Titan

Land: USA 2017  Laufzeiten: 107 bzw. 111 min.  Regie: Lennart Ruff
Mit: Sam Worthington, Taylor Schilling, Nathalie Emmanuel, Agyness Deyn, Tom Wilkinson  LabelEurovideo  VÖ: 9.5.2018  FSK: 16

Ein Beitrag unseres Futuristen Julian Dax:

© Eurovideo

Hätte Mary Shelley geahnt, dass ihr im zarten Alter von 18 Jahren verfasster Roman als eine praktisch nie versiegende Inspirationsquelle für Generationen von Drehbuchautoren herhalten muss, hätte sie es sich vielleicht überlegt und das Manuskript von „Frankenstein“ wieder in der Schublade verschwinden lassen. Auch Titan, das Erstlingswerk des deutschen Regisseurs Lennart Ruff, borgt sich die Idee vom fatalen Eingriff in die Schöpfung bei ihr.

Wir schreiben das Jahr 2048. Die Erde ist so gut wie zerstört und unbewohnbar, die Menschheit so gut wie ausgerottet. Ein genialer (?) Wissenschaftler hat festgestellt, dass die einzige Überlebenschance für die wenigen noch verbliebenen Menschen darin besteht, dass man sie auf den Titan, den größten Mond des Saturn, umsiedelt. Da dieser Mond jedoch über keine der Erde ähnliche Atmosphäre besitzt und auch sonst ziemlich lebensfeindlich erscheint, bleibt als einzige Lösung, die für die Mission vorgesehenen Menschen entsprechend zu modifizieren bzw. genetisch völlig zu verändern. Zu diesen Menschen gehört auch der ehemalige Elitesoldat Rick Janssen, der, zusammen mit Frau und Sohn an einen geheimen Ort gebracht wird, wo schon sehr bald ein kleines Team von genialen (?) Wissenschaftlern mit den Experimenten beginnt, die ihn zu einem Übermenschen transformieren sollen. Doch die Sache geht schief…

Bei aller Sachlichkeit der o.a. Inhaltsangabe – die Fragezeichen hinter dem Adjektiv „genial“ müssen einfach sein! Hat es sich bei Drehbuchautoren immer noch nicht rumgesprochen, dass Wissenschaftler eigentlich akkurat und akribisch zu Werke gehen – so viele „mad scientists“, wie uns das Kino seit seinen Anfängen präsentiert hat, gibt es wirklich nicht – und es daher niemandem einfallen würde, in die Evolutionsgeschichte einzugreifen und zu erwarten, dass innerhalb von nur wenigen Tagen solch massive Veränderungen überhaupt nur denkbar, geschweige denn möglich sind.

Aber mit solch logischen Überlegungen tut man Titan eigentlich viel zu viel Ehre an, denn der Film ist einfach nur strunzdumm, zusammenhanglos und langweilig! Natürlich erwartet kein Mensch eine wissenschaftliche Abhandlung in einem als Science-Fiction deklarierten Unterhaltungsfilm, aber von Anfang an kommt man als Zuschauer gar nicht umhin, nach dem Wie und Warum zu fragen, ohne auch nur eine einzige Antwort zu erhalten. Warum sollen die Menschen umgewandelt werden und nicht z.B. der Mond? Wieso ausgerechnet Titan, wo die Umweltbedingungen für Menschen absolut untauglich sind? Wie genau sollen die Überlebenden überhaupt auf den Titan transportiert werden? Wer übernimmt die Kosten, wenn allein schon die Umwandlung eines einzelnen Menschen 300 Millionen Dollar kostet? Was hat eigentlich Tom Wilkinson in diesem Film verloren, dessen Qualitätskompass bisher eigentlich funktioniert hat?

Und wenn wir schon bei den Darstellern sind: Sam Worthington, der Darsteller von Rick Janssen, gehört wohl zu den ausdruckslosesten heutigen amerikanischen Schauspielern, und es hilft auch überhaupt nicht, dass er Dialoge wie den folgenden von sich geben muss: „Pioneering isn´t without its risks“, warnt ihn der von Wilkinson gespielte Dr. Frankenstein, äh, Dr Collingswood, worauf der tapfere Soldat mit stoischer Miene antwortet: „Well, the first one through the door always gets a little bloody.“

Je mehr sich die äußerst konfuse Geschichte ihrem Ende nähert, desto deutlicher wird zudem dass die Macher ganz offensichtlich nicht wussten, wie sie sich aus der Ecke heraus schmuggeln sollten, in die sie sich quasi gemalt hatten; anders sind jedenfalls die riesigen logischen Brüche und Löcher nicht zu erklären, mit denen der Film aufwartet und den Zuschauern gleich mehrere Enden präsentiert, die jedoch zunehmend abstruser wirken. Kaum zu glauben, dass Netflix für diesen Murks verantwortlich ist, eine Firma, deren Fernsehserien man nach wie vor guten Gewissens als revolutionär und visionär bezeichnen kann.


DVD:

Laufzeit: 93 Min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch & Englisch Dolby Digital 5.1
Extras: Interviews

Blu-Ray:

Laufzeit: 97 Min.
Bildformat: HD 1080p/24 (2,40:1)
Ton: Deutsch & Englisch DTS-HD MA 5.1
Extras: Interviews

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