Wunder

Originaltitel: Wonder  Land: USA/Hongkong 2017  Laufzeit: 113 min
Regie: Stephen Chbosky  Mit: Jacob Tremblay, Julia Roberts, Owen Wilson, Izabela Vidovic, Mandy Patinkin, Daveed Diggs, Noah Jupe, Danielle Rose Russel, Nadji Jeter Kinostart: 25.1.2018

Ein Beitrag unseres Mitarbeiters Julian Dax:

© Studiocanal

Bereits vor über 30 Jahren drehte Peter Bogdanovich den Film Die Maske mit Cher in ihrer ersten großen Filmrolle sowie Eric Stoltz als ihrem Sohn. „Die Maske“ erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte eines Jungen, der aufgrund einer seltenen Krankheit mit einem grausam deformierten Gesicht auf die Welt kommt und sich behaupten muss. Im Grunde genommen erzählt Wunder dieselbe Geschichte, nur dass der Protagonist in „Die Maske“ sich bereits im Teenageralter befindet, als man ihn kennenlernt, während es in diesem Fall um einen zehnjährigen Jungen geht, den man als Zuschauer bei seinen ersten selbständigen Schritten hinaus in die Öffentlichkeit begleitet.

August („Auggie“) Pullman ist witzig, klug und großzügig. Er hat liebevolle Eltern und eine große Schwester, die ihm gegenüber ebenfalls viel Verständnis zeigt. Doch ein äußerst seltener Gendefekt hat sein Gesicht entstellt. Zwar haben sich Ärzte in einer ganzen Reihe von Operationen darum bemüht, die schlimmsten Auswüchse zu beseitigen, doch wirkt sein Gesicht auf die Öffentlichkeit immer noch viel zu seltsam, oder – wie Auggie das selbst in seinem Tagebuch festhält: „Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer“. Bisher hat ihn seine Mutter zu Hause unterrichtet und dafür ihre eigene Karriere geopfert, doch nun ist es nach Meinung beider Eltern an der Zeit, dass ihr Sohn eine reguläre Schule besucht. Auggie, der bei seinen Ausflügen in die Öffentlichkeit bisher stets einen Astronautenhelm aufgesetzt hat, muss sich nun einer für ihn riesigen Herausforderung stellen.

Vielleicht haben einige Filminteressierte bereits aufgehört zu lesen, weil sie befürchten, Wunder sei ein weiteres vor Kitsch triefendes Machwerk, das ausgetretenen Pfaden folgt und eine sehr vorhersehbare Geschichte über Mut und Hoffnung erzählt, doch in diesem Fall liegen sie absolut falsch. Regisseur Stephen Chbosky tappt in kaum eine der zahlreichen Sentimentalitätsfallen, die ein solches Thema parat hält, sondern zeichnet ein anrührendes und warmherziges Porträt eines Jungen, der zwar zunächst einmal auf Unverständnis bei den meisten seiner Mitschüler stößt, sich jedoch mit Großherzigkeit und Humor über gewisse Ängste und Vorurteile hinwegsetzen kann, um am Ende des ersten Schuljahres endgültig den Beweis zu erhalten, er sei nun voll und ganz integriert und akzeptiert.

© Studiocanal

Was dem Film enorm hilft, sind dabei in erster Linie die Hauptdarsteller; der kleine Jacob Tremblay, dessen Riesentalent bereits in Room offensichtlich geworden ist, trägt auch diesen Film und vermag es – allein mit Hilfe seiner Augen – auch unter seiner prosthetischen Maske absolut zu überzeugen. Julia Roberts und Owen Wilson als Eltern agieren diskret im Hintergrund, doch stets wird einem als Zuschauer bewusst, welch große Rolle sie bei der Entwicklung ihres Sohnes gespielt haben müssen, um ihm niemals das Gefühl zu geben, er sei eben „anders“ und müsse sich damit abfinden. Und dann ist da noch die große Schwester Via (Izabela Vidovic), die das kluge Drehbuch nicht etwa vernachlässigt, sondern in einem speziellen Handlungsstrang als Mädchen vorstellt, das sich mit der Tatsache abfinden muss, niemals die volle Aufmerksamkeit der Eltern beanspruchen zu können, weil sich das Familienleben hauptsächlich um ihren kleinen Bruder dreht.

Wenn man Wunder etwas vorwerfen kann, dann ist es höchstens der Umstand, dass der Regisseur, der die ganze Zeit über den berüchtigten Druck auf die Tränendrüsen elegant umschifft, am Ende der Versuchung dann doch nicht ganz widerstehen kann und etwas zu dick aufträgt. Doch das ist nur ein kleiner, unwesentlicher Kritikpunkt an einem Film, der in gleichem Maße sowohl unterhält als auch berührt.

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3 Antworten zu Wunder

  1. C. Klosz schreibt:

    klingt nicht übel

    Gefällt mir

  2. C. Klosz schreibt:

    bei Interesse: schau doch mal auf meinen Filmblog :-))
    filmpluskritik.com

    Gefällt 1 Person

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