Maudie

Land: Kanada/Irland 2016  Regie: Aisling Walsh
Mit: Ethan Hawke, Sally Hawkins, Kari Matchett, Gabrielle Rose, Zachary Bennett
LabelNFP  Veröffentlichung: 27.2.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres Kunstkritikers Julian Dax:

© NFP

Solllte Sally Hawkins bei der diesjährigen Oscarverleihung den Preis für die beste weibliche Hauptrolle in Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers erhalten, so wäre das mehr als verdient; es ist und bleibt absolut unverständlich, warum sie in ihrem vorangegangenen Film nicht einmal nominiert wurde, denn bereits in Maudie liefert sie eine preiswürdige Vorstellung ab.

Ein kleiner Fischerort in Nova Scotia an der Ostküste Kanadas gegen Ende der 1930er Jahre. Maud Dowley, seit frühester Kindheit an rheumatischer Arthritis leidend, lebt nach dem Tod der Eltern bei ihrer bigotten und hartherzigen Tante Ida, die sie wie eine Leibeigene hält. Als Maud erfährt, dass ihr nichtsnutziger Bruder das elterliche Haus wegen massiver Schulden verkauft hat, ist sie am Boden zerstört, hatte sie doch gehofft, in naher Zukunft dorthin zu ziehen. Um ihrer Tante zu entkommen, nimmt sie das Stellenangebot von Everett Lewis an, der eine Haushaltshilfe sucht, die auch bei ihm wohnen kann. Lewis ist ein wortkarger, verschlossener Mensch, der seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Fischen bestreitet, die er an der Haustür verkauft. Seine Behausung ist eine heruntergekommene Hütte mitten im Nirgendwo, die nicht einmal über Elektrizität verfügt. Doch Maud lässt sich von all dem nicht beirren und möchte die Stelle unbedingt. Obwohl Everett sehr schnell merkt, dass ihr dafür jegliche Eignung fehlt und er ihr zudem ins Gesicht sagt, dass er keinen „Krüppel“ beschäftigen möchte, gibt er dennoch nach und sehr bald beginnt Maud mit der allmählichen Umgestaltung der kärglichen Hütte, denn sie hat eine große Leidenschaft: Malen. Auch wenn Everett anfangs nicht einsehen mag, was die immer bunter werdenden Wände eigentlich sollen, lässt er sie gewähren, und es dauert nicht allzu lange, bis sich die beiden eigentlich grundverschiedenen Außenseiter näherkommen…

Maud Lewis (1903 – 1970) gehört heute zu den bekanntesten kanadischen Künstlerinnen und wird der Kunstrichtung „naive Malerei“ zugerechnet. Ihre Bilder kosten mittlerweile fünfstellige Beträge, und die armselige Hütte, in der sie den größten Teil ihres Lebens verbracht hat, ist heute ein Ausstellungsobjekt. Doch all diese Fakten interessieren Drehbuchautorin Sherry White gar nicht. Im Laufe des Films erfährt man nicht einmal, in welchem Jahr man sich überhaupt jeweils befindet, man kann es höchstens an den Automodellen abschätzen und natürlich an dem Umstand, dass die beiden Hauptfiguren älter werden; der Film konzentriert sich ausschließlich auf sie und erzählt dementsprechend ihre Geschichte aus ihrer Perspektive.

© NFP

Man weiß gar nicht so recht, was man als Erstes loben soll, so perfekt ist Maudie geraten!!! Grandiose, wenn auch größtenteils äußerst karge Landschaftsaufnahmen, musikalisch stimmungsvoll untermalt, das hundertprozentig stimmige Ambiente, in dem die Figuren sich bewegen, vor allem aber die ebenso großartige wie subtile Schauspielkunst von Sally Hawkins und Ethan Hawke; bei beiden stimmt einfach jedes Wort, jeder Blick, jede Geste. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts wird umständlich erklärt oder begründet, es wird einfach so präsentiert, dass sich der Zuschauer selbst ein Bild machen kann. Dabei achtet Regisseurin Aisling Walsh auf jede Nuance, um ihre beiden Figuren möglichst lebensnah wirken zu lassen, wozu auch durchaus humorvolle Momente gehören. Als Maud z.B.ein Huhn einfangen und schlachten muss, entschuldigt sie sich vielmals, bevor sie ihm den Kopf abschlägt. Und als sogar eine Anfrage vom amerikanischen Vizepräsidenten Nixon wegen eines ihrer Bilder kommt, macht sie unmissverständlich klar, dass er dafür bezahlen muss.

Doch Maudie ist keine Geschichte über eine unwahrscheinliche Karriere, eine weitere Version des Mythos „vom Tellerwäscher zum Millionär“, es ist eine Liebesgeschichte. Auch wenn an keiner Stelle der berühmte, aus drei Worten bestehende, Satz fällt, wird die Nähe und Zuneigung des Paares deutlich, und am Ende vesteht man sogar, warum man Maud trotz ihres nicht nur aus unserer Sicht harten und entbehrungsreichen Lebens niemals weinen oder klagen sieht. In ihren Augen hat sie ein durchaus erfülltes Leben geführt, und wenn sie auf dem Sterbebett das Fazit zieht „I have been loved“, muss man sich als Zuschauer nicht der eigenen Tränen wegen schämen, denn man wird nicht manipuliert, sondern ist einfach nur hingerissen und tief berührt.
Ganz großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes!!!


Technische Daten:

Bonus: Deleted Scenes, Lookbook, Audiokommentar von Aisling Walsh in Englisch, Trailer & Teaser. Erstauflage mit Postkarten-Set & Schuber
Ton:                      DVD Dolby Digital 5.1, BD DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen:          Deutsch, Englisch
Untertitel:          Deutsch
Bild                       DVD 16:9 (1,85:1), 16:9 (1,85:1) /1080p
Länge:                  DVD 112 Min, BD 116 Min

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