In der Kürze liegt die Würze: Meine Minimal-Kritiken

Während meiner schreibenden Tätigkeit für eine Tageszeitung gab es mal ein paar Monate die Vorgabe, dass man für Schrottfilme maximal 500 Zeichen lange Verrisse schreiben durfte. Für entsprechend kleines Honorar, versteht sich…😀😀😀
Das war seinerzeit nicht immer ganz einfach zu schreiben, ist aber heute wegen der konzentrierten Schärfe an Verachtung ganz drollig zu lesen. Viel Spaß.

Mann umständehalber abzugeben
Was für ein albernes Kasperletheater: TV-Star Matthew Perry spielt einen Zusteller von unerwünschten amtlichen Dokumenten und tut sich mit der Empfängerin einer Scheidungsurkunde zusammen, um deren steinreichen Noch-Ehemann abzuzocken.
Dabei kommt „Mann umständehalber abzugeben“ als alberne bis zotige Klamotte daher, deren hirnrissiges Drehbuch nur noch von den schauspielerischen Leistungen einer Elizabeth Hurley unterboten wird.

 Schwere Jungs
Was für ganz simpel gestrickte Gemüter: In dieser sogenannten Komödie sind John (Jason Lee) als frisch Verliebter in Geldnot sowie Duff (Tom Green, der bereits in „3 Engel für Charlie“ und „Road Trip“ den nachhaltigen Vollidioten gab) als Kleinkriminelle unterwegs, um sich fehlendes Geld zu beschaffen. Die krampfige Klamotte nervt durch eine hirnrissige Geschichte, Dialoge zum Abgewöhnen und Hauptdarsteller, die anderswo nicht mal als Lichtdouble vor die Kamera treten dürften.

Boat Trip
Bereits der deutsche Titel „Nick & Jerry auf sextremer Kreuz- und Querfahrt“ verheißt nichts Gutes. Und richtig: zwei Verlierertypen (einer fett, einer schwarz) werden aus Rache auf eine Kreuzfahrt schwuler Touristen gebucht. Um die Peinlichkeiten auf der Leinwand noch zu steigern, retttet der Dampfer ein Dutzend silikongestärkter Bikini-Schwedinnen aus Seenot und unsere Jungs sehen sich mit weiteren Verlockungen konfrontiert. Selten so gelacht und Schenkel geklopft.

Jackass – The Movie
Absolut überflüssige Kinoversion der Kultserie des Musiksenders MTV. Zwei Handvoll übermütiger Burschen machen sich laut gröhlend und grunzend zu Idioten: Man kackt vor laufender Kamera in die Hose, lutscht uringetränktes Eis, setzt sich ein Alligatorbaby an die Brustwarze, schiebt sich ein Matchbox-Auto in den Hintern oder rennt sich mit diversen Gefährten den Schädel ein. Manche werden das für revolutionär oder tabubrechend halten, dabei sind die Szenen oft so eklig, dass selbst die Kameraleute sich lautstark übergeben.

National Security
Na prima! Wenn etwas noch in den Kinos gefehlt hat, dann ist es ganz sicher nicht dieser x-te Abklatsch eines Buddy-Movies: Zwei ungleiche Dumpfbacken – ein tumber weißer Ex-Polizist und ein schwarzes Großmaul – sind in Uniformen eines Sicherheitsdienstes einer Ganovenbande auf der Spur. Wobei sich die Geschichte ganz schnell in wilden Schießereien, hektischen Autojagden mit Blechschaden und noch mehr dummen Sprüchen erschöpft. Außerdem nerven sich die Helden nicht nur gegenseitig, sondern auch gemeinsam den Zuschauer.

Extreme OPS
Hanebüchene Mischung aus der bleihaltigen Berg-Action „Cliffhanger“ und dem Abfahrtsspektakel „Feuer und Eis“: Ein Team durchgeknallter Extremsportler findet sich auf dem eisigen Gipfel eines Berges zusammen, um einen Werbefilm zu drehen. Dabei geraten sie mit serbischen Kriegsverbrechern aneinander. Auch wenn es dabei nicht zu einer befriedigenden Geschichte gereicht hat, muss man den Machern aus aller Welt immerhin ein paar turbulente und waghalsige Stuntszenen gutschreiben.

Tortilla Soup
Zwei Jahre altes und ziemlich behäbiges Remake von Ang Lees „Eat Drink Man Woman“ (1994): Allein erziehender Vater von drei inzwischen erwachsenen Töchtern wiedersteht der balzenden Raquel Welch und versucht durch phantastischen Kochkünste und allerlei verbramte Philosophie, seine Familie mexikanischer Abstammung zusammenzuhalten. Dabei ist in den opulent zubereiteten Speisen bedeutend mehr Schmackes als in den einzelnen Beziehungsgeschichten der drei Töchter, die am Ende doch ihre eigenen Wege gehen.

Das Dschungelbuch 2
Fragwürdige Fortsetzung des gigantischen Disney-Erfolges aus dem Jahr 1967: Mogli und seine Freunde gehen aus dem sicheren Dorf kurz in den Urwald und müssen dem gefräßigen Tiger Shir Khan  wieder mal eines auswischen. Dazu Lieder wie gehabt.
Das Filmchen wurde bewusst altmodisch animiert und kommt mit seinen 72 Minuten Laufzeit wie ein jahrelang ausgelaugter Teebeutel daher, den man zur erneuten Auswertung nochmal in lauwarmes Wasser getaucht hat: farblos, geschmacklich dürftig und unverschämt dünn.

Suche impotenten Mann fürs Leben
1.6 Millionen verkaufter Bücher sind schuld an diesem aktuellen Tiefpunkt bundesdeutschen Kinoschaffens: eine Handvoll Fernsehdarsteller quält den Zuschauer durch diese in englischer Sprache gedrehte und nachsynchronisierte Romanverfilmung. Die langweilige Inszenierung um eine Frau, die einen Mann sucht, der nicht nur das „Eine“ will und schließlich doch glücklich ist, dass ihr Traumprinz Leben in der Hose hat, ist voller Klischees sowie ebenso jämmerlich in Szene gesetzt wie gespielt.

Kangaroo Jack
Zwei dämliche Kleinkriminelle sollen in Australien 50.000 Dollar überbringen. Doch ein Känguru hoppelt mit der Jacke davon, in der das Mafiageld steckt. Fortan jagen die beiden Dumpfbacken das Beuteltier durch den Busch und werden dabei selber von den Geldeintreibern gehetzt. Aus der sonst actiongewohnten Produktion Jerry Bruckheimers stammt diese knalldumme Klamotte, die auf ziemlich niedrigem Niveau über die Leinwand holpert. Wobei das digital erzeugte Känguru noch die beste Figur abgibt.

Old School – Wir lassen nichts anbrennen
Drei gesellschaftlich etablierte Freunde um die Dreißig wollen ihre wilde Studienzeit noch mal aufleben lassen und gründen deshalb eine eigene Studentenverbindung, was zu allerhand Scherereien auf dem Campus führt. Regisseur Todd Phillips („Road Trip“) inszenierte die Midlife-Crises seiner Figuren als hilflos umhertaumelndes Komödien-Etwas aus Komasaufen, patenähnlichem Respekt, wilden Gleitcreme-Ringkämpfen und nackt durch die Stadt laufen. Absolut unlustig.

Halbtot – Half Past Dead
Ein FBI-Mann wird ins neu eröffnete Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz eingeschleust, wo er sich mit Geiselnehmern und anderen Ganoven lautstarte Kämpfe und Schießereien liefert. „Gesichtsbaracke“ Steven Seagal gibt den Actionhelden in dem in einem Berliner Stasiknast lieblos runtergekurbelten Gefängnisfilm-Imitat gewohnt hölzern und unmotiviert.  Da half es auch nichts, dem mittlerweile 52-Jährigen zwei junge Rapper nebst dröhnendem HipHop-Soundtrack zur Seite zu stellen.

2 Fast 2 Furious
Fortsetzung des benzinhaltigen Raser-Kasperletheaters von 2001. Weil aber die illegalen Wettrennen in waffenscheinpflichtigen Autos nicht wirklich abendfüllend sind, hat man sowas wie eine Handlung drumherum erfunden: Unsere oktanblütigen Helden werden diesmal als verdeckte Ermittler in eine Gangsterbande eingeschleust und rasen somit für die Mafia und die Zollfahndung gleichzeitig. Dazu blöde Sprüche, scharfe Bräute und jede Menge weiterer Zumutungen für denkende Zuschauer.

Gelegenheit macht Liebe
So originell der deutsche Titel auch scheint, so altbacken und unlustig ist diese angebliche Komödie selber: Als er am Morgen nach einer wilden Junggesellenparty mit einer Unbekannten im Bett erwacht, ahnt Paul noch nicht, dass dies eine Bekannte seiner künftigen Frau ist. Daraus ergeben sich einige alberne und peinliche Situationen, wobei die Themen Filzläuse, Fellatio-Workshop und heftiger Durchfall nicht so tabubrechend wie wohl geplant ausfallen…

Der letzte Lude
Ein erfolgloser Schnittchen-Verkäufer gibt sich im Hamburger Rotlichtviertel als Zuhälter aus und darf ein paar komische Abenteuer erleben. Ein jämmerliches Machwerk von unterirdischer Qualität, das diverse Prollkomödien der letzten Jahre glatt unterbietet. Die norddeutsche Flachpfeife Lotto King Karl in der Titelrolle ist weder Schauspieler noch irgendwie komisch und fügt sich somit stimmig in diese verfilmte Zelluloidverschwendung ein. Unbedingt verpassen, den Film!

FearDotCom
Breitwandige Achterbahnfahrt á la „The Ring“ für Augen, Ohren und kleine Hirne: Regisseur, Filmhistoriker und Requisitensammler William Malone ließ bereits 1999 das Remake von „Haunted House“ über die Leinwände donnern. Auch im vorliegenden Spektakel um eine Internetseite, deren Besucher binnen 48 Stunden grausam abgeschlachtet werden, bleibt er seinem Prinzip treu: viel Lärm, ganz viel optische Spielereien, noch mehr blutige Schocks und ganz wenig gut erzählte Geschichte.

Werner – Gekotzt wird später!
Das vierte Kinoabenteuer der unerträglich kultigen Comicfiguren: Werner, Andi und Eckat machen Urlaub auf Korsika. Wobei nicht mal der Titel des Filmes stimmt: Denn Freunde des grobschlächtigen und fäkalienreichen Umgangs kommen hier schon viel früher auf ihre Kosten. Laut und bunt ist die Devise dieses bedeutungslosen Zeichentrickfilmes, deren Autoren sich irgendwo zwischen Frechheit, Dummheit und peinlichem Stumpfsinn verloren haben.

Natürlich blond 2
Alberne Fortsetzung des Blondinenstreifens von 2001, in dem ein schriller Paradiesvogel zur ernstzunehmenden Juristin reifte. Diesmal ist die mächtig aufgebrezelte Elle Woods in Washington aktiv, um niedliche Tierchen vor den Labors der Kosmetikindustrie zu bewahren. Wie auch bei ersten Teil wäre dieser Film keinerlei Erwähnung wert, würde nicht Reese Wither-spoon die Titelfigur geben. Allerdings bekräftigt sie durch ihr Gekreische und Gehabe alle Vorurteile gegenüber Blondinen und disqualifiziert sich somit selbst.

Juwanna Mann
Ein eingebildeter farbiger Basketballspieler lässt vor Millionen Zuschauern die Hosen runter und fliegt aus allen Vereinen. Um dem sozialen Abstieg zu entgehen, verkleidet er sich als Frau und macht in einer Damenmannschaft Karriere, wird aber auch von einem hartnäckigen Liebhaber belästigt. Alberne und unglaubwürdige Sportlerklamotte, die überwiegend verklemmte Zoten mit falschen Brüsten, kollektivem Duschen und gynäkologischen Untersuchungen recycelt.

Asterix in Amerika
Asterix-Comics und -filme sind Kult, ohne Zweifel. Als der Nachschub an neuen Geschichten und Einkünften zu versiegen drohte, schob man rasch die alten Comics in neuen Dialekten nach. Welches Wichtelhirn aber nun auf die Idee kam, diesen Film aus dem Jahre 1991 mit Erkan und Stefan neu synchronisieren zu lassen, wollen wir lieber nicht wissen. Der 1977 verstorbene Texter René Goscinny würde sich im Grabe umdrehen, würde er die beiden Gallier und ihr Hündchen „Pitbullix“ in dieser Proll-Version erleben.

Extreme Rage
Ein ziviler Drogenfahnder voll­zieht einen privaten Rachefeld­zug durch die organisierte Drogenmafia, nachdem seine Frau bei einem nächtlichen Anschlag ermordet wurde.
Kahlkopf Vin Diesel („Fast & Furious“, „Triple X“), des­sen schauspielerische Fähigkeiten locker auf der Rückseite einer Standardbriefmarke Platz fin­den, hat sich dazu einen albernen Bart wachsen lassen  und gibt den gnadenlosen Rächer in diesem ebenso brutalen wie primitiven Action-Kasperle­theater.

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3 Antworten zu In der Kürze liegt die Würze: Meine Minimal-Kritiken

  1. ainu89 schreibt:

    Bin grad total schockiert…ich wusste gar nicht, dass es eine Version von Asterix gibt mit Erkan und Stefan in den Rollen😮…das muss ja grausam sein😑!
    Aber dein Format hier gefällt mir sehr gut, kurze knackige Texte über die man schmunzeln kann😉

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  2. Liegeradler schreibt:

    Verrisse zu schreiben macht immer noch am meisten Spaß. Und geht schnell.
    Ein Freund und Kollege aus Stuttgart hat über uns Filmkritiker einen Dokumentarfilm gedreht, der den passenden Titel trägt: Lob ist schwerer als Tadel:
    http://www.wolframhannemann.de/lisat.shtml

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  3. Stepnwolf schreibt:

    Für manche Filme reichen 500 Zeichen aber auch vollkommen aus. 😀

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