Score – Eine Geschichte der Musik

Land: USA 2017  Regie:Matt Schrader  Mit: Hans Zimmer, John Williams, Danny Elfman, Trent Reznor, Randy Newman, Howard Shore, Rachel Portman, Jerry Goldsmith, Quincy Jones, James Horner uvm. LabelNFP  Veröffentlichung: 9.5.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres musikalischen Julian Dax:

© NFP

Bittet man einen beliebigen Filmfreund, ein paar Takte aus seiner Lieblingsfilmmusik zu singen oder zu summen, so fällt das Ergebnis in der Regel nicht allzu überraschend aus; ob der Darth Vader-Marsch aus Star Wars, das Indiana Jones-Motiv oder die berühmten fünf Töne aus Close Encounters Of The Third Kind – die Chancen stehen nicht schlecht, dass John Williams´ Musik auf jeden Fall dabei ist. Williams ist es auch, der in erster Linie im Gedächtnis bleibt, nachdem man Matt Schraders Dokumentarfilm Score – Eine Geschichte der Filmmusik gesehen hat.

„Der Stummfilm war nicht wirklich stumm“ lautet die These des Filmhistorikers und Filmkritikers Leonard Maltin, von dem man erfährt, dass die von Anfang an vorhandene musikalische Untermalung, oft genug nur von einem einzigen Pianisten erzeugt, ursprünglich dazu gedacht war, das laute Surren des Projektors zu übertönen. An zahlreichen Beispielen, die von King Kong bis zu The Avengers reichen, äußern sich Regisseure, Filmkomponisten und Musiker in schneller Abfolge über die Bedeutung von musikalischer Untermalung in Filmen, von denen man in ebenso schneller Abfolge entsprechende Ausschnitte zu sehen bekommt.

Eigentlich hat sich Matt Schrader eine Aufgabe vorgenommen, die in 90 Minuten beim besten Willen nicht zu schaffen ist, denn dazu ist das Thema viel zu umfangreich. So wird der Zuschauer – auch derjenige, der über gewisse diesbezügliche Vorkenntnisse verfügt und dem Namen wie Bernard Herrmann oder Danny Elfman durchaus etwas sagen – mit einer immensen Datenfülle geradezu erschlagen. Praktisch im Sekundentakt springt der Film von Ennio Morricone zu Jerry Goldsmith und nimmt sich an keiner Stelle – vielleicht mit Ausnahme vom bereits erwähnten John Williams und Hollywoods momentan wohl produktivsten Filmkomponisten Hans Zimmer – wirklich Zeit für die vorgestellten Filme und die Menschen, die für deren musikalische Untermalung verantwortlich sind. Selbst die Einblendungen der Namen sowie der wichtigsten Filme, an denen sie beteiligt waren sind derart schnell, dass man immer wieder die Pausentaste betätigen muss.

Hans Zimmer       © NFP

Richtig ärgerlich jedoch wird es, wenn einige der Interviewten größtenteils Banalitäten und Allgemeinplätze von sich geben; als ob man nicht schon längst wüsste, dass die Duschszene in Psycho ohne die schrillen und dissonanten Geigen nur wenig Wirkung hätte, das Thema aus Jaws (Der weiße Hai) zutiefst bedrohlich wirke, der Darth Vader- Marsch sehr martialisch und Ennio Morricones Vorspannmusik aus The Good, The Bad and The Ugly seinerzeit als regelrecht revolutionär angesehen wurde. Ach ja, gleich mehrfach wird auch betont, Filmmusik solle in erster Linie Emotionen beim Zuschauer hervorrufen. Wer hätte das gedacht?!

Wenn man davon ausgeht, dass Musik, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine Struktur braucht, so kann man es als eine Art Ironie bezeichnen, dass Score eine solche absolut nicht vorweisen kann, sondern sich damit begnügt, sein Publikum mit möglichst vielen Namen und Informationen zu bombardieren, vielleicht in der vagen Hoffnung, dass wenigstens der eine oder die andere hängenbleibt.


DVD:

Ton: DVD Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bild: 16:9 (1:1,85)
Länge: 89 Min.
Bonus: Deleted Scenes

Blu-ray:

Ton: BD DTS HD Master 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bild: BD 16:9 (1:1, 85) / HD 1080p
Länge: 93 Min.
Bonus: Deleted Scenes

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Eine Antwort zu Score – Eine Geschichte der Musik

  1. steffelowski schreibt:

    Ich war auch sehr enttäuscht, das der Gang durch die Geschichte der Filmmusik leider eher ein gehetzter Lauf geworden ist, bei dem wirklich nur die Eckpunkte gestreift wurden, die man – vermutlich auch als Nicht-Enthusiast – eh schon kannnte. Welche Entwicklung die Filmmusik im Laufe der Jahrzehnte, auch vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Musik allgemein, gemacht hat, wurde m.e gar nicht thematisiert. Da haben sich die Macher etwas zu viel vorgenommen.
    Schön fand ich die Einblicke in die Studioarbeiten einzelner Komponisten und Musiker, bei denen man den Beteiligten immer anmerkte wie viel Herzblut und Leidenschaft sie in ihre Arbeit steckten. Für mich wurde John Williams etwas zu viel Platz eingeräumt, auch wenn es an seinen musikalischen Leistungen natürlich nicht zu kritisieren gibt.
    Mein Fazit: Ziel verfehlt, dafür aber (ganz überwiegend) mit schöner Musik ausgestattet.

    Gefällt 1 Person

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