Schloss aus Glas

Land: USA 2017  Regie: Destin Daniel Cretton
MitBrie Larson, Woody Harrelson, Naomi Watts, Sarah Snook, Max Greenfield LabelStudiocanal  Veröffentlichung: 8.2.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres gläsernen Autoren Julian Dax:

© Studiocanal

Während Jeannette Walls, die amerikanische Journalistin und Schriftstellerin, auf deren Autobiographie The Glass Castle der vorliegende Film basiert, den wenigsten Bundesbürgern bekannt sein dürfte, ist sie zumindest den Baden-Württemberger Abiturienten seit einiger Zeit ein Begriff; ihr Roman „Half Broke Horses“, in dem sie das Leben ihrer Großmutter Lily Casey Smith beschreibt, gehört derzeit zur Pflichtlektüre im Fach Englisch.

Das Leben der Familie Walls als „unorthodox“ zu bezeichnen käme einer Untertreibung gleich: Vater Rex ist ein arbeitsscheuer Alkoholiker, Mutter Rose Mary eine selbstbezogene Pseudo-Künstlerin und die vier Kinder, darunter auch Jeannette, sind mehr oder weniger sich selbst überlassen. So zieht die Familie in ihrem alten klapprigen Auto quer durchs Land. Immer wieder verliert Rex seine Gelegenheitsjobs aufgrund seiner Alkoholsucht, die oft zu Wutausbrüchen führt, während Rose Mary sich in ihrer ganz eigenen Traumwelt eingerichtet hat. Nachdem sämtliche Optionen aufgebraucht sind, landen sie in Welch, West Virginia, wo sie sich in der Nähe von Rex´ Mutter in einem fürchterlich heruntergekommenen Haus niederlassen. Immer wieder wird man Zeuge von übler Vernachlässigung der Kinder; ob sie nun gezwungen sind, aus Butter und Zucker eine Pampe zu verrühren, weil sonst nichts zu essen da ist, Jeannette beim Versuch, Würstchen zu kochen, schlimme Verbrennungen erleidet, weil die Mutter lieber malt, als die Familie zu versorgen – die Kindheit der vier Geschwister ist einfach nur furchtbar, da helfen auch nicht die wenigen Momente von liebevollem Umgang miteinander.

Schloss aus Glas zeigt jedoch nicht nur die Kindheit und Jugend der Autorin, sondern schneidet immer wieder Szenen dazwischen, die Jahre später in New York spielen und Jeannette Walls als mittlerweile erfolgreiche Journalistin zeigen, die sich für ihre ebenfalls in New York in einem abbruchreifen Haus lebenden Eltern zutiefst schämt. Leider funktioniert dieses Hin und Her nicht so richtig, da es den Film in mehr oder weniger für sich stehende Episoden zerfasern lässt, anstatt einen richtigen Bogen zu schlagen von früher zu heute. Doch das ist noch nicht einmal der Hauptgrund, warum der Film inhaltlich nur wenig überzeugen kann.

© Studiocanal

Irgendwie gewinnt man als Zuschauer den Eindruck – spätestens bei der Schlussszene, in der die erwachsenen Kinder am reichgedeckten Thanksgiving-Tisch sitzen und sich daran erinnern, dass nicht alles schlecht war in ihrer Kindheit – dass den völlig verantwortungslos und egoistisch handelnden Eltern eine Art Absolution gewährt werden soll, und das stößt einem dann doch sehr sauer auf in Anbetracht dessen, was wir auf der Leinwand gesehen haben. Zudem wird auch an den Szenen, die in der Jetztzeit spielen deutlich, dass Rex sich keinen Deut gebessert hat und nach wie vor versucht, Jeannette zu diskreditieren, wo es nur geht. Und was die verklärte Vergangenheit betrifft, so mag als Beispiel eine kurze, aber eindrucksvolle Szene dienen: Als die kleine Jeannette ihre monströse Großmutter dabei erwischt, wie sie ihren kleinen Bruder Brian sexuell zu missbrauchen versucht und Rex von der Sache erfährt, wird er sehr wütend – allerdings nicht auf seine Mutter, sondern auf seine Kinder, die er für den Vorfall verantwortlich macht. Und für solch einen Menschen soll man Verständnis aufbringen?!

Somit bleibt am Ende des gut gespielten und tadellos inszenierten Films ein äußerst schaler Nachgeschmack, den weder die während des Abspanns laufenden Originalfotos noch die abschließende Widmung „To all families who, despite their scars, still find a way to love“ ganz beseitigen können.


Technische Daten DVD:

Laufzeit: 122 min.
Bild:
2,40:1 anamorph
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch 5.1 Dolby Digital
Untertitel: Deutsch
Extras: Gelöschte Szenen, Erinnerungen an den Film, Featurette: Der Soundtrack, Making of „Summer Storm“, Interview mit Schriftstellerin Jeannette Walls, Making of, Trailer

Technische Daten Blu-ray:

Laufzeit: 127 min.
Bild:
2,40:1 1080/24p Full HD
Sprachen/Ton: Deutsch 7.1 DTS-HD (Master Audio), Englisch 5.1 DTS-HD (Master Audio)
Untertitel: Deutsch
Extras: Gelöschte Szenen, Erinnerungen an den Film, Featurette: Der Soundtrack, Making of „Summer Storm“, Interview mit Schriftstellerin Jeannette Walls, Making of, Trailer

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Eine Antwort zu Schloss aus Glas

  1. robert belzner schreibt:

    Aber das Plakat ist toll!

    Gefällt 1 Person

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