Tabula Rasa – Staffel 1

Land: Belgien 2017  Regie: Jonas Govaerts, Kaat Beels  Mit: Veerle Baetens, Stijn Van Opstal, Gene Bervoets, Hilde Van Mieghem, Natali Broods, Jeroen Perceval, Peter Van Den Begin, Cecile Enthoven, François Beukelaers, Lynn Van Royen, Tom Audenaert, Ruth Beeckmans  LabelPandastorm  VÖ: 30.3.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Psychologen Julian Dax:

© Pandastorm

Es ist schon erstaunlich, was in den letzten Jahren aus „kleinen“ Ländern an Filmen und Serien kommt. Nach Dänemark mit Borgen, Die Erbschaft und Countdown Kopenhagen tritt nun auch Belgien erneut auf den Plan und liefert nach Code 37 mit Tabula Rasa eine weitere Ausnahmeserie.

Im Mittelpunkt der neun Episoden steht Mie. Die ehemalige Musical-Darstellerin und Sängerin leidet nach einem schweren Autounfall an partieller Amnesie, d.h. sie kann sich an Ereignisse aus jüngster Zeit absolut nicht erinnern. In einem abgelegenen Haus mitten im Wald versucht ihr Mann Benoit, Mie zu helfen, ihr Gedächtnis wieder zu finden. Zu ihrem Entsetzen findet sie sich eines Tages in einer psychiatrischen Anstalt, wo sie mit Hilfe von Zeichnungen und Notizen verzweifelt versucht, das Chaos in ihrem Kopf – wozu auch ihre ständigen Alpträume maßgeblich beitragen – irgendwie in den Griff zu bekommen. Für zusätzliche Komplikationen sorgt ein kurz vor der Pensionierung stehender Polizist, der Mie verdächtigt, etwas mit dem Verschwinden eines Mannes zu tun zu haben, obwohl sie behauptet, diesen gar nicht zu kennen.

Schon sehr bald misstraut Mie nicht nur ihrem eigenen Gedächtnis, sondern fängt an, sich quälende Fragen zu stellen in Bezug auf die Menschen um sie herum. Sagt ihre Mutter die Wahrheit? Warum kommt ihre kleine Tochter Romy nie zu Besuch? Hat ihr Mann Benoit eine Affäre? Warum ist der Polizist so fanatisch darauf bedacht, in ihr eine Täterin zu sehen? Die erst in der letzten Folge enthüllte Wahrheit ist nicht nur für Mie eine handfeste Überraschung…

Filme, in deren Mittelpunkt Menschen stehen, die ihr Gedächtnis verloren haben, sind sowohl für Macher als auch für Zuschauer von besonderem Reiz; erstere können hemmungslos aus dem Vollen schöpfen und ihre Figur alles Mögliche durchleben lassen, das sich im Nachhinein lediglich als Hirngespinst erweist, während letztere auf diese Weise stets in der Schwebe gehalten werden bezüglich des Wahrheitsgehalts des Gesehenen und Gehörten. Und genau dieses Stilmittels bedient sich auch Tabula Rasa (für Nicht-Lateiner: „Reiner Tisch“, im Sinne von „reinen Tisch machen“, „mit allem überflüssigem Zeug aufräumen“).

Wenn man der Serie einen Vorwurf machen könnte, dann höchstens den, dass die Handlung, die übrigens ständig hin-und her springt zwischen den Monaten und Wochen  „Vor dem Verschwinden“ und „Heute“, stellenweise doch etwas zu sehr mäandert und sich in Nebenhandlungen und zunächst wichtig erscheinenden, im Grunde jedoch überflüssigen Charakteren verliert. Bestimmt hätte man das Ganze auf sechs Episoden zusammenstreichen können, ohne etwas Wesentliches auszulassen.

Abgesehen von diesem zugegebenermaßen schwerwiegenden Kritikpunkt gibt es jedoch viel zu loben, denn  die Serie sieht in keiner einzigen Einstellung nach Fernsehmassenware aus; die Bilder, die Musik, allein schon der Vorspann – alles könnte man genauso in einem guten Kinofilm erwarten. Und dann ist da natürlich Verle Baetens in der Hauptrolle. Nicht nur spielt sie sich regelrecht die Seele aus dem Leib, ohne jemals zu überziehen – sie ist auch Co-Autorin des Drehbuchs. Wer die o.a. Serie Code 37 kennt, vor allem jedoch den wirklich herzzerreißenden Spielfilm The Broken Circle, wird bestätigen können, welch eine klasse Schauspielerin sie ist.

Wenn Sie also bereit sind, etwas Geduld mitzubringen und sich nicht vor einer labyrinthischen Erzählweise scheuen, werden Sie am Ende belohnt in Form einer so absolut nicht erwartbaren Auflösung – selbst psychothrillererfahrene Zuschauer werden wohl um ein überraschtes „Wow!“ nicht herumkommen.


DVD:

Laufzeit:

9 Folgen à 50 Min. / Gesamt 450 Min.

Bildformat:

1,78:1 / 16:9

Tonformat:

Deutsch DD 5.1, Niederländisch 5.1

FSK:

12

Untertitel:

Englisch

Regio-Code

Code 2

Extras:

Episodenguide

Blu-ray:

Laufzeit:

9 Folgen à 50 Min. / Gesamt 450 Min.

Bildformat:

1,78:1 / 1080p25 / AVC

Tonformat:

Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1, Niederländisch DTS-HD Master Audio 5.1

FSK:

12

Untertitel:

Englisch

Regio-Code

Code B

Extras:

Episodenguide

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