigner zahlen wollen, untersagt das der hinzugezogene Vertreter der Regierung, da man nicht mit Terroristen und Erpressern verhandeln wolle. Also wird eine kleine Gruppe von Bombenentschärfern per Flugzeug losgeschickt; die Männer müssen bei äußerst rauer See in Taucheranzügen per Fallschirm abspringen, was bereits für einen von ihnen tödlich endet. Und es soll nicht der einzige Tote im weiteren Verlauf der Handlung bleiben…

Was ist nur schiefgelaufen, dass das Kinopublikum dem Film seinerzeit die kalte Schulter zeigte? Christoph N. Kellerbach, der in der limitierten Neuauflage von Juggernaut das sehr informative Büchlein verfasst hat, glaubt den Schuldigen im Filmtrailer entdeckt zu haben; da dieser so gut wie alle Actionsequenzen enthält, glaubten die meisten Zuschauer wohl, ein weiteres Spektakel erwarten zu können, in dem möglichst viel zu Bruch geht. Doch genau das bekommen sie im vorliegenden Fall eben nicht, denn der Film konzentriert sich ab einem gewissen Moment voll und ganz auf seine Sprengstoff-Spezialisten, die mit all ihrem Können verhindern wollen, dass etwas in die Luft fliegt. Und das bedeutet, dass man für lange Zeit Richard Harris dabei zusieht, wie er den unglaublich komplizierten und raffinierten Mechanismus zu überwinden versucht, während seine Männer an den anderen Bomben Schritt für Schritt seinen Anweisungen folgen.

Es gibt wohl – mit Ausnahme von Kathryn Bigelows sehr viel neuerem The Hurt Locker – kaum einen anderen Film, in dem die berühmte Frage „Der rote oder der blaue Draht?“ derart spannend und auch für den Zuschauer zunehmend schweißtreibend präsentiert wird wie in Juggernaut. Und es ist erstaunlich, dass der Film auch heute noch seine Wirkung entfaltet und absolut nicht altbacken wirkt, ganz im Gegensatz zu so manchen anderen der oben erwähnten „Filmkatastrophen“, die nach so langer Zeit vielfach nur noch unfreiwillig komisch sind.

Und Lester wäre natürlich nicht Lester, würde er selbst angesichts eines nahenden Unheils nicht immer wieder Szenen und Dialoge einbauen, in denen ein gewisser Galgenhumor durchscheint. Gerade im Zeitalter inflationär verwendeter Computertricks kann man im vorliegenden Fall wunderbar erkennen, dass zur Erzeugung von Interesse und Spannung keine Tonnen von Spezialeffekten nötig sind, sondern ein gutes Drehbuch, eine souveräne Kamera und überzeugende Darsteller. Juggernaut ist eine echte Entdeckung!


Bildformat DVD: PAL 16:9
Bildformat Blu-ray: 1080p
Tonformat DVD: Deutsch 2.0 Dolby Digital, Englisch 2.0 Dolby Digital
Tonformat Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1
Prod.-Jahr: 1974
FSK: ab 12 Jahren
Länge DVD: ca. 105 Min.
Länge Blu-ray: ca. 108 Min.
Extras: Original-Trailer, Booklet mit exklusiven Filminfos von Christoph N. Kellerbach

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Thriller abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Juggernaut – 18 Stunden bis zur Ewigkeit

  1. steffelowski schreibt:

    Der Film hatte eben das Pech zur Hochzeit der klassischen US-Katastrophenfilme in die Kinos gekommen zusein kommen und wurde vermutlich auch genau so beworben. Natürlich konnte er dann die Erwartungen des Publikums nicht erfüllen. Sehr schade, denn der Film ist wirklich spannend und so schön „englisch“.
    Auf dem Höhenpunkt der Neuen Deutschschen Welle wurde auch jede deutsche Band, in der deutsch gesungen hat, von den Medien zur NDW-Kappelle ernannt. Das nahm dann schon sehr peinliche Züge an, wenn ich da so an BAP und Spliff denke…. oder auch Herbie Grönemeyer und Klaus Lage wurden gerne in einem Atemzug mit Ideal und Hubert K genannt…au weia….

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.