Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers

Originaltitel: The Shape of Water  Land: USA 2017  Laufzeit: 119 min
Regie: Guillermo del Toro Mit: Sally Hawkins, Michael Shannon, Octavia Spencer, Richard Jenkins, Doug Jones, Michael Stuhlbarg   Kinostart: 15.2.2018

Ein Beitrag unseres Flüssigkeitsexperten Julian Dax:

© 2018 Twentieth Century Fox

Goldener Löwe von Venedig, zwei Golden Globes, diverse weitere internationale Auszeichnungen und jetzt auch 13 (!!!) Oscar – Nominierungen – die bisherige Bilanz von Guillermo del Toros Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers ist mehr als eindrucksvoll.

Baltimore im Jahre 1962. Die stumme Elisa arbeitet als Putzfrau in einem Geheimlabor des amerikanischen Militärs. Eines Tages entdeckt sie ein seltsames Wesen – halb Mensch, halb Amphibie – das im Amazonasgebiet eingefangen wurde und an dem nun zu angeblichen Forschungszwecken alle möglichen Versuche vorgenommen werden sollen. Als die Rede davon ist, es solle seziert werden, beschließt Elisa, das Wesen zu befreien, zumal sie sich in kürzester Zeit verliebt hat und ihre Liebe sogar erwidert zu werden scheint. Mit Hilfe ihres äußerst sympathischen Nachbars und einer Arbeitskollegin setzt sie ihren tollkühnen Plan in die Tat um…

Sicher werden manche schon nach der Lektüre dieser knappen Inhaltsangabe nur den Kopf schütteln und etwas von „Kinderkram“ murmeln, und sicher hätte viel, sehr viel sogar schieflaufen können, wäre nicht Guillermo del Toro für Drehbuch und Regie verantwortlich. In fast allen seinen bisherigen Filmen hat der mexikanische Regisseur bewiesen, dass ihm das enge Korsett der sog. „Genrefilme“ zu eng ist, dass es ihm nicht unbedingt nur darum geht, den Zuschauern irgendwelche Monster zu präsentieren. Stets verortet er seine fantastisch anmutenden Geschichten innerhalb eines realen Kontexts, sei es der Bürgerkrieg in Spanien (Pans Labyrinth) oder die Ära des Kalten Krieges im vorliegenden Fall.

Laut eigener Aussage war für ihn in erster Linie Jack Arnolds legendärer Horrorfilm The Creature From The Black Lagoon („Der Schrecken vom Amazonas“) aus dem Jahr 1954 der Auslöser. Fasziniert vor allem von der Szene, in der die weibliche Hauptfigur im Fluss schwimmt, während das fremdartige Wesen unter ihr in einer Art von Unterwasserballett ihre Bewegungen imitiert, bewahrte es der damals 6-jährige Knabe so lange im Gedächtnis, bis er seine eigene Version der Geschichte erzählen konnte. Vor allem erschien es ihm wichtig, diesem Wesen Gerechtigkeit zukommen zu lassen; in seinem Film ist es keinesfalls ein furchterregendes Monster, sondern ein einsames, sich nach Zuneigung sehnendes Individuum, ein Außenseiter, der allein schon aufgrund seines Äußeren von den meisten Menschen gefürchtet und abgelehnt wird und dem nur von Menschen, die sich ebenfalls als Außenseiter betrachten, Mitleid und sogar Liebe entgegengebracht werden.

© 2018 Twentieth Century Fox

Vor allem dieser Aspekt ist es, der für den Regisseur eine zentrale Rolle spielt, und so ist es nur konsequent, dass die wichtigsten Figuren im Film ebenfalls als von der Gesellschafft entweder an den Rand gedrängte oder offen abgelehnte Menschen erscheinen. Ob Elisas liebenswerter schwuler Nachbar (Richard Jenkins wieder einmal in Bestform!) oder ihre resolute schwarze Arbeitskollegin (Octavia Spencer, ebenso wie Richard Jenkins für einen Oscar nominiert) – all diese Charaktere betrachten die namenlose Kreatur als eine Art von Seelenverwandten, dem man unbedingt helfen muss.

Das Wunderbare an dem Film ist natürlich auch del Toros Idee, bei aller Märchenhaftigkeit so etwas wie eine zu einer Liebesgeschichte unbedingt dazugehörige Sinnlichkeit zu vermitteln. Und so schreckt er auch nicht vor einer Sexszene zwischen Mensch und Amphibienwesen zurück, die weder peinlich noch lächerlich erscheint, sondern einfach nur sehr ästhetisch wirkt. Und wie Elisa ihrer Kollegin anschließend mittels Zeichensprache erklärt, wie das Ganze genau ablief, ist einfach herrlich.

Mit Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers ist Guillermo del Toro ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastischer Film gelungen, ein wunderschönes, poetisches, zutiefst anrührendes Märchen für Erwachsene, dessen Zauber sich wohl nur absolut kaltherzige und vollkommen empathiefreie Kinobesucher entziehen können. Das letzte Wort soll dem Regisseur selbst gehören: Wasser nimmt die Form aller Gefäße an, in denen es enthalten ist – und obwohl Wasser so sanft ist, ist es zugleich die machtvollste und wandelbarste Kraft des Universums. Und genauso verhält es sich mit der Liebe, nicht wahr? Egal in welche Form wir Liebe hineingießen – sie wird zu dieser Form, sei es ein Mann, eine Frau, oder eine Kreatur.

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2 Antworten zu Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers

  1. Pingback: Kritik: Shape of Water – Filmexe – Blog über Filme und Serien

  2. C.H. Klosz schreibt:

    Schön geschrieben. Ich fand den Film auf recht gut. Gefiel mir besser als der gehypte „Three Billboards….“ lg

    Gefällt 1 Person

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