Good Time

Land: USA 2017  Regie: Benny Safdie, Josh Safdie
Mit: Robert Pattinson, Benny Safdie, Jennifer Jason Leigh
LabelAscot Elite Home Entertainment  Veröffentlichung: 9.3.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Kriminalisten Julian Dax:

© Ascot-Elite

Filminteressierte erinnern sich bestimmt noch an die 70er Jahre, in denen man häufig Beispiele eines Genres zu sehen bekam, die man als „Großstadtfilme“ bezeichnen könnte. Der Schauplatz war in der Regel New York, die Protagonisten entstammten meist dem kriminellen Milieu, Kameraführung, Bildschnitt und Musik versuchten, Handlung und Charaktere entsprechend zu kommentieren. Die Filme trugen Titel wie After Hours (Martin Scorsese), Dog Day Afternoon (Sidney Lumet), King Of New York (Abel Ferrara) oder Midnight Cowboy (John Schlesinger), und oft genug war die zeitliche Abfolge der Ereignisse auf nur wenige Stunden komprimiert, was deren Dringlichkeit zusätzlich betonte.
Good Time von den Gebrüdern Safdie erinnert stark an die o.a. Beispiele, ist jedoch weder ein Plagiat noch eine sog. Hommage, die häufiger als nicht auch nur ein verschönernder Ausdruck für Plagiat ist, sondern ein bewundernswert eigenständiges Werk.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Brüder Connie und Nick Nikas. Connie ist ein glückloser Kleinkrimineller, der sich zwar einesteils rührend um seinen geistig zurückgebliebenen Bruder kümmert, andererseits aber auch keine Skrupel hat, ihn für einen Banküberfall zu benutzen, der natürlich schiefläuft. Nick wird festgenommen und nach einer Schlägerei in der Untersuchungshaft in ein Krankenhaus gebracht, aus dem ihn Connie herausholen will. Eine wahnwitzige nächtliche Odyssey beginnt, die für alle Beteiligten mit etlichen Überraschungen aufwarten kann…

Hut ab vor Robert Pattinson! Nach seinem Riesenerfolg als romantischer Vampir in den vier „Twilight“- Filmen hätte er wohl noch eine ganze Weile für gutes Geld ähnliche Rollen übernehmen können, um seine vielen weiblichen Fans zufrieden zu stellen. Stattdessen sucht er sich zunehmend Rollen aus, die ihn fordern und vor allem möglichst weit entfernt sind von seinem Image als Teenieidol. So auch in diesem Fall; ein heruntergekommener Ganove, der weder Wert auf sein Äußeres noch auf herkömmliche moralische Vorstellungen legt, sondern einfach nur versucht, in Brooklyn zu überleben und  dabei auch noch für seinen Bruder zu sorgen, der allein nicht zurechtkommen würde.

© Ascot-Elite

Pattinson verschmilzt derart mit seiner Figur, dass man keine Sekunde an deren Wahrhaftigkeit zweifelt, denn jeder Blick, jedes Wort, jede Geste wirkt absolut authentisch. Unterstützt wird er dabei nicht nur von ihm (fast!) ebenbürtigen Mitspielern, sondern vor allem auch von einer nervösen, aber keineswegs hektischen Kamera sowie einer pulsierenden Musik, die beide dazu beitragen, dass der Film – ebenso wie sein zusehends verzweifelter Protagonist – niemals zur Ruhe kommt und einen ungeheueren Sog entwickelt. Und sogar eine Verbeugung vor John Steinbeck kann man – sofern man will – entdecken, denn ebenso wie in dessen Roman Of Mice And Men träumen hier zwei geborene Verlierer den sog. „American Dream“; sie wollen sich eine Farm auf dem Land kaufen, haben jedoch nicht den Hauch einer Chance.

Good Time hat es leider nicht in unsere Kinos geschafft, sondern wird direkt auf Blu-ray/DVD veröffentlicht, und es wäre jammerschade, wenn die einzigen Interessenten nur kreischende Robert Pattinson-Fans wären, auch wenn man in diesem Fall durchaus hoffen kann, auch sie würden nach dem ersten Schock über das Aussehen ihres Idols entdecken, was für ein klasse Schauspieler er ist.


Details DVD:

Laufzeit: ca. 98 Minuten
Bildformat: 2.38:1 (16:9)
Ton: DD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, Deutscher Trailer, Trailershow

Details Blu-ray:

Laufzeit: ca. 102 Minuten
Bildformat: 2.38:1 (1080p/ 24fps)
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, Deutscher Trailer, Trailershow

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