Pink Floyd – Their Mortal Remains

Buchtitel: Pink Floyd – Their Mortal Remains  Verlag: EDEL Books, Juli 2017  Umfang: 320 Seiten, 24.5 x 30.5 cm  ISBN: 978-3-8419-0566-6  Preis: 39.95  Euro

Ein Beitrag unseres Altrockers Julian Dax:

© Edel Books

Wieder einmal war es David Bowie, der den Wegbereiter spielte; als das renommierte Victoria & Albert Museum in London im Jahre 2013 eine Ausstellung mit dem Titel „David Bowie Is“ präsentierte, war es bis dato relativ unüblich, dass Vertreter der Rockmusik museale Weihen erhielten. Die Ausstellung jedenfalls wurde eine Riesenerfolg und begab sich anschließend auf eine weltweite Tournee durch verschiedene Metropolen, darunter natürlich Berlin. Mittlerweile haben diverse Künstler von den ebenso geschäftstüchtigen wie kundigen Kuratoren des V & A ihre eigene Ausstellung bekommen, darunter selbstverständlich auch Pink Floyd.

Unter dem Titel „Their Mortal Remains“ (= Ihre sterblichen Überreste) stellte Aubrey Powell, der langjährige „Creative Director“ der Band akribisch eine in solcher Vielfalt noch nicht dagewesene Präsentation zusammen über eine der größten und bedeutendsten Bands in der Geschichte der Rockmusik, deren Katalog nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

„Pink Floyd wirkten schon immer rätselhaft. Abseits der Bühne scheuten sie sich von Anfang an vor allzu viel Öffentlichkeit. Auf der Bühne ließen sie wilde Klanglandschaften entstehen, versteckten sich dabei jedoch hinter einer vielfarbigen, experimentellen Lightshow. (…) Als Personen waren Pink Floyd unsichtbar. (…) Mit diesem Katalog und der Ausstellung The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains wird der Schleier nach fünf Jahrzehnten endlich gelüftet. Beide präsentieren zum ersten Mal Pink Floyds außergewöhnliches persönliches Archiv mit Notizen, Texten, Briefen, Tagebucheinträgen, Fotografien, Cover, Filmen, Equipment und vielem mehr. Die Ausstellungsstücke liefern einen einmaligen Einblick in das private und das musikalische Leben der Band.“

Unterteilt in die zwei Hauptkapitel „Die Band“ und „Die Alben“, löst der prachtvolle großformatige Band das oben gegebene Versprechen im Vorwort von Aubrey Powell mehr als ein; selbst der größte Fan der Band – und davon soll es ja eine ganze Menge geben – wird noch Details entdecken, die er bisher noch nicht kannte, sei es ein hastig hingekritzelter Brief von Syd Barrett an einen weiblichen Fan oder der farbverschmierte altmodische Diaprojektor, den die Band bei ihren ersten Auftritten im Jahre 1967 verwendete.

„Woran denken Sie, wenn Sie den namen Pink Floyd hören? Die meisten von uns werden bei dieser Frage eher an die großartigen Bühnenshows oder legendären Album-Cover denken als an die Bilder einzelner Stars. Im Vergleich zu anderen Gruppen von ähnlicher Berühmtheit und Langlebigkeit umgibt die Menschen hinter Pink Floyd immer noch etwas Geheimnisvolles. Wer könnte schon ein Porträt eines der vier Musiker zweifelsohne einem Namen der Bandmitglieder zuordnen? Leichter fällt es beim Bild eines Prismas, durch das sich ein Lichtstrahl in Regenbogenfarben bricht, marschierende Hämmer vor einer weißen Wand oder ein riesiges fliegendes Schwein. Hier weiß beinahe jeder, zu wem diese Bilder gehören.“  Soweit die beiden verantwortlichen Kuratorinnen des V & A, Victoria Broackes und Anna Landreth Strong.

Natürlich war es in der Karriere einer derart visuell orientierten Band unausweichlich, dass auch Regisseure an die Musiker herantraten, mit der Bitte ihre Filme musikalisch zu untermalen. Bereits 1969 schrieben Pink Floyd die Musik zu Barbet Schroeders More, in dem ein junges flottes Pärchen gezeigt wird, das langsam, aber unaufhaltsam im Drogensumpf der damals vor allem von Hippies entdeckten Baleareninsel Ibiza versinkt. (Übrigens lautet der deutsche Titel des mittlerweile nur schwer erhältlichen Filmes „Gier nach Lust“!) Es war erneut Schroeder, der die Band bat, auch für seinen Film La Vallée den Soundtrack zu schreiben, der unter dem Titel „Obscured By Clouds“ im Jahre 1972 erschien und inzwischen ebenso verschollen ist wie „More“, wohingegen die beiden Platten natürlich nach wie vor erhältlich sind.

Aber auch die Band selbst, von der es keinerlei Filmaufnahmen von Live-Auftritten zwischen den Jahren 1972 und 1989 gibt, ließ sich 1971 überreden, sich bei einem Konzert im menschenleeren Amphitheater von Pompeji filmen zu lassen, wobei dem Kameramann eine ganze Reihe phantastischer Aufnahmen gelungen sind; das Bild eines während „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ auf einen riesigen Gong einschlagenden Roger Waters, während im Hintergrund die Sonne untergeht, vergisst man jedenfalls nicht so schnell.

Und auch diverse Bilder aus Alan Parkers Verfilmung von The Wall kriegt man nicht mehr aus dem Kopf; da Parker auf Dialoge vollkommen verzichtet, müssen eben die Bilder für sich sprechen, und das tun sie auch auf eine überwältigende Art und Weise.

Auch wenn die Band nach dem Tod von Keyboarder Richard Wright im September 2008 endgültig Geschichte ist und deren Erbe sowohl von David Gilmour als auch Roger Waters solistisch verwaltet wird, bleibt ihre Musik zeitlos. Und so geschieht es beinahe zwangsläufig beim Durchblättern von Their Mortal Remains, dass Erinnerungen wach werden an eine Zeit, als Musik nicht ausschließlich zu schnellem Konsum bestimmt war, sondern zum Träumen und Reflektieren einlud und einen Hörgenuss vermittelte, der den meisten heutigen Musikhörern wohl für immer verschlossen bleiben wird.


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Eine Antwort zu Pink Floyd – Their Mortal Remains

  1. CineMediaTech schreibt:

    Schöne Kritik. Bin PF-Fan und schaue bei Gelegenheit mal in das Buch. Grüße!

    Gefällt 1 Person

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