Midnight Sun – Staffel 1

Originaltitel: Midnattssol  Land: S/F 2016  Regie: Måns Mårlind, Björn Stein Mit: Leïla Bekhti, Gustaf Hammarsten, Albin Grenholm, Jakob Hultcrantz Hansson
: 12.6.2018  FSK: 16

Ein Beitrag unseres Sonnenforschers Julian Dax:

© Studiocanal

Ein Mann kommt wieder zu sich und findet sich gefesselt an den Rotorflügel eines Hubschraubers; der Rotor beginnt sich langsam zu drehen, der Mann schreit. Der Rotor dreht sich immer schneller, bald schreit der Mann nicht mehr….
So beginnt die achtteilige schwedisch-französische Serie Midnight Sun, und man fragt sich: Wenn das bereits mit solch einer spektakulären Szene beginnt, welche Steigerung ist denn da überhaupt noch möglich?

Die Handlung spielt im nördlichsten Teil Schwedens während des Sommers, was bedeutet, dass die Sonne praktisch nicht untergeht. Für die französische Polizistin, die zu den Untersuchungen hinzugezogen wird, weil das Opfer Franzose war, bedeutet dieser Umstand ein ebenso großes Problem wie die ihr völlig fremde Mentalität und Kultur der Menschen, mit denen sie es dort in Kiruna zu tun bekommt. Weitere scheußliche Morde werden verübt, eine Todesliste mit 22 Namen taucht auf, unheilvolle Ereignisse aus der Vergangenheit beeinflussen die Gegenwart, beinahe jeder, der den Weg der jungen, hübschen und äußerst taffen Ermittlerin kreuzt, scheint etwas vor ihr verbergen zu wollen, das Handlungsgeflecht wird immer dichter und undurchdringlicher. Und zu allem Überfluss haben sowohl die französische Spezialagentin als auch der schwedische Staatsanwalt an ihrer Seite auch noch mit ihren ganz persönlichen Dämonen zu kämpfen…

Ein typischer „Nordic Noir“ also? Auf den ersten Blick schon, wie man an dieser lediglich äußerst knapp umrissenen Inhaltsangabe meinen könnte, schließlich sind die beiden Drehbuchautoren auch verantwortlich für Serien wie Die Brücke oder Der Tunnel. In Midnight Sun jedoch erweitern sie ihr Spektrum beträchtlich und lassen den Zuschauer tief eintauchen in die Welt der Samen bzw. Lappen, wobei man erfährt, dass sie selbst den Begriff „Sámi“ bevorzugen und „Lappen“ mittlerweile als Schimpfwort betrachten. Und es ist tatsächlich eine faszinierende Welt mit ihren fremd anmutenden Gesängen und Ritualen, ihrem Naturglauben und der festen Überzeugung, dass manche von ihnen als Schamanen über ganz besondere Fähigkeiten verfügen und vor allem auch deswegen vom Rest der schwedischen Bevölkerung bis heute diskriminiert werden. Da Kommissarin Kahina Zadi (Leila Bekhti) auch nicht gerade eine „reinrassige“ Französin repräsentiert – ihre Familie stammt ursprünglich aus Nordafrika – kann sie dementsprechend auch eine besondere Beziehung zu Staatsanwalt Anders Hamsek (Gustaf Hammarsten) aufbauen, der selbst Sámi ist.

Natürlich muss man sich auf die für solche Serien typische labyrinthische Erzählweise einlassen, muss in Kauf nehmen, dass man eine ganze Weile lediglich nur Puzzlestücke vorgelegt bekommt und es lange dauert, bis daraus allmählich ein komplettes Bild entsteht. Doch dafür wird man mit dem stetigen Anziehen der Spannungsschraube entschädigt und kann gar nicht anders, als die letzten drei Folgen am Stück anzuschauen.

Allzu zimperlich darf man dabei allerdings nicht sein, denn, wie bereits erwähnt, schaut die Kamera bei den Mordopfern nicht etwa diskret zur Seite, sondern hält voll drauf. Und auch in Bezug auf die Logik des Ganzen, darf man nicht allzu pedantisch sein, was ein Beispiel von etlichen verdeutlichen soll: Wenn eine Figur in die Handlung eingeführt wird, die offensichtlich eine bedeutende Rolle spielt und sich später herausstellt, dass diese Figur gar nicht mehr wirklich existiert, fühlt man sich als Zuschauer schon gehörig verarscht. Aber angesichts der grandiosen Landschaftsbilder, der unverbrauchten Schauspieler – noch einmal: Leila Bekhti ist eine Wucht! – und dem regelrechten Sog, den die einzelnen Episoden entwickeln, sieht man über so manchen logischen Schnitzer hinweg und fühlt sich bestens unterhalten.


3 DVD, 432 min.

Bild: 1,78:1 anamorph
Sprachen/Ton: Deutsch, Originalfassung (5.1 DD)
Untertitel: Deutsch

2 Blu-ray, 432 min.

Bild: 1,78:1 1080/50i Full HD
Sprachen/Ton: Deutsch, Originalfassung (5.1 DTS-HD MA)
Untertitel: Deutsch

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