Die Macht des Bösen

Originaltitel: The Man with the Iron Heart  Land: Frankreich, Belgien, Ungarn 2017 Regie: Cédric Jimenez  Mit: Jason Clarke, Jack O’Connell, Jack Reynor, Rosamund Pike, Mia Wasikowska, Stephen Graham, Noah Jupe, Volker Bruch
LabelNewKSM  Veröffentlichung: 17.5.2018  FSK: 16

Ein Beitrag unseres Historikers Julian Dax:

© NewKSM

Hitler persönlich soll es gewesen sein, der Reinhard Heydrich als „Mann mit dem Herz aus Stahl“ bezeichnet hat. The Man With The Iron Heart lautet denn auch der Originaltitel des Filmes von Cédric Jimenez über das Leben eines der widerwärtigsten Nazi-Kriegsverbrechers – sofern man da überhaupt eine Rangfolge vornehmen will.

Heydrichs politische Karriere beginnt wenig vielversprechend; als Marineoffizier in Kiel wird er nach der Anzeige einer Frau wegen eines nicht eingelösten Eheversprechens unehrenhaft entlassen. Mit Hilfe von Lina von Osten, einer fanatischen Anhängerin der neuen NS-Partei findet er sehr schnell seine wahre „Berufung“ und wird zur rechten Hand von Heinrich Himmler, dem SS-Reichsführer, wie er sich bald nennt. Schon bald hat Heydrich den Posten des stellvertretenden Reichsprotektors von Böhmen und Mähren inne, in dessen Zuständigkeitsbereich auch die sog. „Säuberung“ der Bevölkerung fällt, was nichts anderes bedeutet als Deportationen und Massenerschießungen von Menschen, die nicht mit den angeblichen Merkmalen der arischen Rasse ausgestattet sind.

Heydrich ist es auch, der am 20. Januar 1942 am Berliner Wannsee 14 führende Persönlichkeiten der Nazidiktatur zu einer geheimen Konferenz einberuft, an deren Ende die von ihm so benannte „Endlösung der Judenfrage“ steht, im Klartext: die systematische und vollkommene Auslöschung aller Juden weltweit.

Cédric Jimenez‘ Film zeigt in den ersten vierzig Minuten den rasanten Aufstieg eines Psychopathen, wobei jedoch vom Zuschauer erwartet wird, dass er bereits über gewisse Vorkenntnisse verfügt; Namen wie Himmler oder Röhm und wofür sie stehen, werden als bekannt vorausgesetzt, manche Ereignisse, so z.B. die Auslöschung von Röhms SA durch die SS in der sog. „Nacht der langen Messer“, beschränken sich auf nur wenige Bilder. Das mag man durchaus als Manko empfinden, doch dem Regisseur geht es in erster Linie eben um seine Hauptfigur. Insofern kommt es ziemlich überraschend, dass der Film in den noch verbleibenden 80 Minuten plötzlich und unerwartet seine Perspektive verändert.

Schauplatz ist nun zunächst einmal Schottland, und man erfährt, dass die tschechische Armee mit Unterstützung der Briten dort junge Tschechen zu Widerstandskämpfern ausbildete. Von diesem Moment an bis zum Ende des Filmes folgt man nun zwei dieser Männer, Jozef Gabcik und Jan Kubis, die sich nach einem Fallschirmabsprung nach Prag durchschlagen müssen, um dort ihren Auftrag auszuführen und mit Hilfe der ständig unter Lebensgefahr agierenden kleinen Gruppe von Widerständlern Reinhard Heydrich zu eliminieren.

Der historische Ausgang dieser Aktion ist zwar bekannt, soll jedoch an dieser Stelle dennoch nicht verraten werden. Was man mit Die Macht des Bösen zu sehen bekommt, kann man als lebendige und packende, allerdings auch zutiefst bedrückende Geschichtsstunde bezeichnen, in der man mit äußerster Sorgfalt vorgegangen ist; Jason Clarke spielt einen wahrhaft monströsen und im Grunde nicht erklärbaren Charakter; neben unaussprechlicher, auch eigenhändig vorgenommener Gräueltaten und einer wahnhaften unmenschlichen Ideologie wird er auch als liebevoller Vater dreier Kinder gezeigt, der den ältesten, Klavier spielenden Sohn hingebungsvoll auf der Violine begleitet. Doch auch Rosamund Pike als eigentlich treibende Kraft hinter seinem unaufhaltsamen Austieg überzeugt voll und ganz, wenn auch im Fall ihrer Figur eine Erklärung nur schwer fällt, was genau sie an diesem Mann derart fasziniert, dass sie sich demütig entschuldigt, als er ihr an einer Stelle androht, sie zu verlassen, falls sie weiterhin darüber klagt, er habe zu wenig Zeit für sie.

Demgegenüber wirken die Gegenspieler beinahe zwangsläufig blasser, doch mit dem Ende des Filmes konzentriert sich die Handlung ausschließlich auf sie und stellt auf diese Weise sicher, dass sie den ihnen gebührenden Respekt und vor allem die Größe erlangen, die ihnen aufgrund ihrer selbstlosen Tat auch zusteht.


DVD:

  • Laufzeit 115 min
  • Bildformat: 16:9; 2,40:1
  • Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Blu-ray:

  • Laufzeit: 120 min
  • Bildformat: 16:9; 2,40:1; 1920×1080 p
  • Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Englisch (DTS-HD MA 5.1)
  • Deutsche Untertitel
  • Extras: Making Of, Interviews mit Regisseur und Schauspielern,Trailer, Bildergalerie
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