Licht

Land: BRD/Österreich 2017  Laufzeit: 97 min  Regie: Barbara Albert
Mit: Maria-Victoria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm, Maresi Riegner, Johanna Orsini-Rosenberg, Stefanie Reinsperger, Susanne Wuest  Kinostart: 1.2.2018

Ein Beitrag unseres Historikers Julian Dax:

© farbfilm

Filme, die sich mit historischen Figuren befassen, stellen häufig eine Gratwanderung dar zwischen Kostümschinken und ernsthafter Auseinandersetzung mit den im Mittelpunkt stehenden Figuren und ihrer Epoche. Der Film Licht von der österreichischen Regisseurin Barbara Albert ist ein gelungenes Beispiel für die zweite Kategorie.

Wien 1777. Die früh erblindete Maria Theresia („Resi“) Paradis ist als Klavier-Wunderkind in der Wiener Gesellschaft bekannt. Nach zahlreichen medizinischen Fehlbehandlungen wird sie von ihren ehrgeizigen Eltern dem wegen seiner neuartiger Methoden höchst umstrittenen Arzt Franz Anton Mesmer anvertraut. Langsam beginnt Resi in dem offenen Haus des Ehepaars Mesmer, zwischen Rokoko und Aufklärung, im Kreise anderer wunderlicher Patienten und auch mit Hilfe des Dienstmädchens Agnes, das erste Mal in ihrem Leben, so etwas wie Freiheit zu spüren. Als Resi in Folge der Behandlung erste verschwommene Bilder wahrzunehmen beginnt, muss sie gleichzeitig mit Entsetzen feststellen, dass sie im Begriffe ist, ihre musikalische Virtuosität einzubüßen…

Bereits die ersten Bilder des Filmes wirken verstörend. In Großaufnahme sieht man Resis Gesicht mit ihren ziellos verdrehten Augen und dem beinahe ekstatisch wackelnden Kopf und erhält so von Anfang an einen sehr intensiven Eindruck von diesem hoch talentierten, wenn auch alles andere als attraktivem Mädchen. Ausgehend von ihrem Gesicht gleitet die Kamera auf den prächtigen Raum  und das sich darin befindliche Publikum. Und spätestens hier merkt man, dass die Regisseurin ein eindeutiges Bild jener Zeit vermitteln möchte. Hart am Rande der Karikatur zeigt sie affektierte, modisch bis ins Lächerliche ausstaffierte Gestalten, die weniger an der virtuos dargebotenen Musik interessiert scheinen, sondern das Konzert eher als eine Art „Freak-Show“ goutieren. Unwillkürlich muss man sowohl an die Ballszene aus Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ denken als auch an die kommende Französische Revolution, die all dieser Dekadenz ein Ende bereitete, bereiten musste.

Als Überleitungsfigur zwischen den beiden Epochen fungiert der Arzt Franz Anton Mesmer; äußerlich noch ganz dem Rokoko zugehörig, atmen seine Ideen bereits schon den Geist der Aufklärung. Als Zuschauer jedoch muss man das Urteil selbst fällen, ob es sich bei diesem Mann um jemanden handelt, der bereit ist, neue Wege zu beschreiten, um seinen Patienten tatsächlich zu helfen oder ob man es schlicht und einfach mit einem Scharlatan zu tun hat, der mit obskuren Methoden den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Seine Bemühungen um Resi jedenfalls erscheinen durchaus lauter, und zudem bekommt man den Eindruck, dass er bei ihren verzweifelten Versuchen, sich von den äußerst dominanten Eltern zu befreien, ganz auf ihrer Seite steht.

© farbfilm

Wie wichtig der Regisseurin dieser letztgenannte Aspekt ist, erkennt man auch daran, dass der Großteil des Filmes Resis Aufenthalt im Hause der Mesmers gewidmet ist, wo sie nach und nach das Gefühl bekommt, als Mensch und nicht als bloßes Objekt wahrgenommen zu werden. „Wer nicht sehen kann, der wird auch nicht gesehen – und wer nicht gesehen wird, der wird auch nicht gehört, der lebt nicht“ – diese zentrale Aussage Resis besitzt wohl bis zum heutigen Tage Gültigkeit und zwingt den Zuschauer, seine persönliche Einstellung zu überdenken gegenüber Menschen, die irgendwie „anders“ sind.

Nicht alles an Licht funktioniert jedoch gleichermaßen; so erscheint die Nebenhandlung, die sich mit dem Schicksal des Dienstmädchens Agnes beschäftigt etwas aufgesetzt, und man erhält auch nicht genug Informationen, um sich ein klares Bild zu machen. Zudem sprechen alle Darsteller des Hausgesindes einen zwar realistisch klingenden österreichischen Dialekt, doch was hilft aller Realismus, wenn man nicht versteht, was sie sagen?

Fazit? Maria Dragus, die eine überragende darstellerische Leistung bietet und praktisch in jeder Szene Präsenz zeigen muss, kann man nur bewundern und der viel – manche mögen einwenden zu viel – beschäftigte Devid Striesow verleihen dem Film zusätzliches Gewicht. Auch wenn es alles andere als leichte Kost ist, kann man Licht guten Gewissens empfehlen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s