Porto

Land: Portugal, USA, Frankreich, Polen 2016  Regie: Gabe Klinger
Mit: Anton Yelchin, Lucie Lucas, Françoise Lebrun, Paulo Calatré
Laufzeit
: 74 min.  Label: MFA+  VÖ: 26.1.2018  FSK: 6

Ein Beitrag unseres Portugalexperten Julian Dax:

© MFA+

Wäre der Titel nicht bereits von Connie Francis‘ gleichnamigen Schlager bereits vergeben, könnte man Porto auch „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ nennen. Und da es Anton Yelzins letzter Film vor seinem tragischen Unfall im Jahre 2016 ist, schleicht sich beim Anschauen automatisch eine gewisse Wehmut ein, die hervorragend zum eigentlichen Thema passt, der Unmöglichkeit und Unberechenbarkeit der Liebe.

Die Handlung – eigentlich müsste man diesen Begriff im vorliegenden Fall in Anführungszeichen setzen – ist schnell erzählt. Junge trifft Mädchen, Junge hat einen One-Night-Stand mit Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Junge verliert Mädchen.
Weil man mit solch einer banalen Geschichte natürlich nur ein müdes Gähnen hervorruft, muss man sich wenigstens formal etwas einfallen lassen, und da schöpft Regisseur Gabe Klinger in seinem ersten Spielfilm wirklich aus dem Vollen.

So erzählt er den Handlungsablauf nicht etwa linear und chronologisch, sondern verschachtelt und verkompliziert das Ganze und springt munter zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her; warum ist Mati plötzlich mit einem wesentlich älteren Mann verheiratet und hat eine Violine spielende Tochter? Woran genau scheitert die anfangs so unermesslich scheinende Liebe? Beinahe permament wird der Zuschauer gefordert, damit er sich überhaupt zurechtfindet. Zwar setzt der Regisseur verschiedene Filmformate ein, quasi als Hilfe, um kenntlich zu machen, wann die jeweilige Sequenz spielt, doch auch hier hält er dieses Prinzip nicht wirklich durch. Auch die Unterteilung des sehr kurzen (71 Minuten!) Filmes in drei Abschnitte mit den Titeln „Jake“, „Mati“ und „Jake und Mati“ ist keine große Hilfe, denn die ersten beiden Teile werden nicht ausschließlich aus der jeweiligen Perspektive der beiden Protagonisten erzählt.

© MFA+

Dabei hatte der Regisseur das Glück, in Anton Yelchin und der Newcomerin Lucie Lucas zwei äußerst charismatische Darsteller gefunden zu haben, auch wenn man sich schon fragt, was die bildschöne Studentin eigentlich an dem bei allem Charisma eher linkischen Verlierertypen findet. Jedenfalls harmonieren die beiden Darsteller in einem nicht gerade häufig anzutreffenden Maße, was vor allem der im Mittelpunkt stehenden langen Sexszene zugute kommt, deren Intimität und Sinnlichkeit sehr natürlich und ungezwungen wirkt und den Zuschauer keinen Moment peinlich berührt. Übrigens stellt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal die Frage, was sich die FSK eigentlich gedacht hat, diesen Film ab 6 (!!!) Jahren freizugeben.

Eindeutig zu kurz kommt allerdings der Schauplatz selbst, denn die Geschichte könnte im Grunde überall spielen, so wenig wie man von der malerischen portugiesischen Stadt sieht. Aber da Porto ausschließlich an seinen beiden Hauptfiguren interessiert ist, spielt alles andere einfach keine Rolle. Und wenn man in der Schlusseinstellung sieht, wie sich die beiden Liebenden im Bett einfach nur lange anschauen ohne zu sprechen, entlässt der Film den Zuschauer – trotz des melancholischen Grundtones – doch mit einem gewissen Optimismus und der Erkenntnis: „Es ist besser geliebt und verloren zu haben, als überhaupt nicht geliebt zu haben.“


Technische Daten DVD:

Laufzeit: 74 Min.
Sprachfassung: DtF / OmU

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