Der andere Liebhaber

Originaltitel: L’amant Double  Land: Frankreich/Belgien 2017  Laufzeit: 107 min  Regie: François Ozon  Mit: Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond  Kinostart: 18.1.2018

Ein Beitrag unseres Beziehungslehrers Julian Dax:

© Weltkino

Es ist wohl die Faszination der vielen Möglichkeiten, die sich einem Künstler bei diesem Thema eröffnen, warum so viele Schriftsteller und Filmemacher immer wieder Zwillinge in den Mittelpunkt ihrer Werke stellen. Dabei reicht die Palette von Erich Kästners bereits mehrmals verfilmten Kinderbuchklassiker Das doppelte Lottchen bis hin zum Horror von Brian De Palmas Sisters oder David Cronenbergs Dead Ringers. Und auch Francois Ozon beschäftigt sich in seinem neuen Film Der andere Liebhaber mit dem Phänomen von zwei zwar identisch aussehenden, im Grunde jedoch völlig unterschiedlichen Menschen.

Die junge, attraktive Chloé leidet bereits seit einiger Zeit an chronischen Bauchschmerzen. Nachdem sie bereits erfolglos etliche Ärzte konsultiert hat, sucht sie schließlich auch den Psychotherapeuten Paul auf, beginnt eine vielversprechende Behandlung – und verliebt sich in ihn. Ihr Glück scheint vollkommen, denn der Arzt erwidert ihre Gefühle. Innerhalb kürzester Zeit ziehen sie zusammen, Chloé nimmt eine neue Arbeit als Museumsaufsicht an, und ihre Bauchschmerzen hören auch auf.
Durch Zufall entdeckt Chloé jedoch, dass Paul einen Zwillingsbruder hat; auch Louis ist Therapeut, und als Chloé, neugierig geworden, da Paul diesen Bruder bisher noch gar nicht erwähnt hat, auch bei Louis eine Therapie beginnt, muss sie feststellen, dass sich die beiden Brüder nur äußerlich ähneln – charakterlich liegen Welten zwischen ihnen. Während Paul zärtlich, verständnisvoll und ohne zu murren auch auf gewisse absonderlich erscheinende Wünsche Chloés eingeht, ist Louis rücksichtslos, fordernd und brutal, was ihn für Chloé jedoch nur noch attraktiver macht. Sie beginnt eine heiße Affäre mit dem „dunklen Zwilling“ und merkt erst viel zu spät, worauf sie sich da eingelassen hat…

Der andere Liebhaber, der in der Originalfassung viel treffender „Der doppelte Liebhaber“ (L´amant double) heißt, ist einer jener Filme, bei dessen Besprechung man höllisch aufpassen muss, nicht zu viel von der Handlung zu verraten, denn Ozon führt seine Zuschauer gerne aufs Glatteis. Dieser äußerst produktive Regisseur, der seit seinem Debüt Sitcom im Jahre 1998 18 Spielfilme gedreht hat, ist auch einer der unberechenbarsten Filmemacher heutzutage; so umfasst sein Gesamtwerk alle möglichen Genres: schrille Farce (Sitcom), musikalischer Krimi (8 Frauen), Melodrama (Angel), Märchen (Ricky) oder Psychothriller (Swimming Pool). Eigentlich fehlen nur noch Science Fiction und Horror, wobei er sich mit seinem aktuellen Film dem sog. „Bodyhorror“ eines David Cronenberg durchaus nähert…

© 2017-MANDARIN PRODUCTION-FOZ-MARS FILMS-FILMS DISTRIBUTION-FRANCE 2 CINÉMA-SCOPE PICTURES/JEAN-CLAUDE MOIREAU

Mit Hilfe seiner sehr attraktiven beiden Hauptdarsteller, Marine Vacth und Jérémie Renier veranstaltet Ozon ein wahres Feuerwerk an filmischen Tricks und Finten, wobei vor allem Spiegel und Doppelungen eine ganz wichtige Rolle spielen. Natürlich zitiert der Regisseur hier ganz explizit eines seiner großen Vorbilder, den bereits genannten Brian De Palma, der sich wiederum auf dem Höhepunkt seiner Karriere auf Alfred Hitchcock bezog. Es sind mithin große, sehr große Fußstapfen, in die Ozon hier tritt, doch er tut das mit einer Unbekümmertheit und Lust, wie sie nur jemand aufbringt, der von seinem Tun überzeugt ist. Auch wenn die Schlusspointe nicht jedem Zuschauer gefallen dürfte,da sie das bisher Gesehene so ziemlich auf den Kopf stellt, hat Ozon mit Der andere Liebhaber einen sehr unterhaltsamen, filmtechnisch brillianten Erotikthriller geschaffen, den man im besten Sinne des Wortes als intelligentes Kino für Erwachsene bezeichnen kann.

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