Rebel in the Rye

Land: USA 2016  Laufzeiten: 105 bzw. 109 min.  Regie: Danny Strong  Mit: Nicholas Hoult, Kevin Spacey, Sarah Paulson  LabelEurovideo  VÖ: 27.3.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Literaten Julian Dax:

© Eurovideo

Wenn es ein Buch verdient hat, mit dem mittlerweile ausgelutschten Begriff „Kultroman“ bedacht zu werden, dann ist es wohl The Catcher In The Rye (Der Fänger im Roggen) von Jerome David Salinger. Seit seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1951 ist der Roman in 65 Sprachen übersetzt worden und hat eine bisherige Gesamtauflage von ca. 30 Millionen Exemplare weltweit. Im Gegensatz zur ungeheueren Popularität des Werkes, ist jedoch über dessen Autor nur wenig bekannt; kurz nach Erscheinen des Romans zog er sich vollkommen zurück, lehnte sämtliche Interviewanfragen oder gar Vorschläge glattweg ab, die Rechte am „Fänger“ für eine Verfilmung freizugeben und lebte bis zu seinem Tod im Jahre 2010 mehr oder weniger als Einsiedler in der Nähe eines kleinen Ortes in New Hampshire. Mit Rebel In The Rye versucht Regisseur und Drehbuchautor Danny Strong, die entscheidenden Jahre im Leben Salingers nachzuzeichnen.

Der Film beginnt im Jahre 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Salinger ist 20 Jahre alt. Nachdem er eine ganze Reihe renommierter Schulen durchlaufen hat, schreibt er sich an der Columbia University ein, wo er einen Literaturkurs besucht. Obwohl seine ersten literarischen Versuche bei seinem Mentor Whit Burnett noch auf Skepsis stoßen, ermuntert er Salinger dennoch, nicht aufzugeben. Doch der Eintritt der USA in den Krieg im jahre 1941 bildet eine große Zäsur in Salingers Leben, denn er wird nach Europa geschickt, wo er die Landung in der Normandie miterlebt, die Tausenden von jungen Soldaten das Leben kostet. Und auch die Befreiung von Insassen eines Vernichtungslagers hinterlässt unauslöschliche Spuren bei dem sensiblen jungen Mann. Nach Aufenthalten in diversen Kliniken in Deutschland, wo man versucht, seine Traumata zu behandeln, kehrt er schließlich in die USA zurück. Erst mit Hilfe eines Zen-Meisters überwindet Salinger seine Schreibblockade, und es gelingt ihm, seinen ersten Roman zu veröffentlichen, der auch sofort ein Riesenerfolg wird.

Relativ spät im Verlauf des Films wird man Zeuge einer Szene, die zu erklären versucht, was Salinger in die Einsamkeit getrieben hat und zudem an eine andere schicksalhafte Begegnung viele Jahre später denken lässt.  Er kehrt allein nach Hause in seine New Yorker Wohnung zurück, vor der ein junger Mann wartet, der so gekleidet ist wie Holden Caulfield, die Hauptfigur von „The Catcher In The Rye“. Er möchte unbedingt mit der Autor über diesen Roman sprechen und vor allem wissen, woher dieser all die Details aus seinem (!) Leben kennt. Es ist vor allem diese totale Identifikation mit einer fiktiven Figur, die Salinger erschreckt und zurückweichen lässt. Und wenn man bedenkt, dass Mark Chapman, der Mörder von John Lennon, nicht nur ebenfalls vor dessen Haus auf sein Idol wartete, sondern auch eine völlig zerfledderte Ausgabe von „The Catcher In The Rye“ mit sich führte, kommt man nicht umhin, entsprechende Parallelen zu ziehen und begreift, dass man sich als Künstler seine Fans nicht aussuchen kann und Ruhm eine äußerst heikle Sache ist.

© Eurovideo

Wäre man boshaft, müsste man eigenlich sagen, anstatt Filme über Schriftsteller anzuschauen, sollte man lieber deren Bücher lesen, denn darin erfährt man viel eher etwas über die Menschen, die diese Werke geschaffen haben. Im Großen und Ganzen trifft das leider auch auf Rebel In The Rye zu, denn trotz überzeugender darstellerischer Leistungen – Nicholas Hoult als Salinger und Kevin Spacey als Burnett sind gewohnt gut – liefert der Film lediglich eine brav und bieder inszenierte Abfolge von Situationen im Leben dieses ebenso genialen wie auch enigmatischen Autors. Dabei ist von Rebellentum im Grunde so gut wie gar nichts zu erkennen und die dem Roman innewohnende Sprengkraft, was dessen Form und Inhalt betrifft, kann man beim Betrachten des Filmes auch nur erahnen, zumal die Filmemacher ohnehin davon ausgehen, das Kinopublikum kenne „The Catcher In The Rye“ in – und auswendig.

Und wenn man bedenkt, dass sowohl Salinger als auch desse Alter-Ego Caulfield nichts mehr hassten als „phonies“. d.h. unehrliche, heuchlerische Menschen, kann man sich gut deren Reaktion auf diesen allzu glatten und harmlosen Film vorstellen…


Technische Daten DVD:

Ländercode: 2
Audio (Deutsch): Deutsch & Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch; Englisch fHG
Bildformat: 1,85:1 (16:9)

Technische Daten Blu-ray:

Audio (Deutsch): Deutsch & Englisch DTS-HD MA 5.1
Untertitel: Deutsch; Englisch fHG
Bildformat: HD 1080p/24 (1,85:1)

 

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Eine Antwort zu Rebel in the Rye

  1. René schreibt:

    Zwei Blogger, ein Gedanke. 😉 Auch wenn ich vorerst nur den BD-News gegeben habe. Ansehen werde ich mir den Film auch noch. Bin gespannt wo wir uns in der Meinung treffen werden.

    Gefällt mir

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