Detroit

Land: USA 2017  Regie: Kathryn Bigelow  Mit: John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter, Algee Smith, Samira Wiley, Jack Reynor, Hannah Murray, Tyler James Williams, Ben O’Toole,  Jason Mitchell, John Krasinski
LabelConcorde Home Entertainment  Veröffentlichung: 5.4.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Soziologen Julian Dax:

© Concorde Home Entertainment

Bereits mit ihren ersten Filmen (The Loveless und Near Dark) hat Kathryn Bigelow bewiesen, dass sie keine Angst hat vor „männlichen“ Filmgenres. Und als sie für The Hurt Locker – als erste Regisseurin überhaupt – einen Oscar für einen Kriegsfilm erhielt und ein paar Jahre später mit Zero Dark Thirty nachlegte, attestierte ihr nicht nur Hollywood voller Respekt, sie besäße „balls of steel“.
Mit Detroit, der Aufarbeitung der schweren Rassenunruhen im Sommer 1967, hat sie nun wieder eine Art von Kriegsfilm abgeliefert.

In einer kurzen und für Kathryn Bigelow völlig uncharakteristischen Tricksequenz wird man über die Situation der schwarzen Bevölkerung der damals fünftgrößten Stadt der USA informiert, um sofort im Anschluss, ganz ohne Exposition, mitten ins Geschehen versetzt zu werden. In schneller Abfolge lernt man diverse schwarze und weiße Figuren kennen und bekommt einen Eindruck von der regelrecht explosiven Atmosphäre in der Stadt, vor allem hervorgerufen von den ständigen Übergriffen der ausschließlich weißen Polizisten auf Schwarze. Wie in einem Brennglas konzentriert sich die Handlung auf die Ereignisse einer einzigen Nacht im Algiers Motel, einer heruntergekommenen Absteige. Einer der Gäste schießt aus einer Mischung von Dummheit und Übermut mit einer Schreckschusspistole aus einem Fenster. Die ohnehin nervösen Polizisten vermuten einen Scharfschützen, stürmen mit Hilfe von Nationalgardisten und einem schwarzen (!) Wachmann das Motel und nehmen alle Insassen fest, darunter auch zwei junge weiße Frauen. Was folgt, ist eine endlos erscheinende Sequenz aus Demütigungen, Misshandlungen, Folterungen aller Motelgäste und schließlich auch Morden an drei von ihnen. An diese Ereignisse schließt sich dann noch eine Art Coda an; man wird Zeuge des Prozesses gegen die Haupttäter, drei weißen Polizisten, und schaltet nach Bekanntwerden des Urteils und der weiteren Informationen bezüglich der Hauptprotagonisten fassungslos das Abspielgerät aus.

© Concorde Home Entertainment

Es ist vor allem der mittlere und längste Teil des Filmes, das Vorgehen der drei ebenso dummen wie zutiefst rassistischen Polizisten, der den Zuschauer nahezu fassungslos zurücklässt. Dabei sind sowohl Bigelow als auch ihr Kameramann Barry Ackroyd absolut unerbittlich; wieder und wieder wird man Zeuge unmenschlichen Verhaltens und kann stellenweise kaum mehr hinschauen. (Die deutsche Altersfreigabe „ab 12“ kann man in diesem Fall nur als einen ganz schlechten Witz bezeichnen!)
Natürlich sollen dabei jedoch keineswegs niedrigste Triebe des Zuschauers befriedigt werden, denn die Aufnahmen wirken beinahe dokumentarisch und zutiefst abstoßend. Und da dieser lange Mittelteil derart intensiv gestaltet ist, muss die abschließende halbe Stunde – der Prozess und dessen Auswirkungen – zwangsläufig demgegenüber abfallen.

Auch wenn Detroit es dem Zuschauer nicht unbedingt leicht macht mit seiner Vielzahl an Personen und seiner Verweigerung, bestimmte Elemente zu fokussieren bzw. zu erklären, geht von dem Film dennoch eine ungeuere Wirkung aus; man ist entsetzt und verstört, wozu Menschen fähig sind und empfindet gleichzeitig Hilflosigkeit und Zorn. Und wenn man sich vor Augen hält, dass auch nach mehr als 50 Jahren nach den Ereignissen in Detroit immer noch kaum eine Woche vergeht, in der man nicht liest, dass wieder einmal ein Schwarzer von einem weißen Polizisten irgendwo in den USA verletzt oder getötet wurde, stellt man bestürzt fest, welche Aktualität und Sprengkraft Kathryn Bigelows Film besitzt.


Technische Daten DVD:

Bildformat: 1,85:1, (16:9)
Sprache / Ton: Dt. DD 2.0/ DD 5.1/ DTS 5.1, Engl. DD 5.1
Untertitel: Deutsch und Deutsch für Hörgeschädigte (ausblendbar)
Laufzeit: ca. 138 Minuten + 13 Minuten Bonus
Bonus:
– Featurettes (Die Wahrheit von Detroit, Die Besetzung von Detroit, Die Invasion von Detroit, Die Hoffnung von Detroit, Damals und heute)
– Musikvideo “Grow” mit Algee Smith und Larry Reed
– Bildergalerie
– Deutscher und Original Kinotrailer

Technische Daten BD:

Bildformat: 1080p High Definition, 1,85:1, (16:9)
Sprache / Ton: Dt. DTS-HD Master Audio 5.1, Dt. DD 2.0, Engl. DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch und Deutsch für Hörgeschädigte (ausblendbar)
Laufzeit: ca. 144 Minuten + 13 Minuten Bonus
Bonus:
– Featurettes (Die Wahrheit von Detroit, Die Besetzung von Detroit, Die Invasion von Detroit, Die Hoffnung von Detroit, Damals und heute)
– Musikvideo “Grow” mit Algee Smith und Larry Reed
– Bildergalerie
– Deutscher und Original Kinotrailer

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